„Rosanien in der Krise“

Das Seminar begann mit einer Aktion zum Teambuilding an der frischen Luft. (Foto: Dominik Franzen/Alina Wiese)

Das Seminar begann mit einer Aktion zum Teambuilding an der frischen Luft. (Foto: Dominik Franzen/Alina Wiese)

Nachdem ich neulich über mein erstes Seminar im Rahmen meines Bundesfreiwilligendienstes bei CARE berichtet habe, ging es im Januar nun für eine Woche zum Seminar nach Leverkusen.
Als Einstieg in die fünf Seminartage standen Aktionen zum „Teambuilding“ auf dem Programm, die von einem Referenten  durchgeführt wurden. So musste etwa ein „Schäfer“ (das Los entschied sich für mich) die Schafe (also die anderen Freiwilligen) in ein durch ein Seil abgegrenztes „Gatter“ führen. Die kleine Schwierigkeit dabei: Die „Schafe“ hatten verbundene Augen und durften weder berührt noch angesprochen werden. Wir hatten uns aber zu Beginn eine ausgefeilte Technik ausgedacht, – sie soll an dieser Stelle geheim bleiben – um diese Aufgabe zu meistern. Danach wurde Seil gesprungen. Was sich einfach anhört, wurde durch verschiedene Bedingungen (jeweils mehrere Menschen gleichzeitig pro Schlag; kein „Leerschlag“) schwieriger gemacht. Nicht zuletzt auch durch den Schnee, der die Wiese bedeckte und das Ganze um einiges rutschiger gestaltete. Der Schnee ließ uns auch sehnsüchtig auf das Kaminfeuer im Gruppenraum warten.

Nicht nur körperlich, auch geistig gab es Herausforderungen. So  wurde ein Vormittag zum Thema „Selbstfindung“ gestaltet. Außerdem sollte uns eine weitere Einheit helfen, den geeigneten Studiengang und Beruf für uns herauszufinden. Besonders anspruchsvoll wurde dann eine Diskussion in der Gruppe, während wir die moralischen Aspekte identifizierten, nach denen wir Entscheidungen treffen.
Etwas ausführlicher möchte ich über eine andere Einheit, ein ganztägiges Planspiel schreiben. Die Verteilung der Rollenkarten, Absprache der Regeln und Struktur fand am Mittwochabend statt, das Planspiel am Donnerstag. Durchgeführt wurde es von Christopher Haarbeck von „Planpolitik“. An dieser Stelle kann ich auch endlich den etwas rätselhaften Titel dieses Blogs auflösen – er ist nämlich zugleich Titel des Planspiels. Es geht um das fiktive Land Rosanien. Dort lebt eine Mehrheit von Rosaniern und zwei ethnische Minderheiten – eine größere und eine kleinere. Innerhalb dieser Gruppen gibt es demokratische Parteien, gemäßigte und radikale. Als weitere Faktoren kommen das Militär, eine Ölfirma und natürlich die existierende Regierung hinzu. Und jede der Parteien hat andere Interessen – Öl und Rohstoffe spielen auch eine Rolle.

Verhandlungen, Kompromisse, Schmiergeld

Überzeugendes Plakat einer Gruppierung, die ein demokratisches Rosanien fordert. (Foto: Dominik Franzen/Alina Wiese)

Überzeugendes Plakat einer Gruppierung, die ein demokratisches Rosanien fordert. (Foto: Dominik Franzen/Alina Wiese)

Diese Gruppen wurden jeweils durch zwei Personen repräsentiert. Jede Gruppe hatte ein gemeinsames Ziel – doch genau so hatte auch jedes Individuum ein Ziel, welches geheim gehalten wurde. Ich war Chef der Ölfirma und mit dem Präsidenten in der gleichnamigen Gruppe. Mein Ziel ist es, den Status quo beizubehalten. Denn durch Betrügereien im Ölgeschäft wird viel Geld beiseite geschafft. Das wird von mir an mehrere Personen verteilt. Doch außer den wenigen Begünstigten darf natürlich niemand etwas davon erfahren.
Mit diesen Startvoraussetzungen gingen wir dann ans Werk und traten – oft sehr überzeugend – in die uns zugedachten Rollen. Schnell gab es die ersten Aktionen – Truppen wurden im Land verschoben, Politiker entführt, Schmiergeld ausgezahlt. Verhandlungen wurden geführt und Kompromisse eingegangen. Besonders lebendig war das Planspiel durch die ständigen Newsticker und stündlichen Nachrichten, die von unseren Seminarleitern erstellt wurden. Sie zogen mit Mikro und Kamera durch das Tagungshaus und bekamen viele mehr oder weniger freiwillige Interviews. In den ersten Runden (es gab insgesamt fünf) wurde noch viel taktiert und abgewogen. So führte der Präsident scheinbar demokratische Wahlen ein, um die Bevölkerung zu beruhigen. Die Rebellengruppen blieben davon unbeeindruckt. In der letzten Runde verkündeten sie, den Präsidenten gestürzt zu haben. Dieser dementierte und tat gelassen. Auch ein Teil des Militärs war ihrem Anführer untreu geworden und hatte den Präsidenten hintergangen. Alles andere als eine übersichtliche Situation.

Das hier war natürlich – relativ zum Umfang des ganzen Planspiels – eine sehr gekürzte Zusammenfassung. Doch schon sie zeigt, wie viele Interessen und Interessenskonflikte es gibt. Bei nur 23 Teilnehmern. Nun stelle man sich die Dimensionen in einem realen Staat vor. Millionen Einzelinteressen wünschen, berücksichtigt zu werden. Hunderte, ja tausende Interessensgruppen möchten ihre Ziele erreichen. Unter den Umständen einen stabilen Staat zu schaffen erfordert viel Arbeit – nicht nur von Politikern, auch von jedem Bürger. Auch auf der oft zitierten „internationalen Bühne“ spielen komplexe Machtgefüge und verschiedene Interessen eine bedeutende Rolle. Das  ist dann auch für Entwicklungspolitik relevant – ist ein Staat stabil genug, um darin zu arbeiten? Wird es Unterstützung von Regierungen geben? Da CARE jahrzehntelange Erfahrung mit Not- und Entwicklungshilfe hat, hält es den UN-Beraterstatus inne. Und kann damit aktuelle Themen der Entwicklungspolitik auch international ins Bewusstsein rufen.
Wir alle in der Gruppe konnten dadurch die Dimensionen von Politik besser verstehen. Vielen Dank für dieses – für mich – Highlight des Seminars an Christopher von Planpolitik, an die gesamte Gruppe und auch an unsere Teamer Dominik und Alina, die das gesamte Seminar als ein sehr lehrreiches gestaltet haben.

Einsatzorte

Ein Gedanke zu “„Rosanien in der Krise“

  1. Hallo Nicolas,

    auch wir hatten ein Teambuilding-Seminar mit unseren Mitarbeiten. Wir sind eine kleine Firma im Herzen Münchens und haben unsere Mitarbeiter ebenfalls auf ein Seminar geschickt. Es ist echt der absolute Wahnsinn, wie motiviert die Projektleiter und die Teams zurück gekommen sind. Die Agentur e.a.s.i. teamtraining hatte super Ideen. Am Nachmittag haben wir eine Mountain-Rafting Tour auf der Isar gemacht und am Abend zusammen gegrillt. War wirklich eine super Erfahrung für uns alle.

    Ich finde das man mit solchen Workshops vieles erzielen kann.

    Beste Grüße aus München,

    Chris

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