Pakistan: Im Flutgebiet

von CARE-Mitarbeiter Wolfgang Gressmann.

Ich war auf dem Weg in die Berge, nach Kalam, Bahrain in der oberen Swat Region.

Wolfgang Gressmann ist für CARE vor Ort in Pakistan (Foto: CARE)

Von hier aus nahmen die Überschwemmungen in Pakistan am 28. Juli ihren verheerenden Lauf. Kilometerweit ist hier die Strasse von den Fluten weggewaschen.

Mehr als 300.000 Menschen in den Dörfern dieser Region sind weiterhin oft nur schwer erreichbar. 42 der insgesamt 61 Brücken im Swat Tal sind zerstört. Unsere CARE-Mitarbeiter vor Ort zeigen mir Bilder, mit dem Handy aufgenommen: Häuser, die wie Spielzeuge den Fluss hinuntertreiben, Brücken mit sich reißen. Menschen, die fassungslos mit ansehen müssen, wie die Jahrhundertfluten ihre Lebensgrundlagen zerstören. Ganze Ortschaften werden von den schlammbraunen Wassermassen weggewaschen.

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CARE leistet hier unmittelbar nach Beginn der Überflutungen als eine der ersten Organisationen Hilfe, verteilt Zelte, Lebensmittel, medizinische Hilfe. Nun wird CARE mit Spendenmitteln aus Deutschland die Wasserversorgung von 20.000 meistbetroffenen Menschen sicherstellen.

Dann die Sicherheitswarnung: Die Weiterfahrt heute ist zu gefährlich: Es gibt neue Kämpfe zwischen zwei bewaffneten Gruppen. Auch das ist Realität in Pakistan: Krieg und Naturkatastrophen wechseln einander ab. Die pakistanische Regierung setzt unterdessen die Offensive gegen die Milizen weiter fort.

Wir fahren nach Mingora zurück. Dort erreicht uns die Nachricht, dass im Marghazar Tal, sieben Kilometer von der Provinzhauptstadt entfernt, Häuser von Gerölllawinen zerstört wurden. Zusammen mit CAREs lokaler Partnerorganisation IDEA fahren wir in das Tal.

Die Menschen hier haben ohne Hilfe von außerhalb selbst mit den Aufräumarbeiten begonnen. Man zeigt uns Felsbrocken, groß wie Lastwagen, die auf ihrem Weg in die Tiefe 45 Häuser mit sich gerissen haben. Vier Menschen sind in dem von uns besuchten Dorf durch die Gerölllawinen getötet worden.

Hoffnung für Pakistan: Zwei Mädchen in den Flutgebieten (Foto: CARE/Gressmann)

An den Bäumen im Tal hängen Birnen und Äpfel. An einigen geschützten Stellen liegen Reisfelder. “Vielleicht ist das die letzte Ernte”, warnt Sardar Uddin, Projektleiter der Partnerorganisation IDEA. Durch die Überschwemmungen sind die lebenswichtigen Bewässerungskanäle des sonst kargen,  unfruchtbaren Bodens zerstört worden.

Auch in diesem Bereich wird CARE in den kommenden Monaten Hilfe leisten. Wasserversorgung und Infrastruktur werden Schwerpunkte der CARE-Hilfe im Swat-Tal bilden.

Auf dem Rückweg nach Mingora sehen wir weitere zerstörte Häuser und Brücken. Der Wiederaufbau wird Jahre dauern. Der Seitenarm des Swatflusses ist hier weit über die Ufer getreten. An einer Stelle, an der der getrocknete Schlamm eine betonharte Schicht gebildet hat, spielen junge Männer im Abendlicht Fußball. Ein Bild der Hoffnung – auf eine Normalität jenseits von Krieg, Naturgewalten und Zerstörung.

Einer Hoffnung für Pakistan.

Einsatzorte

Ein Gedanke zu “Pakistan: Im Flutgebiet

  1. Sehr geehrter Herr Gressmann,

    die beiden lachenden Mädchen auf dem Bild sind mir Zeichen genug, dass das Geld der Spenden bei Ihnen gut aufgehoben ist. Ich selbst habe vor ein paar Jahren in Pakistan als Archäologin gearbeitet und fühle mich dem Land und den Menschen doch irgendwie nah.
    Es macht mich allerdings wütend, dass Menschen aufgrund der Nähe des Landes zu den Taliban, den Flutopfern nicht helfen wollen und eine Spende verweigern.
    Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit dort alles Gute und hoffe auf noch viele lachende Kinder!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Anja Geufke

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