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Rote-Khmer-Tribunal: ein lange erwartetes Urteil

Von Chandara Tith

Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat am 26.Juli 2010 sein erstes Urteil gegen das Regime der Roten Khmer gefällt. Der ehemalige Direktor des Toul Sleng Gefängnisses in Phnom Penh, Duch, wurde zu 19 Jahren Haft verurteilt.

Kaing Guek Eav alias Duch am Tag des Urteils im Gericht (Foto: Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia, ECCC)

Die außerordentliche Kammer des Gerichts von Kambodscha, bekannt als Rote-Khmer-Tribunal, befasst sich mit den noch lebenden Anführern des Terrorregimes. Nach den schlimmen Leiden der Vergangenheit ist das ein wichtiger Beitrag für die Menschen, um ihren Frieden zu finden.Viele lokale und internationale Medien berichten über dieses erste Urteil und die Leute diskutieren im Internet, zum Beispiel auf Facebook. Im Laufe des Tages, während ich im CARE Büro saß, habe ich beunruhigt auf Neuigkeiten gewartet und währenddessen die Diskussionen auf Facebook verfolgt. Ich wollte sehen, wie die Leute auf das Urteil reagieren.

Kaing Guek Eav, alias Duch war Leiter des Gefangenenlagers der Roten Khmer, S-21 (Toul Sleng), wo Menschen gefoltert und ermordet wurden. Er ist angeklagt worden wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, starker Verstöße gegen die Genfer Konventionen von 1949, Mord und Folter. Das vom Gericht verkündete Urteil betrug 35 Jahren Gefängnis. Davon werden allerdings die 11 Jahre, die er bereits im Gefängnis saß und die fünf Jahre, die illegal eingesperrt war, abgezogen.

Lebendige Diskussionen on- und offline

Cambodia Express News, eine Online-Nachrichtenplattform, hat die Reaktionen der Menschen in der Svay Rieng Region eingefangen, während sie gemeinsam die Urteilsverkündung verfolgten. Die Meisten reagierten sehr emotional. Sie konnten die Entscheidung des Gerichts nicht verstehen. Einer von ihnen sagte, dass dieses Urteil viel zu mild und eher angemessen für einen Dieb sei, der Hühner im Dorf stiehlt. Wenn man betrachte, wie viele Menschen während des Regimes ums Leben kamen, hätte die Gefängnisstrafe mehr als 19 Jahre betragen sollen.

Nachdem ich das Verfahren mehr als eine Stunde live auf der Website des Gerichts verfolgt habe, denke ich, dass den internationalen Standards entsprechend vorgegangen wurde. Bevor man das Urteil fällte, wurde eine ausgiebige Diskussion geführt. Die Entscheidung wurde nach einer langen Abwägung und intensiven Prüfung getroffen, sodass die Opfer, also die Kambodschaner sie akzeptieren sollten. Viele tun dies allerdings nicht. Alle Medien berichten am Tag des Urteils über die Unzufriedenheit der Menschen über das Strafmaß.
Bou Meng, 79, ein Überlebender des Foltergefängnisses, sagte in den Nachrichten, dass dieses Urteil für ihn ein Schlag ins Gesicht ist. Seiner Meinung nach hätte Duch lebenslänglich bekommen müssen.

Da ich gerade in Deutschland bin, verfolge ich die deutsche und europäische Presse aufmerksam. So habe ich in den BBC News eine Zusammenfassung des Prozesses gelesen. Betont wurde da auch die Unzufriedenheit, die in der Bevölkerung herrscht.

Auf Facebook sagten einige junge Kambodschaner, dass ihnen dieses Gericht egal sei und dass sie nicht darüber reden wollen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele, die an Diskussionen über Duch interessiert sind. Noch interessanter ist, dass manche Diskutanten im Internet den Prozess auch als eine gute Gelegenheit sehen, Werbung für Kambodscha zu machen.

Am nächsten Morgen schnappte ich mir im Büro ein paar deutsche Zeitungen (taz, Tagesspiegel, Süddeutsche Zeitung, General-Anzeiger Bonn) und schaute mich auch im Internet um – alle berichteten über das Rote-Khmer-Tribunal und zeigten ein Foto von Duch. Das zeigt deutlich, wie sehr die Medien Kambodscha Aufmerksamkeit schenken. Da ich kein Deutsch verstehe, erklärte mir Sina, die zweite Praktikantin der Presse, auf englisch, worum es im Artikel geht. Ich fühlte mich mal wieder wie ein Analphabet – ich verstand nichts und konnte nur durch die Bilder erahnen, wovon die Artikel handelten.

Auch wenn das Gericht nicht jeden zufriedenstellte, eins kann man zumindest sagen: Duch ist kein freier Mann mehr. Angesichts seines Alters (er ist 67), kann man 19 Jahre eigentlich auch als lebenslänglich sehen. Immerhin entwickelt sich ein Baby in diesem Zeitraum zum Erwachsenen.

Ein Film der Erinnerungen

Im Sinne der Aufarbeitung produzierten 20 Studenten vom Institut für Medien und Kommunikation (DMC) in Phnom Penh den Film „Recaptured“, eine Serie von 10 Kurzdokumentationen. Ich war einer der Studenten.

