Niger: Die „alten“ Frauen von Maijanjaré

Barbara Jackson, CARE International

Ich sitze in dem kleinen Dorf Maijanjaré etwa sieben Fahrtstunden von der Hauptstadt Niamey entfernt. Mir gegenüber sitzt eine Gruppe Frauen. Allein ihre Fußsohlen, die mit Schwielen überzogen sind, erzählen eine ganz eigene Geschichte. Es ist eine Geschichte von viel Leid und Elend, eine Geschichte von erschöpfender Arbeit, um ein kleines Stück steinige, trockene Erde umzugraben, in der Hoffnung darauf Hirse pflanzen und hoffentlich auch ernten zu können. Es ist eine Geschichte davon, jeden Tag zwei Stunden Fußweg zurückzulegen nur um etwas Wasser zu holen.

Mit Schwielen übersähte Füße vom täglichen Wasserholen: Die Frauen von Maijanjaré. (Foto: CARE/ Ordonez)

Mit Schwielen übersäte Füße vom täglichen Wasserholen: Die Frauen von Maijanjaré. (Foto: CARE/ Ordonez)

Es ist die Geschichte von Frauen, die ihre Ehemänner bereits vor vielen Jahren verloren haben. Die einen sind ausgewandert in ein anderes Land auf der Suche nach Arbeit. Dort haben sie eine neue Familie gefunden oder sie sind früh gestorben. Es ist die Geschichte von Frauen, die nun Witwen sind und die mir erzählen, dass sie ohne die Hilfe von CAREs „Cash-for-Work“ Initiative Bettlerinnen wären. Sie sind nun unglaublich erleichtert, zumindest in diesen harten Monaten der Dürre nicht darauf angewiesen zu sein.

Diese Frauen werden oftmals die „Alten“ genannt und obwohl sie mir ihr  genaues Alter nicht nennen können, schätze ich sie um die 40. Die Lebenserwartung für Frauen im Niger liegt etwa bei 45 Jahren – ein Indikator dafür, wie schwer das Leben in diesem Teil der Welt ist.

Böden umgraben für ein sicheres Einkommen

Die Frauen erzählen mir eifrig vom Cash-for-Work-Programm. Hier verdienen sie etwas Geld dafür, dass sie halbmondförmige Bodensenken ausheben, die einen natürlichen Nährboden für den Hirseanbau bilden sollen.

Von dem Geld konnten sie sich Getreide aus den Vorräten der Regierung kaufen. Die werden in dieser besonders trockenen Zeit zu einem subventionierten Preis an die Gemeindemitglieder verkauft. Ohne Nahrungshilfe oder andere Unterstützung werden hier im Niger über fünf Millionen Frauen, Kinder und Männer im Niger in den nächsten Monaten nicht mehr genügend zu Essen haben.

Ich lasse mir sagen, dass die Menschen ihre Mahlzeiten reduzieren müssen oder nur noch einmal am Tag etwas zu sich nehmen. Andere erzählen, dass sie Saatgut, das für die nächste Aussaat zurückgelegt wurde, essen mussten.

Die schweren Dürren von 2005 und 2010 sind allen hier noch gut in Erinnerung. Viele Menschen haben sich damals verschuldet, um die Krise zu überleben. Doch seitdem hatten sie weder genügend Zeit noch wirtschaftliche Stabilität, um ihre Existenzen neu aufzubauen.

Die „alten“ Frauen von Maijanjaré werden zu den ersten gehören, die unter dieser drohenden Krise leiden, wenn sie jetzt keine Hilfe bekommen. Doch wollen sie keinesfalls um Hilfe bitten, sie wollen arbeiten und sie wollen das Gefühl haben, sich in dieser schweren Zeit selber helfen zu können.

Die Frauen erzählen Barbara Jackson ihre Geschichte. (Foto: CARE/ Ordonez)

Die Frauen erzählen Barbara Jackson ihre Geschichte. (Foto: CARE/ Ordonez)

Die Situation in der Sahelzone ist sehr komplex und das Dorf, das ich besucht habe, zeigt nur im Kleinen was Millionen von Menschen im Niger gerade durchmachen. Normalerweise wandern viele betroffene Menschen, vor allem Männer, in den Zeiten der Not aus und finden Arbeit als Tagelöhner in anderen Ländern. Doch die angespannte Situation in Mali, die Unruhen in Nigeria und die andauernde Unsicherheit in Libyen machen diese Strategie risikoreich. Die Menschen im Niger sind besorgt und fragen sich, was ihnen die Zukunft bringen wird.

Jetzt ist die Zeit zu helfen

Halima, eine der Wiwen von Maijanjaré, sagt zu mir: „Wir werden mit der Hilfe von CARE weiterhin stark sein. Und wir hoffen, dass der Regen rechtzeitig kommt.“ Hoffnung ist ein kraftvolles Gefühl, das stärken und schützen kann. Doch es gibt nicht mehr genug Hoffnung für die Frauen im Niger. Sie brauchen jetzt die Unterstützung von CARE und anderen Hilfsorganisationen, um diese kritische Zeit zu überstehen.

Es ist sehr wichtig, daran zu erinnern, dass es zu Beginn der Nahrungskrise 2005 im Niger weniger als einen Euro am Tag gekostet hätte, ein Kind vor Mangelernährung zu schützen. Im Juli 2005, auf dem Höhepunkt der Krise, kostete es bereits über 60 Euro, das Leben eines Kindes zu retten.

Die Zeit, den Menschen im Niger zu helfen, ist jetzt. Nicht morgen oder übermorgen. Und nicht erst, wenn es zu spät wird, das zu verhindern, was jetzt noch verhindert werden könnte: Das sinnlose Leid von Millionen Menschen.

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