Reisen mit Roger

Im Februar 2005 habe ich mein erstes CARE-Projekt besucht – gemeinsam mit Roger Willemsen in Afghanistan.

Mitten in Kathmandu: Wolfgang Jamann unterwegs mit Roger Willemsen (Foto: CARE/Ihle)

Zu unserem 25jährigen Jubiläum starteten wir eine Informations- und Spendenkampagne für dieses vom Krieg zerrissene Land, um Mädchen die Chance zur Schulbildung zu geben. Viereinhalb Jahre später waren wir wieder gemeinsam unterwegs, diesmal in Nepal, ebenfalls ein vom Bürgerkrieg geprägtes Land, in dem Kinder und Jugendliche unsere besondere Unterstützung brauchen. Es ist meine letzte Reise für CARE, im nächsten Monat verlasse ich die Organisation.

So schließt sich der Kreis. Die Unterstützung, die wir in diesen Jahren von Roger Willemsen erhalten haben, war überwältigend. Er hat im Afghanistan-Jahr CARE sein Gesicht und seine Stimme geliehen. Beim Wirbelsturm in Myanmar half er uns, Aufmerksamkeit für dieses so furchtbar zerstörte Land zu wecken. Er half uns und vielen anderen mit Veranstaltungen und glaubhaften Auftritten für die benachteiligten und armen Menschen im Süden. Und er wird uns auch bei dem Bemühen unterstützen, die Situation von ethnischen Minderheiten und perspektivarmen Jugendlichen in Nepal zu verbessern.

Viele Prominente setzen sich für soziale Belange ein, nicht immer unumstritten, nicht immer in der rechten Weise. Es wird der Vorwurf laut, die Anliegen seien nicht echt, es ginge um nützlichen ’sozialen Schmuck‘ zur Verbesserung des Images. Wer Roger Willemsen auf Reisen und bei seinem Einsatz für die Arbeit von CARE, für den afghanischen Frauenverein und andere humanitäre Gruppen erlebt, wird eines Besseren belehrt. Er bereitet sich akribisch vor. Sucht Perspektiven, auch kritische, um neues Licht auf Verhältnisse zu werfen und uns herauszufordern. Gleichzeitig respektiert er konsequent den Professionalismus der Entwicklungshelfer und der lokalen Partner. Und stellt uns mit seiner journalistischen und schriftstellerischen Neugier die richtigen Fragen.

Scharfe Beobachtungsgabe und hohe Empathie – Roger Willemsen hört zu und notiert (Foto: CARE/Ihle)

Roger Willemsen ist Humanist. Er macht Mut, begeistert, teilt seine Leidenschaft für das Wohlergehen der Menschen. Seine scharfe Beobachtungsgabe paart sich mit einer hohen Empathie, ein Mitfühlen im besten Sinne des Wortes. Die Menschen reagieren fasziniert auf diesen großen freundlichen Menschen, lassen sich von ihm heranziehen, emotional und auch physisch, selbst wenn sie ihm nur bis zur Achselhöhle reichen. Sein bedingungsloses Interesse an Details und Einzelschicksalen hat schon vielen ein Leuchten in die Augen gebracht – ein berühmter Mann aus einem reichen Land ist besorgt um das Schicksal des Bienenstockes oder um die vertrocknende Maisernte. Und er verspricht, der Welt dort draußen zu berichten, auf dass die Gleichgültigkeit gegenüber weltweiter Armut und Benachteiligung verschwinde.

Afghanistan und Nepal sind keine einfachen Reiseländer. In ersterem ist uns in der Herberge vor Kälte das Zahnputzwasser gefroren, und verstreute Splitterminen und die Gefahr von Entführungen machten das Reisen lebensgefährlich. In Nepal wurden die physischen Anstrengungen der langen heißen Wege im Bergland noch verschärft durch Sabotageaktionen der Maoisten. Ich habe Roger nie ernsthaft klagen gehört, nicht ob der Hitze, der Kälte oder der Sicherheitslage, noch über die manchmal kapriziösen Begleiter oder Gesprächspartner, die sich ihm zugesellten. Seinen Humor und seine Selbstironie vor laufender Kamera im strömenden Monsun von Phokara zu erleben, nach langen Tagen und schlaflosen Nächten, war für alle Beteiligten eine ganz wunderbare Erfahrung, von der auch die zuschauenden Nepali angesteckt wurden. Und es ist wirklich schwer, nicht vom Wechselspiel zwischen Roger Willemsen und seiner Umwelt fasziniert zu sein, das geprägt ist von Begeisterung, Lebensfreude und Optimismus.

Es gibt immer was zum Lachen mit Roger Willemsen (Foto: CARE/Ihle)

Roger Willemsen setzt sich für die Sache der Armen ein, er mobilisiert Freunde, Kollegen, Kulturschaffende und andere kluge, engagierte Menschen, die auf sein Urteilsvermögen und seine Integrität vertrauen. Damit leistet er den Hilfsorganisationen unschätzbare Dienste. Aber mehr noch vermittelt er Freude, Spaß und Respekt im Umgang miteinander. Für all das möchte ich ihm herzlich danken. Für CARE zu arbeiten, war ein Privileg für mich. Mit Roger zu reisen war dabei eine der größten Freuden.

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