Philippinen: „Weinen bringt uns unsere Häuser nicht zurück“

Eine Dorfbewohnerin aus der Nähe der zerstörten Stadt Ormoc baut gemeinsam mit ihrer Familie und der Hilfe von Nachbarn eine Unterkunft, die sie vor dem nächsten Regen schützt. (Foto: CARE/Laura Sheahen)

Eine Dorfbewohnerin aus der Nähe der zerstörten Stadt Ormoc baut gemeinsam mit ihrer Familie und der Hilfe von Nachbarn eine Unterkunft, die sie vor dem nächsten Regen schützt. (Foto: CARE/Laura Sheahen)

„Bangon Ormoc!“ Es ist auf Mauern gekritzelt, die Taifun Haiyan aus den Angeln gerissen hat. Es steht auf Sperrholz geschrieben, das an verbogenen Strommasten lehnt. Es ist auf T-Shirts gedruckt. In der philippinischen Stadt Ormoc, die durch Wirbelsturm Haiyan fast komplett zerstört wurde, bedeutet es: „Steht auf!“

Die Menschen in den betroffenen Regionen Leyte und Samar stehen auf. Taifun Haiyan riss ganze Gemeinden nieder, aber Familien in Ormoc stehen wieder auf. Drähte und Kabel liegen in großen Bergen auf der Straße, weil Elektriker dabei sind, den Strom wiederherzustellen. Erste Geschäfte öffnen wieder. Die Verkaufsräume sind dunkel und enthalten wenig Ware, aber sie sind wieder offen. Auf dem Markt werden neben Grillzubehör, Orangen und Mineralwasser auch überall Taschenlampen verkauft.

Menschen, die zusehen mussten, wie ihr Hab und Gut mit mehr als 300 Stundenkilometern durch die Luft wirbelte, begrüßen mich mit einem freundlichen „Good Morning“. Sie warten geduldig in langen Schlangen an Banken und Generatoren, um ihre Handys aufzuladen. Bislang war ich zweimal einkaufen und vergaß dabei, mein Wechselgeld mitzunehmen. Frauen und Männer liefen mir mit dem Geld in der Hand hinterher, um es mir zurückzugeben.

„Aus dem, was sie haben, machen sie das Beste“

Aus den Dörfern außerhalb der Stadt klingen die Geräusche von Sägen und Hämmern. Die Hälfte der Männer repariert Häuserdächer, damit ihre Familien vor dem nächsten Regen geschützt sind. Sie ziehen Nägel aus altem Holz und schlagen sie gerade, damit sie wiederverwendet werden können. Sie haben nicht genug Baumaterial, aber aus dem, was sie haben, machen sie das Beste.

Diese Woche verteilte CARE Lebensmittel in entlegenen Dörfern. Menschen warteten in der heißen Sonne, bis sie an der Reihe waren. Sie sprachen mit ihren Nachbarn über die Reparaturen an ihren Häusern, während sie mich als ihren Gast mit Sonnenschirmen vor der Hitze schützten.

"Weinen bringt uns unsere Häuser nicht zurück", sagt die 14-jährige. CARE unterstützt sie und ihre Familie mit Reis, Sardinen und Dosenfleisch. (Foto: CARE/Laura Sheahen)

„Weinen bringt uns unsere Häuser nicht zurück“, sagt die 14-jährige. CARE unterstützt sie und ihre Familie mit Reis, Sardinen und Dosenfleisch. (Foto: CARE/Laura Sheahen)

„Weinen bringt uns unsere Häuser nicht zurück“, sagt ein bemerkenswert selbstbeherrschtes 14-jähriges Mädchen aus einem der betroffenen Dörfer. Das Haus ihrer Familie wurde komplett zerstört, jetzt lebt sie bei Verwandten. Während wir beide den Männern dabei zusehen, wie sie Trümmer aus dem Klassenraum entfernen, frage ich sie, was sie jetzt macht, wo die Schule geschlossen hat. „Wir singen“, sagt sie, „und machen immer weiter.“

Nicht alle Menschen, die vom Ausmaß der Zerstörung durch Haiyan betroffen sind, singen. Familien haben schmerzhafte Verluste erlitten. Aber in dieser Region der Philippinen zeigen Frauen, Kinder und Männer erstaunliche Geduld und Belastbarkeit. Sie sind fest entschlossen, alles wieder aufzubauen.

Ein „Bangon Ormoc“-Zeichen befindet sich auch auf einem zerstörten Gebäude, das die Flagge der Philippinen trägt. Unter dem Slogan steht eine andere Nachricht geschrieben, diesmal auf Englisch: „Wir haben kein Zuhause mehr, aber wir geben die Hoffnung nicht auf.“

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