Sieben Jahre Syrienkonflikt – Sieben Jahre Zuflucht in Jordanien

Eine Erfahrungsreise mit Marco Seiffert von radioeins  

Ein Haus voller Nichts. Kein Tisch, keine Stühle, kein Schrank. Nur ein heller Sonnenfleck, der durch die Gardinen ins Innere fällt, bietet ein wenig Abwechslung im Wohnzimmer, das notdürftig mit Teppichen ausgelegt ist. Doch der Schein trügt, von Wärme und Geborgenheit ist in der Wohnung von Familie Mslem wenig zu spüren. „Trotz 23 Grad Außentemperatur ist es sehr kalt“, bemerkt RBB-Moderator Marco Seiffert sofort. Er und die Videojournalistin Stefanie Stoye haben CARE, dank der Unterstützung des Auswärtigen Amts, nach Jordanien begleitet und eingefangen, wie syrische Familien im Nachbarland Jordanien leben, nachdem sie aus ihrer Heimat flüchten mussten.

Interview mit syrischer Familie

Marco Seiffert interviewt eine syrische Familie, die aus ihrer Heimat flüchtete und nun im Stadtgebiet von Zarqa lebt. (Foto: Stefan Brand/ CARE)

„Wir sind froh, dass meine Familie und ich ein Dach über dem Kopf haben. In Syrien hatten wir ein voll eingerichtetes, zweistöckiges Haus, aber mitnehmen konnte ich nur das hier“, erzählt der Vater und zieht an seinem Pullover. Für einen Moment herrscht betretenes Schweigen in der Wohnung. „In dem Moment ist es mir schwer gefallen, die Fassung zu bewahren“, wird Marco Seiffert später in einem Radiointerview auf radioeins sagen.

In Situationen wie diesen lässt sich erahnen und für die Journalisten einfangen, wie aussichtlos und lebensbedrohlich die Situation in Syrien für die Familie gewesen sein muss, wenn sie ihr Leben in der Heimat für das hier eingetauscht haben. Mit ihrem Schicksal gehört Familie Mslem zu den insgesamt 1,3 Millionen Syrern, die nun in Jordanien leben. Über 650.000 von ihnen sind offiziell als Flüchtlinge registriert. Dabei leben 80 Prozent der Geflüchteten nicht in Camps, sondern wie Familie Mslem in teils baufälligen, überfüllten Mietswohnungen in Städten. Im Winter kann sich das aber schnell ändern, dann zieht es viele in die Flüchtlingscamps, weil es dort beheizte Unterkünfte gibt. Für das Camp in Azraq bedeutet das, dass sich die Zahl der Bewohner fast verdoppelt. Von rund 30.000 auf über 50.000 Bewohner.

CARE UK verteilt Hilfsgüter für den anstehenden Winter im Flüchtlingscamp Azraq in Jordanien.

CARE verteilt Hilfsgüter für den anstehenden Winter im Flüchtlingscamp Azraq in Jordanien. (Foto: Stefan Brand/ CARE)

Damit die Camps nicht überfüllt sind und die Familien in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können, verteilt CARE unter anderem Decken, Öfen und Matratzen an besonders bedürftige Familien. Marco Seiffert und Stefanie Stoye begleiteten die Verteilung und waren dabei, als 20 besonders bedürftige Familien versorgt wurden. Für Marco Seiffert eine eindrückliche Erfahrung, schließlich blickte er nicht nur in lachende und dankbare Gesichter: „Die Situation drohte zu kippen, als ein Nachbar einer Familie auch Hilfsgüter haben wollte, er aber nicht auf der Liste stand. Dabei ist klar, dass CARE die Decken, Matratzen und Heizkörper nach gewissen Regeln verteilt und erstmal den Bedürftigsten  geholfen wird, etwa alleinstehenden Frauen oder chronisch kranken Menschen. Das muss man als Helfer auch erstmal verkraften.“

Neben den beiden RBB-Journalisten begleitete CARE auch die Theater- und Schauspielpädagogin Regina Fabian nach Jordanien. Als Mitglied der bekannten Berliner Improvisationsgruppe „Die Gorillas“ hat sie bereits in Deutschland mit geflüchteten Frauen aus Syrien gearbeitet und führte nun auch in Jordanien Schauspiel-Workshops durch. Dabei leitete sie sowohl im Gemeinschaftszentraum in Zarqa als auch in der Stadt Azraq einen Workshop.

Regina Fabian leitet einen Schauspielworkshop mit syrischen und jordanischen Jugendlichen im Flüchtlingscamp Azraq in Jordanien.

Regina Fabian leitet einen Schauspielworkshop mit syrischen und jordanischen Jugendlichen im Flüchtlingscamp Azraq in Jordanien. (Foto: Stefan Brand/ CARE)

„Stellt euch eine Situation in eurem Leben vor und spielt diese dann in Kleingruppen nach“, hieß eine der Aufgabenstellungen von Regina Fabian an die syrischen Flüchtlinge und ihre jordanischen Nachbarn. Schnell sprangen die Jugendlichen auf und taten so, als würden sie in der Gruppe Fußball spielen, mit Freunden jonglieren oder Karten spielen. „Großartig“, fand Fabian und kam teilweise aus dem Lachen gar nicht mehr raus.

Anders erging es ihr, als sie syrischen Männern und Frauen im Gemeinschaftszentrum in Zarqa eine ähnliche Aufgabenstellung gab. „Stellt euch eine Situation in der Zukunft vor und sagt mir, was ihr machen würdet.“
Sofort kam von einer Teilnehmerin der Vorschlag, sich vorzustellen, man würde wieder in die Heimat in Syrien zurückkehren können. „Ich würde zu dem Grab meiner toten Verwandten gehen“, „den Boden in Syrien küssen“ oder „schauen, ob mein Haus noch steht“, lauteten einige der bewegenden Antworten der Kursteilnehmer.

Für Regina Fabian ein ganz spezieller Moment: „Ich hätte diese Situation der Gruppe niemals vorgeschlagen. Es hat mich sehr berührt, die Frauen und Männer über ihre Heimat sprechen zu hören und ich glaube, dass es für sie eine gute Möglichkeit war, ihre Gefühle auszudrücken“, resümierte Regina Fabian später diese Situation im Schauspieltraining.

Wie Marco Seiffert die Situation der Syrer in Jordanien beurteilt und was er, Regina Fabian und Videojournalistin Stefanie Stoye noch so alles in Jordanien erlebt haben, können Sie am 12.01.2018 ab 18:30 Uhr bei zibb im RBB-Fernsehen sehen.

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