Nach der Flut, vor der Flut

Ich erinnere mich ziemlich genau an diese Zeit im vergangenen Jahr. Mein Vater feierte bei ziemlich guter Gesundheit seinen 82. Geburtstag, meine Kollegin Sandra Bulling machte sich auf zum Balkan, wo CARE auch arbeitet, und in NRW hatten die Sommerferien längst begonnen. Ich hatte die üblichen Termine verabredet. Ein Gast aus dem Niger hatte sich angemeldet, unser kambodschanischer Praktikant um ein Gespräch über die Arbeit gebeten und so weiter.

Ich war gerade in Mainz, um mich mit dem dortigen CARE-Aktionskreis zu treffen und mich mit einem Studenten auszutauschen. Er erläuterte mir die Arbeit seines sehr engagierten Vereins und was dieser für Ausbildung junger Leute in Afrika unternahm. Da hatte ich schon etwas von den Überschwemmungen in Pakistan gelesen. Unser Büro in Islamabad hatte Informationen zu CARE International – man kann sagen rund um die Welt – geschickt. Es hieß, dieses Mal sei es kein „normaler Monsun“ während der Regenzeit. Die CARE-Partner in den Bergen hatten so etwas noch nie zuvor erlebt. Das war an einem Freitag im Juli 2010.

Am darauf folgenden Mittwoch war ich auf dem Weg. Innerhalb weniger Tage dann angekommen im Nordwesten, in Charsadda und Nowshera. Später bin ich in den Punjab und nach Sindh geflogen. Was schon von oben ganz überwältigend aussah – Wasser, soweit man sehen konnte – überwältigte mich am Boden. Je näher man der Realität kommt, dachte ich, so grauenhafter kann sie werden.

Heute, im Juli 2011, misst das Thermometer in der Hauptstadt des Landes manchmal 40 Grad, und Naseer, einer unserer Fahrer, sagte mit heute morgen: „Wenn es so heiß wird, regnet es sicher bald.“ Das gilt vor allem für den Nordwesten, da, wo sich das Wasser im vergangenen Jahr Bahn brach. Ich bin gerade mit meinem Kollegen Mujahid dorthin unterwegs, wie schon letztes Jahr. CARE in Pakistan hat einen Plan erarbeitet für den Fall der Fälle. „Es kann gut sein, dass es losgeht, wenn wir dort sind,“ sagte Mujahid. „Aber vermutlich wird es nicht nicht so schlimm werden.“

Aber nicht nur CARE, auch die Regierung von Pakistan, hat sich vorbereitet. Vor einigen Tagen hat Ahmed Karmai, der Sprecher der NDMA (National Desaster Management Authority) ebenfalls mitgeteilt, dass die Regierung sich auf zwei Szenerien vorbereite: Eine für mehr als zwei und eine für maximal sechs Millionen mögliche Flutopfer.“ Die Flut im letzten Sommer war eine der schlimmsten seit Jahrzehnten gewesen. Und wenn irgend möglich, wollen wir Bilder wie jenes, das ich im vergangenen Jahr in Charsadda gemacht habe, nicht mehr sehen.

Bild aus vergangenen Zeiten: Vor einem Jahr litt Pakistan unter schweren Fluten. (Foto: CARE/Thomas Schwarz)

Eine Nachrichtenagentur sprach von „Pakistan’s post flood blues“; ich mag den Ausdruck nicht. Bei einem Blues schwingt jeder mit, wenn auch langsam. Und irgendwie hört man ihn auch gern. Bei den Schwierigkeiten, die die Menschen hier immer noch haben, finde ich das daneben. Aber es gibt die Fortschritte, die Verbesserungen, die Perspektiven. Zum Teil habe ich darüber ja gestern geschrieben. In den kommenden Tagen wird es in den Bergen Pakistans womöglich mit dem Internet etwas schwierig, dann werde berichten, wenn ich wieder Verbindung habe.

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