Pakistan: Unvorstellbare Zahlen

7. August 2010  |  Autor: (269 Artikel)
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Im Kabelfernsehen spielen gerade Deutschland und Uruguay gegeneinander. Fußball. Es steht 2:2. Ein Sportkanal zeigt die Widerholung des Spiels während der Weltmeisterschaft in Südafrika.

Im Fernsehen gibt es Fussball, auf den Straßen die pure Verzweiflung. Pakistan leidet unter gewaltigen Fluten (Foto: CARE)

Auf DAWN-TV sitzen zur gleichen Zeit zwei Journalisten im Studio und informieren in der Nationalsprache Urdu über Nahrungsmittel-Hilfen.Gerade bin ich in Islamabad angekommen, viel später als erwartet. Durch das Wetter und miserable Sicht konnte die Maschine morgens nicht landen und wurde nach Karatschi umgeleitet. Das ist die größte Stadt des Landes und liegt am Mündungsdelta des Indus. Der ist jetzt gerade doppelt so brei wie sonst durch die Fluten. Karatschi ist eine der größten Städte der Welt, fast 13 Millionen Menschen, leben hier. Das ist Platz drei der Weltrangliste. Natürlich habe ich nur das Flughafengebäude gesehen. Auch nichts von der Börse des Landes, die in der Stadt ihren Sitz hat. Im Flughafen also stundenlanges Warten, um dann endlich in die Hauptstadt zu fliegen. Hier ist auch das Hauptbüro von CARE in Pakistan.

Wer kann sich das vorstellen?

Den DAWN gibt es auch auf Englisch, als Zeitung. Er berichtet on- und offline ständig und ausführlich über die Lage in den Flutgebieten. Wenn ich ihn lese, werde ich erneut ich an den Mai des vergangenen Jahres erinnert. Damals stiegen die Opferzahlen im Nordwesten Pakistans auch täglich. Inzwischen sprechen die Medien hier von über zwölf Millionen Betroffenen. Wer kann sich so eine Zahl eigentlich noch vorstellen, wenn wir über Opfer reden?

Zerstörung überall in den betroffenen Provinzen Pakistans (Foto: CARE)

Auf dem Weg vom Internationalen Flughafen in Islamabad zu dem Haus, in dem ich untergebracht bin, ständig Telefonate. Vor allem mit den CARE-Kollegen. Es war zu spät geworden, um uns noch zu treffen. Neue Informationen werden weitergegeben und ausgetauscht. Eine Kollegin weist mich auf die Homepage der Nationalen Katastrophenbehörde hin der National Desaster Management Authority MDMA hin. Die Behörde untersteht direkt dem Premierminister. Dort informiert die Regierung, was alles unternommen wird. Erste Brücken werden wieder instand gesetzt, jedenfalls provisorisch. Denn das ist der Albtraum der Hilfe: Die Infrastruktur ist so beschädigt, dass es immer noch Menschen gibt, die nicht erreicht wurden.

Es reicht hinten und vorne nicht, aber…

CARE hat inzwischen Tausende Menschen mit Zelten, Kleidung, Moskitonetzen und anderen wichtigen Hilfsgütern erreicht. Elf LKWs sind gefahren, soweit das möglich war. Auch Tabletten zum Reinigen von Wasser waren dabei. Heute fragte mich ein Radioreporter: „Reicht das denn oder ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein?“ Es reicht hinten und vorne nicht, aber für die Menschen bedeutet es womöglich ihr Überleben.

Dennoch: es fehlen viele, viele Millionen von Euro, um jetzt unmittelbar helfen zu können. Die Staaten, die es sich leisten könnten, zögern. Das ist hier die allgemeine Überzeugung. Wer sieht und hört, wie verzweifelt die Menschen hier sind, kann das Zögern der Geldgeber nicht mehr verstehen.

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