Malawi: Die Gesichter der Dürre

Von Michelle Carter, CARE-Regionaldirektorin im Südlichen Afrika  

Woran erkennt man, dass ein Land von einer Dürre heimgesucht wird? An aufgerissener Erde, hungernden Kindern, um deren Köpfe Fliegen schwirren? Das sind einige der stereotypen Bilder. Während Dürren sieht man aber auch, wie widerstandsfähig Menschen sind und wichtig es ist, sich auf Dürren, die Veränderungen des Klimawandels und das Wetterphänomen El Niño besser vorzubereiten und anzupassen. Die Zahlen und Fakten zeichnen ein düsteres Bild für das südliche Afrika: 31,6 Millionen Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die Ernteerträge im letzten Jahr waren viel zu gering, der Regen kam viel zu spät.

In Malawi haben fast drei Millionen Menschen nicht genug zu essen – fast jeder sechste Einwohner hungert. Vor allem die ländliche Bevölkerung ist von der Nahrungsmittelknappheit betroffen. Im Nachbarland Mosambik hat die Regierung Alarmstufe Rot ausgerufen, um auf die schwere Nahrungsmittelkrise im Land aufmerksam zu machen.

Vertrocknete Maisfelder in Malawi. (Foto: Lucy Beck/CARE)

Vertrocknete Maisfelder in Malawi. (Foto: Lucy Beck/CARE)

Aber welche Lösung gibt es? Gibt es überhaupt eine? Offensichtlich benötigen viele Menschen dringend Nahrungsmittelhilfe. Organisationen wie CARE stellen diese bereit, aber gleichzeitig müssen wir viel langfristiger denken. Die Situation wird sich in Zukunft wohlmöglich noch verschlechtern, weil wir die Auswirkungen des Klimawandels immer stärker zu spüren bekommen. Das Unterschreiben der COP2021 von den Weltmächten in Paris am 22. April ist ein Anfang. Bei diesem Abkommen haben 171 Länder einem globalen Abkommen zur Bewältigung des Klimawandels zugestimmt. Dennoch haben diejenigen, die im zweiten Jahr in Folge vor ihrer vertrockneten Ernte stehen, wenig Hoffnung.

Michelle Carter

Michelle Carter: „Kurzfristige Nothilfe alleine ist keine Lösung.“ (Foto: CARE)

Kurzfristige Nothilfe alleine ist keine Lösung. Wichtig sind Programme und Maßnahmen, die die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung stärken, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Menschen müssen befähigt werden, ihre eigenen Lösungen zu finden und die passenden Mittel dazu müssen bereitgestellt werden. Das können etwa Werkzeuge und Techniken wie moderne Landwirtschaftsverfahren sein, hybride, hitzeresistente Saatgut und Bewässerungsanlagen, um den Regenmangel auszugleichen. Die Menschen müssen lernen, den Feind Dürre zu verstehen und ihn zu bekämpfen. CARE arbeitet als Organisation für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit für solche langfristigen Lösungen. Wir sehen bereits erste positive Ergebnisse in Gemeinden im südlichen Afrika, in denen wir tätig sind. In Malawi wurde Anpassung an den Klimawandel integraler Teil der Arbeit, indem moderne Landwirtschaftsverfahren eingeführt wurden. Zuerst werden die Verfahren auf kleinen Flächen vorgeführt, dann wenden die Menschen das Gelernte selbst auf ihren Feldern an. Innerhalb eines Jahres hat sich schon viel verändert. Vielen Familien ist es gelungen, ihre Ernte durch Mulchen zu retten. Dabei werden organische Materialien auf die Felder gestreut, um die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten. Außerdem pflanzen die Menschen schattenspendende Bäume an und bewässern ihre Felder. Oft sind es Frauen, die dies vorantreiben und eine Abkehr von den jahrzehntealten Traditionen befürworten. Es ist ein schrittweiser Prozess, dessen Ergebnisse erst langsam sichtbar werden.

Der Klimawandel wird nicht morgen, nächstes Jahr, oder auch in fünf Jahren gelöst werden. Er ist ein noch nie dagewesener Feind, der viel Flexibilität, Anpassung und Kreativität erfordert, wenn wir seine Auswirkungen bekämpfen wollen. Geldgeber müssen bei ihrer Unterstützung daher flexibler sein, insbesondere die traditionellen, institutionellen Zuwendungsgeber, und Gelder für den Ausbau der Widerstandsfähigkeit bereitstellen – jeweils an die Umstände der jeweiligen Region angepasst. Mit dem allerersten humanitären Weltgipfel in Istanbul Ende Mai verpflichtet sich CARE zu einer größeren Spendenflexibilität, um die Unterscheidung zwischen kurzfristiger Nothilfe und langfristigen Entwicklungszielen aufzulösen. Langfristige Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels müssen von Beginn an in die Nothilfeprogramme integriert werden, um den Menschen zu ermöglichen, ihre Zukunft selbst positiv zu verändern.

Erfahren Sie mehr über CAREs Arbeit in Malawi.

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