Selbstbewusstsein unter den Schleiern
Von Thomas Schwarz
Ich ertappe mich oft dabei, einigermaßen einseitig zu reagieren, wenn ich Frauen im Schador sehe. Vor allem, wenn ich ihnen in Deutschland begegne. Ich frage mich, was das für ein Menschenverständnis ist, Frauen in der Öffentlichkeit so zu „verstecken“ und, dass es bestimmt gegen ihren erklärten Willen geschieht. Nun kann man über die Auslegung des Koran sicher lange und viel streiten. Das tun ja die Muslime selbst. Meistens übrigens – entgegen dem Bild, das von ihnen allzu oft gezeichnet wird – überaus friedlich.
Es gibt auch das andere Bild der verschleierten Frauen, ganz oben im Swat-Tal, das ich sah. Zum Beispiel die aus der Gegend um das Dorf Chuprial, in dem CARE arbeitet. In dem dazugehörigen „Union Council“ leben 250.000 Menschen. Es sind Frauen, die mit ihren Kindern über den Markt gehen und ganz offensichtlich viel Spaß haben. Allein diese Beschreibung ist vermutlich bei uns zuhause politisch äußerst inkorrekt, weil sie die andere Seite dieser Realität außer Acht zu lassen scheint. Jetzt sind mir wieder einmal Frauen begegnet, die in einer sehr traditionellen Gesellschaft leben, in der – wie wir sagen würden – das Patriarchat herrscht. Und dennoch gibt es unter ihnen viele, die unter ihren Schleiern sehr viel Selbstbewusstsein, Stolz auf ihre Leistung und großes Engagement für die Gemeinschaft zeigen.
Vor ein paar Tagen war ich in einem Projekt, das Frauen aus ganz abgelegenen Dörfern neue Hebammentechniken lehrt. Ganz neu für sie, denn einige von ihnen arbeiten schon lange als traditionelle Hebammen. Alle Teilnehmerinnen waren von der Jahrhundertflut des vergangenen Jahres betroffen. Sie und ihre Familien haben ihre Felder verloren, Vieh ist ertrunken oder der Mann hat keine Arbeit mehr. Die Gründe sind vielfältig. Und das Prinzip von CARE bei Katastrophenarbeit ist ja nicht nur, den Schutt wieder wegzuräumen. Es ist vielmehr, den Menschen nach einer Katastrophe ein besseres Leben zu ermöglich als davor. Und am besten so, dass diese Hilfe sehr lange trägt. Dazu gehört auch die Aus- und Weiterbildung von Hebammen.
Ein CARE-Paket für Hebammen
Bakhti Hilal hat einen solchen Kurs absolviert. Sie kann nun bei Geburten das neu Gelernte anwenden. Es ist für die schwangeren Mütter und ihre Neugeborenen ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ihnen wirklich professionell geholfen werden wird. Nebenan entsteht gerade eine Art Mutter-Kind-Haus. Dorthin können beide sich begeben, wenn sie medizinische Probleme nach der Geburt haben. Sonst müssten die Mütter mit ihren Kindern mindestens eine Stunde ins nächste Krankenhaus fahren – oder noch weiter, anderthalb Stunden. Da ist das zweite Hospital.
Tags: "Thomas Schwarz", Flut, Jahrestag, Jahrhunderteflut, Pakistan



16. März 2012 at 11:15
Ein freundliches Hallo,
ich war im Februar 2007 in Pakistan , Sialkot ( Jethekey ) – das 1. Mal geflogen – das 1. Mal überhaupt im Ausland und gleich so weit und so prekär.
Dieser 14-tägige Besuch bei der Familie meines Mannes prägt mich bis heute und ich finde sehr wenig Zuhörer und Interessenten hier in Deutschland für das so andere Leben in Asien.
Vor allem die Armut , der Hunger – was gibt es den nächsten Tag zu essen – kein Mensch hier in Deutschland kann es sich real vorstellen, wenn er nicht selbst vor Ort war.
Selber als Älteste von 10 Kindern groß geworden ( DDR ) und selber Mutter von sechs jetzt erwachsenen Kindern, war/bin ich einiges gewohnt/gewöhnt – aber das Leben in Pakistan hat mir fast den Boden unter den Füßen weg gerissen.
Ich ziehe den Hut vor den Menschen , die so oft und so viel Hilfe leisten in diesen Ländern , mein Mann und ich haben selber wenig aber immer noch viel mehr als dort und spenden , was wir können.
Danke für Ihre Arbeit – hier : in Pakistan und
freundliche Grüße