Small-Talk im Jemen

19. Januar 2016  |  Autor: (43 Artikel)
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„Sofern Hilfsgüterlieferungen möglich waren, hat das Team meiner Kollegin Bushra in den letzten Monaten Wasserleitungen wiederhergestellt sowie sauberes Trinkwasser und Lebensmittel an besonders bedürftige Menschen verteilt.“ (Foto: CARE)

„Sofern Hilfsgüterlieferungen möglich waren, hat das Team meiner Kollegin Bushra in den letzten Monaten Wasserleitungen wiederhergestellt sowie sauberes Trinkwasser und Lebensmittel an besonders bedürftige Menschen verteilt.“ (Foto: CARE)

Isadora Quay, CARE-Expertin für den Schutz von Frauen in Notsituationen, traf ihre Kollegin Bushra Aldukhainah im Jemen. Ein Gespräch über schlaflose Nächte und engagierte Frauen.

Im Jemen Small-Talk zu halten ist schwierig. Fragen darüber, wie es Familien geht, enden nicht selten mit der Geschichte vom Tod eines Verwandten. Gespräche über den mangelnden Schlaf aus Nächten zuvor, führen häufig zu Schilderungen von nächtlichen Bombardierungen. Als ich letzten Monat zufällig meine alte Freundin und Kollegin Bushra Aldukhainah, humanitäre Koordinatorin bei CARE Jemen, traf, dauerte es nicht lange, bis wir über die täglichen Erlebnisse der Menschen sprachen, die mitten im Bürgerkrieg leben. Sie erzählte mir von den schlaflosen Nächten durch Bombardements, von Familienmitgliedern, die bei den Kämpfen ums Leben kamen und von 500.000 Kindern, die Hunger leiden.

Eingeschlossen zwischen Wüste und Meer

Der Jemen liegt südlich von Saudi Arabien und gehört zu den ärmsten Ländern im Nahen Osten. Schon vor Ausbruch der Gewalt war das Land fast ausschließlich auf Importe angewiesen, 70 Prozent des Öls, 80 Prozent der Lebensmittel und 100 der Medikamente kamen aus dem Ausland. Seit der Schließung der Häfen und Flughäfen erhält die Zivilbevölkerung kaum noch das, was sie zum Überleben braucht. Im Jemen sind mehr als 21 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, das ist fast die gesamte Bevölkerung des 24 Millionen Einwohner starken Staates. Das sind weitaus mehr Menschen als in Syrien oder dem Südsudan, die lebenswichtige Hilfe benötigen.

Es kommt schlimmer: Die Menschen sind in ihrem Land eingeschlossen. Die Grenze zu Saudi Arabien wird vehement verteidigt und ist nicht passierbar, in Richtung Oman liegt die Wüste, die ein Entkommen schier unmöglich macht. Die einzige Option, die bleibt: eine viel zu gefährliche Reise über das Meer nach Eritrea oder Somalia, Länder, in denen Dürre herrscht und Menschen leben, die selbst kaum wissen wie sie über die Runden kommen sollen. Die Vereinten Nationen schätzen, die Zahl der unter akutem Hunger leidenden Kleinkinder bis zu fünf Jahren im Jahr 2015 auf das Dreifache im Vergleich zu den Vorjahren. Innerhalb eines Jahres sind nun anstatt 16.000 Kinder nun möglicherweise eine halbe Million Kinder im Jemen unterernährt. Sofern Hilfsgüterlieferungen möglich waren, hat das Team meiner Kollegin Bushra in den letzten Monaten Wasserleitungen wiederhergestellt sowie sauberes Trinkwasser und Lebensmittel an besonders bedürftige Menschen verteilt.

Bushra Aldukhainah, humanitäre Koordinatorin bei CARE Jemen, gemeinsam mit ihrer Familie. (Foto: CARE)

Bushra Aldukhainah, humanitäre Koordinatorin bei CARE Jemen, gemeinsam mit ihrer Familie. (Foto: CARE)

Freiwillige Helfer retten Leben

Doch bei all diesen schlechten Meldungen hatte Bushra auch eine gute Nachricht. Sie erzählte mir von Khairia, die seit Kurzem als freiwillige Helferin für CARE arbeitet. Aus kulturellen Gründen hatte Khairia noch nie einen Job außerhalb ihres Hauses angenommen. Mit dem Konflikt und der Zerstörung ihres Zuhauses hat sich das geändert. Durch ihre Arbeit bei CARE wurde sie Leiterin ihrer Gemeinde, sie organisiert lokale Treffen und hilft bei der Verteilung von Hilfsgütern. Dieses Beispiel führt uns vor Augen, wie wichtig es ist auf die Bedürfnisse der Frauen einzugehen und wie nützlich und gewinnbringend ihre Arbeit für die ganze Gemeinschaft sein kann.

Jetzt helfen: Unterstützen Sie unsere Arbeit für Menschen in Not. Mehr Informationen zu unserer Nothilfe im Jemen finden Sie hier.

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