Lass Frauen das machen, was Männer tun!

Saoyuthnea Dara (20) ist Student in Kambodscha und macht für zwei Monate ein Praktikum bei CARE in Bonn. Im Blog erzählt er von seinen Erlebnissen.

Im Dienstleistungssektor arbeiten überwiegend Frauen. (Josh Estey/CARE)

Im Dienstleistungssektor in Kambodscha arbeiten überwiegend Frauen. (Josh Estey/CARE)

Als ich nach Bonn kam, lernte ich eine kambodschanische Familie kennen, die schon seit mehr als einem Jahr in Deutschland lebt. Onit, der kambodschanische Mann, hat mich während meiner ersten Woche hier zum Essen eingeladen. Er lebt mit seiner Frau, zwei kleinen Töchtern und seiner Mutter zusammen. „Wow…deine Frau ist toll!“ Das waren meine Worte, als er mir erzählte, dass seine Frau bei den Vereinten Nationen in Deutschland arbeitet. Natürlich beneiden sie viele kambodschanische Frauen für ihre Arbeit. Auf dem Papier sind alle Frauen und Männer gleichgestellt und haben die gleichen Chancen auf einen Job. Aber die Realität sieht anders aus: Genau wie in einigen anderen Entwicklungsländern ist Gleichberechtigung immer noch ein Thema in Kambodscha. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Frauen und Männern in verschiedenen Arbeitssektoren.

Kultur begrenzt die Chancen

Bis vor ein paar Jahrzehnten gingen Frauen und Mädchen in Kambodscha kaum zur Schule, geschweige denn auf eine Universität. Sie waren zu Hause, kümmerten sich um den Haushalt und passten auf die Kinder auf. Männer und Jungen hingegen durften zur Schule gehen und sogar studieren. Die Gesellschaft sah sie als Hauptverdiener der Familie und als Treibkräfte der Entwicklung des Landes. Meine Großmutter zu Beispiel kann weder lesen noch schreiben, weil sie als Kind nie eine Schule besuchte. Mein Großvater hingegen beendete die Volksschule.

Heute, im 21. Jahrhundert, ist diese Kultur vor allem für Städter veraltet. Doch Menschen in ländlichen Regionen leben diese Rollenbilder weiterhin. Eine Nachbarin in meiner Heimatstadt Kampot wurde aus der Schule genommen als sie elf war und hat dann geheiratet. Jetzt hat sie eine Tochter. Jeden Tag ist sie zu Hause, passt auf das kleine Geschäft ihrer Eltern und auf ihre Tochter auf. Ihr Ehemann ist Lastwagenfahrer und muss jeden Tag von früh bis spät arbeiten und so für das Einkommen der Familie sorgen. Die Geschichte meiner Nachbarin ist nicht der schlimmste Fall. Eine Menge Frauen in Kambodscha wissen nicht einmal was Bildung ist. Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) aus dem Jahr 2013 haben mehr als eine Million der insgesamt sieben Millionen Frauen in Kambodscha niemals eine Schule besucht. Ohne höhere Bildung ist es sehr schwer für Frauen, einen guten Job zu bekommen. Schon für Büroarbeit braucht man mindestens einen Bachelor-Abschluss, aber viele Frauen in Kambodscha haben diesen nicht. Das führt zu Ungleichheit zwischen Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

Ein Beweis für die Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt in Kambodscha

Eine junge Frau ohne höhere Bildung kann auch arbeiten und Geld verdienen. Aber welche Arbeiten kann sie überhaupt machen? Und wo sind die meisten Frauen in Kambodscha tätig? Viele Kambodschaner, die im Management arbeiten, sind Männer. In der Landwirtschaft, dem Dienstleistungssektor und der Bekleidungsindustrie arbeiten überwiegend Frauen. Laut einer Studie der ILO aus dem Jahr 2011 arbeiten 300.000 Menschen für die Bekleidungsindustrie – 90 Prozent davon sind Frauen.

Eindrücke in Deutschland und Umgebung

Letzten Samstag fuhr ich nach Belgien und in die Niederlanden. In Lüttich sah ich bei einem Konzert einige Polizisten. Ein Polizist arbeitete immer mit einer Polizistin zusammen. Ich war bei einigen Konzerten in Kambodscha, aber dort habe ich nie eine weibliche Polizistin gesehen. Generell gibt es kaum Frauen in den Sicherheitsapparaten des Staates. 2012 gab es in Kambodscha 421 Frauen, aber 61.622 Männer in Uniform.

Wie ist das in Deutschland? Politiker wollen die Mitbestimmung von Frauen stärken, auch in der Armee. Deutschland hat eine Verteidigungsministerin und sie will die Bundeswehr für Frauen attraktiver machen. 2011 war das Ziel, ihre Anzahl auf 15 Prozent zu erhöhen. Bis jetzt gibt es in der Bundeswehr 10 Prozent Frauen. Es sollen mehr Soldaten in Teilzeit angestellt werden. So können sich Frauen und Männer auch um ihre Familie kümmern.

Das Ziel vor Augen!

Frauen sind das Rückgrat der Gesellschaft, und Unterstützung der Frauen heißt auch Unterstützung der Entwicklung einer ganzen Gesellschaft. Einer der kambodschanischen Millenniumsziele bis 2015 ist die Abschaffung der Geschlechterungleichheit in allen Bereichen wie Bildung, Wirtschaft oder dem öffentlichen Sektor, sowie die Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Kinder. Industrieländer wie Deutschland sorgen sich viel um die Einbindung von Frauen im Arbeitsmarkt. Ich habe sogar einmal eine Frau gesehen, die Bus fährt!

Ich hoffe, dass ich irgendwann einmal gleich viele Männer und Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Kambodscha sehen kann. Ich würde viel lieber mehr Frauen im Management oder anderen gutbezahlten Jobs sehen als in der Bekleidungsindustrie oder in der Landwirtschaft. Ich glaube, dass Frauen die gleichen Dinge wie Männer erreichen können.

Geschlechterungleichheit mit dem Blick von CARE

CARE sieht Geschlechtergleichheit als wichtigen Weg, um die Armut in der Welt zu verringern. CAREs Arbeit im Balkan ist dafür ein Beispiel. Die traditionellen Rollen halten vor allem Frauen von ethnischen Minderheiten davon ab, ihre Rechte zu kennen. Roma-Mädchen verlassen früh die Schule, heiraten und bleiben dann zu Hause. 2011 hat CARE mehr als 3.000 Roma Mädchen und Frauen erreicht. Eines der Mädchen aus Vojvodina in Serbien sagte: „Ich wäre schon jung zu einer Hochzeit gedrängt worden, wenn CARE nicht zur richtigen Zeit gekommen wäre. Ich wollte immer schon Anwältin werden, und jetzt weiß ich, dass ich mein Jurastudium abschließen kann.“ Während meines Praktikums bei CARE Deutschland-Luxemburg lerne ich viel über die Aktivitäten der Organisation zur Geschlechtergleichheit. Ich hoffe, davon viel wieder mit nach Hause nach Kambodscha nehmen zu können.

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