Nepal: Unterwegs mit Roger Willemsen
Von CARE Deutschland-Luxemburg
Von Christina Ihle
Es ist heiß in Kathmandu. Nach 19 Stunden Flug streifen wir durch die engen Gassen des alten Stadtkerns. Nicht nur wir: Motorräder, Rikschas, Autos bahnen sich mit lautem Hupen ihren Weg durch die Menschenmenge. Einer ist hier nicht zu übersehen: Roger Willemsen. Nicht die Bucherfolge, sein Interviewstil oder die typischen Vielwortsätze lösen hier bei den Frauen Freude aus. In Kathmandu ist allein seine Körpergröße eine Sensation. Immer wieder bleibt Roger stehen. In der Hand seine ständigen Begleiter: Stift und Notizbuch. „Es sind die Details, die ein Land und seine Bevölkerung einzigartig machen, zum Beispiel ist sich das Elend überall auf der Welt erschreckend ähnlich“, sagt er. „Es geht mir darum, genau zu sein, präzise zu sagen, was die Charakteristik eines Landes und die seiner Notlage ausmacht. Details aufzuschreiben, ist nicht allein mein Weg, sie zu verarbeiten und ihnen in meiner Erinnerung den Platz zu geben, den sie verdienen, sondern auch der, sie für andere erfahrbar zu machen.“
Buntes Treiben auf den Straßen
Wir folgen einer Gruppe von Trägern. Barfuß jonglieren sie ihre mit Reissäcken beladenen Kiepen durch die Menge. Laute Musik führt uns zum Durbar Square. Vor dem Königspalast wirbt eine Jugendgruppe der Maoisten mit mäßigem Erfolg für den Internationalen Anti-Drogen-Tag. Auf den Stufen der Tempeltreppen pausieren Frauen mit Markteinkäufen, Jugendliche wippen gelangweilt den Fuß zum Rhythmus der dröhnenden Musik. Roger setzt sich mitsamt Notizbuch dazu. „Mich beeindruckt, dass man sich hier in der „Stadt der tausend Tempel“ nicht durch ein großes Museum bewegt, sondern dass die Tempel in das Alltagsleben einbezogen sind“, sagt er. „Märkte, Garküchen, Verkaufsstände zwischen den Tempelmauern… – offenbar besteht hier keine Grenze zwischen dem Raum für Lebens- und dem für Glaubenspraxis.“
Von Afghanistan nach Nepal: Roger Willemsen ist für CARE unterwegs
Seit 2005 ist Roger Willemsen CARE-Botschafter. Seine erste CARE-Reise führte ihn nach Afghanistan. Jetzt ist er, begleitet von CARE-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Jamann hier, um unsere Arbeit und die unserer Partnerorganisation Shanti Griha in Nepal kennen zu lernen. Wie damals in Afghanistan wird auch diese Reise überschattet von den jüngsten politischen Ereignissen im Land: Nach nur neun Monaten Amtszeit ist der Premierminister und Maoist Pushpa Kamal Dahal unerwartet zurückgetreten und ruft seine Anhänger zu Generalstreiks gegen das konservative politische Establishment auf. Die Bevölkerung und die internationale Gemeinschaft bangen um den 2006 begonnenen Friedensprozess, um das vorsichtig aufkeimende wirtschaftliche Leben nach zehn Jahren Guerillakrieg und erneut, um die Sicherheit im Land. Das Auswärtige Amt warnt vor den Gefahren bei Reisen besonders in den Süden, von Streiks, Straßenblockaden, Bombenattentaten und Überfällen ist die Rede. Diese beunruhigen nicht nur die wenigen Touristen und ausländischen Besucher hier. Sie treffen vor allem massiv die Bevölkerung, und das nicht zuletzt, weil der Tourismus die Haupteinnahmequelle für viele der Armen ist und wieder deutlich zurückgeht, seit für die Unversehrtheit der Reisenden nicht mehr garantiert werden kann.
„Nepal geht es nicht gut“, sagt unser Begleiter von Shanti Griha Rajiv Nepali. „In der Tat organisieren die Maoisten und unterschiedliche politische Splittergruppen täglich Bandhs: erzwungene Straßenblockaden, Demonstrationen und Streiks. Sie legen das öffentliche Leben für viele Stunden lahm, sie verhindern den Transport dringend benötigter Nahrungsgüter in die abgelegenen Landregionen und führen oft zu gewaltsamen Ausschreitungen.“ Heute war es relativ ruhig. Morgen müssen wir flexibel von Stunde zu Stunde neu entscheiden.
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