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Qual der Wahl

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Eine halbe Stunde ist vergangen, das Gemurmel der Menge verstummt abrupt und eine laute Stimme verkündet die Ankunft der deutschen Kanzlerin.

Viele Menschen kamen nach Bonn, um Angela Merkel auf einer Wahlkampfveranstaltung zu sehen (Foto: Channy Chheng)

Mittendrin: Ich. Bisher habe ich das Gesicht von Angela Merkel nur auf dem Bildschirm gesehen, ihre Reden nur in den Zeitungen gelesen. Jetzt kann ich sie sehen, nah und persönlich. Ich habe ein bisschen Pech, die Bühne ist sehr weit weg. Deshalb wippe ich auf meinen Zehenspitzen hin- und her, damit ich sehen kann, wie sie auf dem Weg zur Bühne die Hände der Menschen schüttelt.

Unterschiedliche Perspektiven

Als ich einer Freundin von mir erzählte, dass ich die Hände der Kanzlerin schütteln will, brach sie in Lachen aus und fragte: „Warum?” Ich zuckte die Achseln. Ich bin sehr froh, dass ich in meinen zwei kurzen Monaten hier in Deutschland die Gelegenheit bekommen habe, die deutsche Kanzlerin zu sehen: Sie ist nicht nur die erste Kanzlerin Deutschlands sondern auch die erste Frau überhaupt, die ein führendes europäisches Land regiert. Ich verstehe kein einziges der Worte, die sie an das Publikum richtet, doch ich werde mitgerissen von der applaudierenden Menge. Ich frage mich, ob sie schlecht über ihren politischen Gegner redet, so wie es die kambodschanischen Kandidaten immer während der Wahlkampagne tun.

Aus meinen Augenwinkeln sehe ich ein paar Menschen in der Nähe der Bühne stehen. Sie tragen T – Shirts in der gleichen Farbe und halten Schilder in die Luft. Immer wieder geben sie laute Zwischenrufe von sich und ich bemerke, dass sie zu einer anderen Partei gehören. So eine Situation habe ich in meinem Land noch nicht gesehen, da ist die Praxis eine andere. In Kambodscha werden die Menschen für gewöhnlich gebeten, an den Wahlveranstaltungen teilzunehmen. Im Gegenzug dazu bekommen sie von der Partei Gefälligkeiten – ein T-Shirt und eine Mütze, Essen und 10 000 Riel, das sind umgerechnet 2 Euro.

Die Wahlkampagne in Kambodscha

Im letzen Jahr hat in Kambodscha die vierte nationale Wahl stattgefunden. Dort hat die CPP (Kambodschanische Volkspartei), die regierende Partei in Kambodscha, ihre Dominanz in einem überlegenden Sieg unterstrichen. Die CPP ergatterte 90 von 123 Parlamentssitzen. Ich erinnere mich noch genau an die Zeit der Wahlkampagne, die einen Monat vor der Wahl startete. In diesen Tagen lärmten Megafone mit Wahlsprüchen der Politiker aus allen Richtungen. Und weil politische Märsche Verkehrsstaus verursachten, bin ich auf dem Weg zu meiner Universität überall stecken geblieben. Ich habe Hunderte von Autos und Wagen gezählt, die überfüllt mit Parteistickern, Werbebannern und Flaggen die Straßen auf und ab fuhren. Die Anhänger trugen T-Shirts und Mützen mit Parteilogos, hoben die Hände um den Menschen auf den Straßen zuzuwinken und sangen die Wahlsprüche ihrer Partei.

Eine Autorallye der Partei Funcinpec während des Wahlkampfes in Phnom Penh 2008 (Foto: Keo Kunila)

Zuckerbrot und Peitsche

Ich glaube nicht dass es so etwas in Deutschland gibt, aber in Kambodscha ist es am Vorabend der Wahl verboten, Wahlwerbung zu betreiben. Doch trotzdem gibt es einige Politiker und ihre Gefolgsleute, die diese Zeit nutzen, um von Tür zu Tür zu gehen und Geschenke verteilen: Sarongs (ein loser Rock, der aus buntem Stoff besteht und den man sich um den Körper wickelt), Kramas (lange gescheckte Schals, die man sich um den Hals legt), T-Shirts, Gewürze oder Geld. Doch neben den Geschenken sprechen sie auch offene Drohungen aus. Somit gewinnen sie Wählerstimmen gleichsam durch die Verteilung von Gefälligkeiten und durch die Verbreitung von Angst. Mittlerweile ist das Verteilen von Geschenken zur Tradition geworden, die jede Partei als Mittel während des Wahlkampfes einsetzt. Jede Partei nimmt es sich heraus, Tausende von Dollar für Geschenke auszugeben. Doch das schlimmste Mittel um Wähler für sich zu gewinnen, hängt mit der Religion zusammen: Manchmal kommt es vor, dass politische Aktivisten die Menschen – vor allem aus ländlichen Gebieten - einschüchtern, in dem sie sie drängen, einen Eid auszusprechen. Der Eid hat eine große Bedeutung für die Kambodschaner, schließlich sind über 95 Prozent der Einwohner Buddhisten und glauben an diese Schwüre.

Armutsreduzierung, Senken der Preise für Erdöl und andere Produkte sowie das Schaffen von Arbeitsplätzen werden jedes Mal von kambodschanischen Politikern in ihren Wahlkampagnen versprochen. Ich frage mich, welche Maßnahmen unternommen werden können, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Bis heute sind immer noch so viele Probleme ungelöst, dessen Lösung die Politiker früher versprochen haben. Halten deutsche Politiker ihre Versprechen? Und wenn nicht, was passiert dann?

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