Koun Ke Koun Yerng

Sun Heng (21) ist Student in Kambodscha und macht für zwei Monate ein Praktikum in der Presseabteilung von CARE in Bonn. Im Blog erzählt er von seinen Erlebnissen.

Es ist immer faszinierend zu sehen, dass wir Menschen trotz der ethnischen und kulturellen Unterschiede vom gleichen Instinkt beherrscht sind: zu überleben. Man muss dem Leben nur eine Chance geben und seine Ausdauer und Zielstrebigkeit wird uns alle überraschen.

Meine Großeltern waren zwei von Hunderttausenden, die vor den Roten Khmer aus Kambodscha fliehen mussten. (Foto: CARE/SUN)

Meine Großeltern waren zwei von Hunderttausenden, die vor den Roten Khmer aus Kambodscha fliehen mussten. (Foto: CARE/SUN)

Flucht aus Kambodscha

Letzte Woche habe ich meine Großeltern in Lyon, Frankreich, besucht. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann wir uns das letzte Mal persönlich gesehen haben; ich muss zu jung gewesen sein. Trotz der Falten, die das Altern ihnen beschert hat, sehen sie  fit und gesund aus. Meine Großeltern sind Fabrikarbeiter. Sie besitzen ein kleines Haus, das etwa  elf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist. Ich war froh zu sehen, dass sie inzwischen gut über die Runden kommen. Als sie vor rund 30 Jahren als Flüchtlinge in Frankreich ankamen, beherrschten sie weder die Sprache, noch kannten sie irgendjemanden.

Meine Großeltern waren zwei von 306.000 Kambodschanern, die in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren vor den Roten Khmer in  die Schutzzonen der Vereinten Nationen in Thailand oder entlang der Grenze  flohen. Einige Flüchtlinge wurden in den USA aufgenommen, andere in europäischen Ländern, ein Großteil wurde zurück in die Heimat geschickt.

Mir wurden oft Geschichten  über die beschwerliche Flucht und die Gefahren, die Menschen ergreifen mussten um dem Krieg zu entfliehen und Schutz zu finden, erzählt. Sie mussten tagelang durch den Dschungel und über Minenfelder wandern und waren dabei Krankheiten und Hunger ausgesetzt. Jeder Schritt konnte ihr letzter sein, aber das hielt sie nicht davon ab, weiterzumachen. Sie mussten überleben.

Eine Chance zu überleben

So sehr ich  mir auch wünsche, dass dieser Horror Geschichte ist, fast 60 Millionen Menschen sind auch heute noch auf der Flucht. Jeden Tag versuchen tausende Flüchtlinge, den Konflikten in ihrem Heimatland zu entkommen und sicherere Orte, wie Flüchtlingslager in benachbarten Ländern oder in Europa, zu erreichen. Geschichten von einer südsudanischen Mutter, die wochenlang zu Flüchtlingscamps wanderte und dabei ihr unterernährtes Baby auf dem Rücken  trug, oder von einer jesidischen Familie, die mehrere Tage ohne Nahrung vom Berg Sindschar zu Camps im Nordirak floh, zeigen, wie weit  die Hoffnung Menschen tragen kann.

Das Sprichwort der Khmer „Koun Ke, Koun Yerng“ (Ihre Kinder, unsere Kinder) bedeutet, dass sich die Gefühle für unsere Kinder nicht von denen anderer Menschen unterscheiden, ganz egal wer wir sind. Die Menschen, die diesen Albtraum erleben, sind selbst Eltern, Kinder oder auch Großeltern.  Auch sie wünschen sich, eines Tages von ihrem Enkel besucht zu werden.

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