Naturschutz im Namen des Propheten

Die Küste von Pemba ist für Besucher ein Traum, für die Fischer ihre Lebensgrundlage (Foto: CARE/Bulling)

Am Flughafen in Dar es Salaam, der Hauptstadt Tansanias wartet eine kleine Cessna, ein winziges Flugzeug, das uns auf die Insel Pemba fliegen soll.

Ich schlucke tief, nehme meinen Mut zusammen und steige in die Flugmaschine. Ruckelnd und schlingernd starten wir. Nach nur wenigen Minuten fliegen wir über die tansanische Küste am Indischen Ozean, in der Ferne erkenne ich bereits Sansibar. Wir schweben über Sansibar, ich sehe weiße Sandstrände und grüne Mangrovenküsten unter mir vorbeiziehen. Nur noch eine Viertelstunde, und schon setzen wir in der Stadt Chake Chake auf. Noch ganz überwältigt von diesem Flugerlebnis werde ich von Mbarouk begrüßt, einem Mitarbeiter der CARE-Partnerorganisation Mica. Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern ist typisch für CARE: wo immer es möglich ist, stützen wir uns auf das Wissen und die Ortskenntnis von ansässigen Organisationen. Der Name Mica steht für „Misali Island Conservation Association“ und erklärt das Anliegen der Organisation: Naturschutz in Pemba und seiner vorgelagerten Insel Misali.

Herzliche Begrüßung und „weihnachtliche“ Düfte

Von Chake-Chake aus fahren wir 20 Minuten gen Norden nach Wete. In dieser Kleinstadt ist das CARE-Büro. Wete ist ein verschlafenes Städtchen, mit sehr freundlichen Bewohnern. Wir werden von allen Seiten begrüßt. Man kann sich kaum vorstellen, dass ein Tansanier in Deutschland so herzlich willkommen geheißen würde.
Pemba ist eine wunderschöne Insel, die im Schatten ihrer berühmten Nachbarin Sansibar untergeht. Es gibt nur wenige Touristen, dafür aber grüne Landschaft, türkises Meer und sehr sympathische, interessierte Menschen. Auf der Fahrt durch die Dörfer riecht es nach Nelken, die auf den Straßen zum Trocken ausliegen. Sofort denke ich an Glühwein, trotz tropischer Wärme. Zum ersten Mal sehe ich einen Nelkenbaum, den mir Mbarouk stolz zeigt. Und es gibt noch mehr zu entdecken: Mango, Cassava, Jackfruit, Papaya, Orangen, Breadfruit. Was bei uns exotisch teuer nur in ausgewählten Supermärkten zu kaufen gibt, wächst hier am Straßenrand.

Der Koran predigt Umweltschutz

Mbarouk fährt mich in das Dorf Kukuu. Es ist ein Fischerdorf, mit malerischem Blick auf das türkisfarbene Meer. Mbarouk und seine Organisation Mica kamen 2001 zum ersten Mal hierhin und haben sich mit den Fischern über Naturschutz unterhalten. Dabei hat er lange Diskussionen mit den Dorfbewohnern geführt, vor allem mit dem örtlichen Imam Haroub. Sie haben sich über den Koran unterhalten und darüber, wie bereits der Prophet Mohammed zum nachhaltigen Umgang mit der Natur aufgefordert hat. Dies ist im Koran und in seinen Auslegungen, den Hadithen, festgeschrieben. Imam Haroub, der außerdem auch Fischer ist, nutzt nun dieses Wissen, um seine Gemeindemitglieder zum Umweltschutz aufzufordern. Seitdem forsten sie gemeinsam Mangroven wieder auf, um die Küste vor Erosion zu schützen. Mangrovenbäume finden sich vor allem in Küstenbereichen, ihre Wurzeln wachsen weitverzweigt im Wasser und an der Luft.

Iman Haroub und andere Fischer sprechen gemeinsam mit CARE und Mica über den Koran und Umweltschutz (Foto: CARE/Bulling)

Pemba wird grüner

Dies ist das Ziel des gemeinsamen Projekts von CARE und Mica: Zum Umweltschutz aufzurufen, das Ökosystem Pembas zu schätzen und zu schützen. Der Weg dorthin führt über die islamischen Grundsätze. Fast jeder in Pemba ist Muslim, und der Imam hat somit den größten Einfluss auf das Dorfleben. Mbarouk und seine Kollegen haben mit vielen Imamen gesprochen, haben ein Lehrbuch verteilt, in dem die relevanten Koransuren zum Thema Naturschutz stehen. Sie haben der Gemeinde Kukuu gezeigt, wie man nachhaltiger fischen und ertragreicher anbauen kann. „Wenn man etwas Sinnvolles und Gutes beigebracht bekommt, dann muss man dieses Wissen weitergeben“, sagt Imam Haroub. „Wir müssen klug mit der Natur umgehen, so wie es unsere Religion vorgibt.“ Er kann die Effekte seines Engagements sehen: „Heute fangen wir mehr Fische und ernten mehr Gemüse als je zuvor.“

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