Somalia: Das Wenige teilen

In Ostafrika herrscht weiterhin eine der schlimmsten Dürren der letzten Jahrzehnte. Mehr als 6,7 Millionen Menschen in Somalia sind von Hunger und schlechten hygienischen Zuständen betroffen. Menschen aus den umliegenden Gemeinden, die selbst kaum etwas besitzen, kümmerten sich als Erste um sie. Der dritte Blog-Beitrag von CARE-Generalsekretär Karl-Otto Zentel über seine Reise nach Somalia:

Das Krankenhaus von Burao und ein provisorisches Flüchtlingscamp haben wir bereits besucht. Jetzt fahren wir in die nahegelegene Stadt Ainaba, um auch dort mit den Menschen zu sprechen. Wir treffen Frauen und Männer, die sich in Spargruppen zusammengeschlossen haben, um sich gegenseitig Kleinkredite zu finanzieren. Ein erfolgreiches Modell, das CARE in vielen Ländern umsetzt. Es sind nur wenige Euro, die diese Gruppen jeden Monat zur Seite legen. Doch diese wenigen Euro reichen, damit die Mitglieder einen Kredit aufnehmen und davon etwa Reparaturen am Haus bezahlen oder Hühner und Schafe anschaffen können.

Treffen einer CARE-Kleinspargruppe in Ainabo, Somalia.

In der Kleinspargruppe leihen sich die Dorfbewohnerinnen gegenseitig Geld. (Foto: Raheel Chaudhary/CARE)

Über die Einlagen, die aufgenommenen Kredite und Rückzahlungen wird akribisch Buch geführt. In den Büchern ist auch eingetragen, dass die Kleinspargruppen jeden Monat einen Obolus für Spenden an Bedürftige zur Seite legen. Es ist nicht viel Geld, das dabei zusammenkommt, doch die Bedeutung dieser Unterstützung ist umso größer angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage, in der sich die Mitglieder befinden. Meine Kollegen erzählen mir, dass es die Kleinspargruppen aus der Region waren, die den von der Dürre Betroffenen als Erste geholfen haben.

Eine Frau steht auf und sagt: „Die Flüchtlinge sind eine große Belastung für uns, weil sie auf unsere Unterstützung angewiesen sind. Wir teilen gerne, haben aber selbst nur wenig. Bitte helft ihnen, damit helft ihr auch uns!“

Ich wusste schon vorher, dass die Somalier einen sehr starken sozialen Zusammenhalt haben. Das hat ihnen immer wieder geholfen, auch in sehr schwierigen Zeiten zu überleben. Nicht selbst nach weiterer Unterstützung fragen, sondern das Wenige teilen – diese Menschen werden mir in Erinnerung bleiben.

Solarbetriebener Brunnen von CARE bei Ainaba, Somalia.

Karl-Otto Zentel und weitere CARE-Mitarbeiter bei der Besichtigung des solarbetriebenen Brunnens (Solaranlage links im Hintergrund). Foto: Raheel Chaudhary/CARE

Die letzte Station auf unserer Reise ist eine von CARE rehabilitierte Wasserstelle. Der offene Brunnen wurde verschlossen und mit einer elektrischen Tauchpumpe versehen, die den nötigen Strom über Solarpanele bekommt. Überschüssiger Strom wird in Batterien gespeichert und von den umlegenden Bewohnern für elektrisches Licht und zum Aufladen der Handys genutzt. Dafür bezahlen sie eine geringe Gebühr. Das reicht zur Wartung und Reparatur und bezahlt auch den von CARE ausgebildeten Elektriker. Ein rundes Gesamtkonzept, das von den Nutzern des Brunnens selbst entwickelt wurde und alles hat, was es braucht, um lange zu funktionieren.

Nun geht es wieder zurück mit einer Vielzahl sehr widersprüchlicher Eindrücke. Auf der einen Seite ist da die große Not, die durch die Dürre ausgelöst wurde und die daraus resultierenden Folgen, die noch lange nicht überwunden sind; auf der anderen Seite habe ich viel positives Engagement erlebt. Ich bin beeindruckt von den Menschen vor Ort und meinen Kollegen, die unermüdlich gegen die Folgen der zweiten großen Dürre innerhalb weniger Jahre ankämpfen.

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