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Percy, der Kick it-Star

Von Sandra Bulling

Tag 2 in Südafrika. Ich wache auf, als der Regen aufhört. Zwar ist es noch immer bewölkt und grau in Pretoria, aber wenn es trocken bleibt, dann finden heute nachmittags die Trainings statt.

Das Training in Soshanguve ist draußen und kann deshalb nur bei gutem Wetter stattfinden (Foto: CARE/Bräutigam)

So hoffe ich. Und ja, während wir die 70 Kilometer bis Soshanguve fahren, erscheint sogar die Sonne. Kurz vor der Abfahrt sehe ich bereits rechts die kleinen Häuser des Townships. Manche sind eigenhändig aus Wellblech zusammen gehämmert, manche gar aus Backstein mit hohen Zäunen davor. Auch hier spiegeln sich die Unterschiede in den Einwohnern wider, so wie in jeder Stadt: Es gibt Wohlhabe und Arme, Arbeitslose und Angestellte. Dennoch ist Soshanguve nicht zu vergleichen mit Pretoria oder Johannesburg. Hier gibt es keine Bürotürme, keine Flaniermeilen, keine Industrie und kaum Geschäfte. Es gibt auch keine Straßennamen; die Menschen wohnen in Blocks, die durchnummeriert sind. Sie wohnen in einstöckigen Häusern, von denen die meisten eher die Größe eines Bungalows haben. Wer etwas Geld hat, baut sich das Haus selbst. Wer nicht, bekommt eines vom Staat, aber nur wenn er zwei Kinder hat und arbeitslos ist. Und das sind hier viele. Die Arbeitslosenquote liegt in Südafrika derzeit bei 25 Prozent, in den Townships ist sie sogar noch höher. Die Auswirkungen sind das, was Südafrikas Schattenseite ausmacht: Gewalt, Kriminalität, Drogenkonsum, AIDS.

Mehr als 2,2 Millionen Menschen leben in Soshanguve. Von einem Hügel blicke ich über das Township: ein Meer von Bungalows, gesprenkelt mit Flecken roter Erde und kleinen Gärten. Dazwischen tollen die Kinder. Die Jugendlichen hängen am Straßenrand ab. Es muss frustrierend für sie sein, erst bis zum 15. Lebensjahr zur Schule zu gehen, Träume zu haben – und dann arbeitslos zu sein, ohne eine Perspektive auf einen Job. Zwar gibt es auch eine Universität in Soshanguve, aber die können sich nur die Reicheren leisten. Wir fahren zu einem Bolzplatz. Dort wärmen sich bereits die ersten Kinder beim Training auf.

Mit 13 hat man noch Träume

Dabei ist auch der 13-jährige Percy. Er lebt mit seinem Bruder bei einer Tante, seine Mutter ist an AIDS gestorben. Der Vater hat die Familie verlassen, er trinkt jetzt nur noch, da er keinen Job hat. Percy geht zur Schule – doch am allerliebsten spielt er Fußball.

Percy auf dem Bolzplatz (Foto: CARE/Bulling)

Bevor es mit dem Training losgeht, ruft Trainerin Portia die Jungs zusammen. Sie will mit ihnen über AIDS sprechen. Dazu spielt sie eines der Kick it-Spiele. Percy und die anderen müssen sich in einer Reihe aufstellen, ihnen gegenüber steht eine weitere Reihe Jungs. Percys Reihe dreht sich um und schreit mehrmals: „AIDS ist ein Killer“. In der Zwischenzeit gibt Portia einem der Jungen, der in der anderen Reihe steht, einen Ball, den er hinter seinem Rücken hält. Dann dreht sich Percys Reihe um – und muss nun raten, wer den Ball hält. Percy tippt auf den falschen Jungen. Bei der anschließenden Diskussion meldet er sich eifrig und sagt: „Wenn ich einen dicken und einen dünnen Mann sehe, dann denke ich automatisch, dass der dünnere AIDS hat. Doch das stimmt nicht. Wir urteilen immer nur nach dem, was wir sehen.“ Weise Worte für einen 13-jährigen.

Die Kick-It-Spiele machen Percy viel Spaß. „Wenn ich älter bin, möchte ich keine schlimmen Dinge tun, wie Drogen nehmen oder Alkohol trinken“, sagt er. Fußballspieler will er werden, und zwar ein Profi. Das ist sein Traum, der ihn durch das Leben in Soshanguve führt. Ich hoffe, dass er sich erfüllt.

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