Nepal auf meinem Bildschirm

Nach dem Erdbeben: Erste Hilfsgüterverteilungen rühren Menschen wie etwa die 72-Jährige Thali zu Freudentränen. (Foto: CARE/Prashanth Vishwanathan)

Nach dem Erdbeben: Erste Hilfsgüterverteilungen rühren Menschen wie etwa die 72-Jährige Thali zu Freudentränen. (Foto: CARE/Prashanth Vishwanathan)

Von Anna-Sophie Mätzke-Hodzic

Mein Praktikum beginnt mit einer Katastrophe. Ich arbeite knapp zwei Wochen in der Pressestelle bei CARE, da bebt am 25. April die Erde in Nepal so stark wie seit 80 Jahren nicht mehr. Als ich am Montagmorgen ins Büro komme, herrscht bereits reges Treiben. Der Raum ist erfüllt vom energischen Tippen meiner Kolleginnen sowie dem unaufhörlichen Klingeln der Telefone. Während ich mein Wochenende genossen hatte, waren sie im Einsatz. Sie hatten direkt nach dem Erdbeben am Samstagmorgen eine erste Pressemitteilung verschickt und Telefonate mit Journalisten und Kollegen vor Ort und in Bonn geführt.

Die Auswirkungen des Erdbebens, welche Hilfe CARE vor Ort konkret leistet und welche Schicksale die betroffenen Menschen in Nepal erlitten haben – das alles sollte in den nächsten Wochen meinen Arbeitsalltag begleiten, aber auch gehörig auf den Kopf stellen. Das Ausmaß der Katastrophe war gewaltig. Unmittelbar nach dem Beben stieg die Zahl der Toten rasant an – über 8000 Menschen hatten ihr Leben verloren. Die Stromnetze waren überlastet oder zusammengebrochen. Das Erdbeben, aber auch die anhaltenden Nachbeben hatten Erdrutsche ausgelöst, wodurch viele Dörfer zunächst von der Außenwelt abgeschnitten waren. „Wir dürfen keine Zeit verlieren“ – diesen Satz hörte ich immer wieder. Kurze Zeit nach dem Erdbeben erreichten erste CARE-Hilfslieferungen Menschen in Katmandu und der Region Gorkha. Hundertausende Menschen hatten kein Dach mehr über dem Kopf. Sie lebten in Notunterkünften, die ihnen kaum Schutz vor Regen und Kälte boten. CARE lieferte Matratzen, Plastikplanen, Hygienesets und Nahrungsmittel. Ein Foto berührte mich besonders: Das der 72-jährigen Thali. Sie hatte sich in letzter Minute aus ihrem Haus retten können. Dann stürzte es vor ihren Augen ein. Die Nächte verbrachte sie fortan alleine – draußen auf dem kalten Boden – in großer Angst und an einen Regenschirm geklammert. In der Region Nallu, in der sie lebt, wurden fast 90 Prozent der Häuser zerstört. Als sie Hilfe bekam, weinte sie Freudentränen.

Die Schule ist zerstört, nicht aber Sameers Hoffnung. Er macht seinen Schülern nach dem Erdbeben wieder Mut. (Foto: CARE/Johanna Mitscherlich)

Die Schule ist zerstört, nicht aber Sameers Hoffnung. Er macht seinen Schülern nach dem Erdbeben wieder Mut. (Foto: CARE/Johanna Mitscherlich)

Am Dienstag den 12. Mai befand sich meine Kollegin Johanna Mitscherlich, Medienreferentin für CARE Deutschland-Luxemburg,  im Flieger nach Nepal. In den Morgenstunden erreichte uns dann die Schreckensnachricht: Ein zweites Erbeben der Stärke 7,3 hatte Nepal erschüttert. Zwei Wochen verbrachte Johanna in Nepal, legte Fußmärsche durch Bergtäler in entlegene Dörfer zurück, sprach mit Menschen wie Sameer: Ein Lehrer einer Dorfschule, die zerstört wurde. Nach dem Beben sind viele seiner Schüler traumatisiert, er stattet ihnen regelmäßig in ihren Notunterkünften Besuche ab, spricht ihnen nach dem Schock, der tief sitzt, Mut zu und will bald mit dem Unterricht fortfahren. Doch zunächst muss die Schule wiederaufgebaut werden. Bei aller Zerstörung sah man auch einen unglaublichen Zusammenhalt. Die Menschen teilten mit ihren Gemeinden das Wenige, das ihnen noch blieb. CARE hat bereits rund 50.000 Menschen mit Notunterkünften und Materialen wie Wellblech unterstützt, die sie vor der beginnenden Regenzeit schützen sollen und später auch für den Wiederaufbau verwendet werden können. Doch noch immer gibt es unzählige, die unsere Hilfe benötigen. Vor allem Mütter und Schwangere sind nach den Beben gefährdet. Zahlreiche Krankenhäuser wurden zerstört und es gibt kaum Zugang zu medizinischer Versorgung. Frauen müssen oftmals in Abwesenheit einer Hebamme ihre Kinder zur Welt bringen. CARE verteilt deshalb lebensrettende Mütter-Pakete, die Medikamente zur Geburtenhilfe enthalten.

Während meiner Zeit bei CARE habe ich das ganze Ausmaß der Katastrophe miterlebt, das Leid der Menschen wurde für mich viel greifbarer. Ich weiß, dass dies nicht die letzte Katastrophe gewesen ist.  Ich weiß jetzt aber auch, dass es Nothelfer gibt, die alles Erdenkliche tun, um Menschen in Krisen- und Katastrophenregionen so schnell wie möglich zu helfen.

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