Mohammad in Hodeida: „Ich habe Angst, dass wir sterben“

Hodeida, die größte jemenitische Hafenstadt, ist meine Heimat. Hier bin ich geboren. Ich liebe diese Stadt. Aber seit vergangener Woche habe ich Angst, dass wir alle sterben. Letzte Woche Mittwoch fanden innerhalb von 30 Minuten 30 Luftangriffe in der Region statt. Seitdem hören wir Flugzeuge, die sehr tief fliegen. Die Geräusche sind schrecklich. Je näher sie kommen, desto mehr Angst habe ich um meine Familie.

(Foto: Holly Frew/CARE)

Vor dem Beginn des Krieges war Hodeida für seine einfachen, aber sehr lebensfrohen Menschen bekannt. Hodeida ist ursprünglich ein Fischerdorf. Viele Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Fisch auf dem Markt. Die meisten Familien in Hodeida sind sehr arm, doch seit dem Krieg hat sich ihre Situation noch verschlimmert.

Immer mehr Menschen sind bereits krank. Cholera, Dengue und Malaria breiten sich aus. Wenn Sie in Hodeida ein Haus betreten, werden Sie auf jeden Fall zwei oder mehrere Familienmitglieder finden, die in den letzten Monaten mindestens einmal Dengue-Fieber hatten.

Normalerweise spielen während des Festes des Fastenbrechens Kinder auf den Straßen, die Menschen zünden Feuerwerke an. Doch diesmal hatten Eltern Angst, ihre Kinder alleine auf die Straßen zu schicken. Für über 600.000 Menschen in der Region Hodeida sind es die bislang schwierigsten Tage dieses Jahres, aber ich sehe trotz allem wie viele versuchen ein Lächeln zu bewahren.

Doch wir dürfen die Gefahr nicht ausblenden. Sollte die Stadt angegriffen werden, könnte der Strom ausfallen. Das darf in Hodeida nicht passieren. Zurzeit ist es sehr heiß und feucht hier. Kein Strom bedeutet, dass wir auch kein Wasser haben werden. Damit würden die Bewohner der Stadt auf eine humanitäre Katastrophe zusteuern. Ich bin mir nicht sicher, ob wir das überleben könnten.

Ich habe auch Angst, dass wir unsere Häuser verlassen müssen. Bis jetzt kann ich keine Entscheidung treffen, ob ich gehen oder bleiben soll. Meine Familie will ihr Haus nicht verlassen. Es ist das Haus, das mein Vater über Jahrzehnte selbst gebaut hat, es ist unser Zuhause. Meine Geschwister sind hier aufgewachsen. Uns verbinden so viele wertvolle Erinnerungen mit dem Haus. Doch hier in Hodeida sind die Häuser alt, sie sind aus Lehm und Ziegeln gebaut und nicht robust genug den Kämpfen standzuhalten. Wenn ein Haus von einem Luftangriff getroffen wird, werden auch alle anderen Häuser in der Umgebung einstürzen.

Mehr als 22 Millionen Menschen in unserem Land brauchen humanitäre Hilfe. Seit einem halben Jahr arbeite ich bei CARE und versuche das Leid meiner Landsleute zu lindern. Ich wünsche mir mehr denn je, dass alle Parteien aufhören unser Land zu bombardieren. Ich wünsche mir, dass Friedensgespräche wieder aufgenommen werden und eine Einigung gefunden wird. Es muss verhandelt werden, damit meine Heimatstadt und meine Landsleute die Chance auf eine Zukunft haben.

Bitte helfen Sie uns, die Hilfe im Jemen schnellstmöglich auszuweiten und Hunger und Cholera vor Ort zu bekämpfen!

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