Der fertig produzierte Film "Recaptured"

Cover und Broschüre des Filmprojektes, Design von Chandara Tith

In der Dokumentation wurden zwei Fragen gestellt: “Wie gehen die Menschen in Kambodscha heute mit ihrer Erinnerung an die Roten Khmer um?“ und „Ist es möglich mit den Alpträumen der Vergangenheit seinen Frieden zu finden, ohne dass man die Erinnerungen komplett aus dem Gedächtnis streicht, sondern sie bewahrt – für eine bessere Zukunft?“

Unser Ziel war es, den Menschen aus den verschieden Gebieten des Landes zu helfen, ihre Erinnerungen zu teilen. Wir wollen bessere Wege finden, um mit der Vergangenheit umzugehen – Wege, die es ermöglichen, in die Zukunft zu blicken ohne die Vergangenheit auszublenden.
Die positiven Reaktionen der Leute, die unsere Dokumentationen sahen, motivieren uns für zukünftige Projekte. Wir haben uns sehr über die meist gestellte Frage gefreut: „Wann wird der Film das nächste Mal vorgeführt?“

Vorführung in Bonn

Einige Teile der Serie habe ich auch meinen CARE-Kollegen hier in Bonn gezeigt, die sehr beeindruckt waren. Sie schlugen vor, mal eine Filmvorführung für das ganze Büro zu veranstalten. Sabine, eine meiner Kolleginnen, schlug mir außerdem vor, eine Zusammenfassung von dem Projekt zu schreiben und es dann deutschen Medien anzubieten. Ich denke, das wäre eine wundervolle Chance, unsere Arbeit und auch unser Land der deutschen Öffentlichkeit zu zeigen.

Diese Dokumentationen sind das Resultat eines Seminars über Videoproduktion, den ich in meinem dritten Studienjahr belegt habe. Es war eine wirkliche Herausforderung für uns, dieses Projekt zu verwirklichen und mit all dem Material und der Software zurecht zu kommen.  Wir haben Tag und Nacht daran gearbeitet. Hier ist ein Video über die Dreharbeiten, das ich mit einem Mitstudenten hergestellt habe:

Was denkt ihr? Habt ihr das erste Urteil des Khmer Rouge-Tribunals mitverfolgt? Ich freue mich darauf, eure Meinung zu hören!

Bis zum nächsten Mal,

Euer Dara

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7 Kommentare to “Rote-Khmer-Tribunal: ein lange erwartetes Urteil”

  1. Nicole Says:

    Suardei Dara,

    i think Kaing Guek Eav was not sincere in his confession. He try to make believe the people he convert to Christianity and ask fpr regret to the victims. And on the other hand he asked the trial for freedom? Some witness explain plausible that he hadn’t to be so cruel. And why giving the order to kill babys… This man is very opaque for me. I deeply mistrust him. His evidence he give don’t fit together for me. I was hoping too, that he has to go to prison for longer to set a sign in Cambodia. A sign that cruelity and sadism is charged – at least someday.

    And i also like to see your movies. When i was in Cambodia i helped the sutdents of year three to produce their movies ;)

    Please bring Isabel greetings, when you come back to Cambodia!

    Wish you ‘Samang la or’ for everything you do and always be ‘sok sabay’

    All the best
    Nicole

  2. Britta Says:

    Hey Dara,

    your documentations sounds really interesting! It would be great to have the presentation and an introduction to the topic at our office soon.

    Whats the topic of your next entry?

    Have a good week
    Britta

  3. Chandara Says:

    Thanks so much for your comments.
    @ Nicole: Most of the victims could not accept the verdict. I agree that he was the leader and he ordered to killed numbers of people and babies. He should be sentenced to life in prison.
    But, as I am a younger generation, I have to seek for reconciliation and peace. I hope that this court is a role model to improve justice system in Cambodia and plays a good role in reconciliation. If we all are still angry, peace and reconciliation will not come.

    @Britta: Thanks so much: You are my regular reader. The next topic is the street canvassing (The CARE fund raising campaign) and after that it will be regarded with women issue. It will be interesting to you and our office.

  4. Staat.de » Blog Archive » Längere Haftstrafe für Funktionär der Roten Khmer gefordert Says:

    [...] blog.care.de » Blog Archive » Rote-Khmer-Tribunal: ein lange erwartetes Urteil [...]

  5. Nicole Says:

    Dear Chandara,

    i agree in the point, that you and all other population of Cambodia have to seek for reconciliation and peace. But in my eyes it shouldn’t be happen on such a wobbly base like this verdict of the ECCC. The people and especially the victims should not have the feeling that they were derided. So it was nice to read for me, that they want to rehear the case and verdict of Kaing Guek Eav. We will see. I hope that one day all Cambodians feel justice in their hearts and heads.

    Wish you many beautiful experiences in Bonn and Germany

    Nicole

  6. Chandara Says:

    Dear Nicole:

    I think justice comes when people satisfied with the result. For me I am OK; it’s enough for me to see he lives in the prison for 19 years.

    I hope other people will reduce their irritated feeling and seek to have a happy life.

    all the best from me

    Dara

  7. Nicole Says:

    Dear Dara,

    :) Nice to read your lines.

    Maybe you are right. Nineteen years are a long time, especially for us – because we are not living as long as they on earth. You changed my mind a little bit. It will be hard enough for him to live with the burden, what he has done. And judges stated the guilt of him…

    Wish you all the best too.

    Nicole

    P.S.: i was busy with moving to my new living place

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