Sri Lanka: Versöhnung auf der Theaterbühne

Filmvorführung in Kilinochchi: Frauen und Männer diskutieren über Alltagsprobleme von Tamilen in Sri Lanka. (Foto: CARE/Male Thienken)

Filmvorführung in Kilinochchi: Frauen und Männer diskutieren über Alltagsprobleme von Tamilen in Sri Lanka. (Foto: CARE/Male Thienken)

Schon zum zweiten Mal besuche ich in Sri Lanka das YOUth Create Projekt. Es handelt sich um ein ganz besonderes Projekt, das versucht, die Menschen des Inselstaats über Kunst und Kultur miteinander zu verbinden und zu versöhnen. Es wird zu einem großen Teil mit Geldern der Europäischen Union finanziert und konzentriert sich auf Standorte im Norden und Osten des Landes, dem Gebiet, in dem bis 2009 Bürgerkrieg herrschte.

Am dritten Tag meiner Reise fahren wir nach Mannar, wo wir uns mit der dortigen Forum-Theatergruppe treffen und auch direkt eine Aufführung mitverfolgen. Bereits im letzten Jahr hatte ich dieses Vergnügen mit etwas abweichender Besetzung – und war beeindruckt von der Art und Weise, wie die Gruppe das Publikum einbindet. Im Forum-Theater werden Alltagsszenen in zwei Läufen durchgespielt. Beim zweiten Durchlauf wird das Publikum aufgefordert, „Stopp“ zu rufen, sollte es mit dem Verlauf des Geschehens auf der Bühne nicht einverstanden sein. Anschließend soll es selbst in die Rolle schlüpfen, die seiner Meinung nach anders agieren müsste. Dieses Mal wird eine Situation im Bus dargestellt: Ein junger Tamile aus dem Norden des Landes macht sich auf den Weg in die Hauptstadt Colombo, um sich dort für einen Job vorzustellen. Da er als Tamile nur wenig Singhalesisch spricht, missversteht er den Ticketverkäufer, wird herablassend behandelt und verpasst letztlich seine Haltestelle. An dieser Stelle legt das Publikum Einspruch ein und fordert, dass dem jungen Mann ein Tamilisch sprechender Mitreisender zur Hilfe kommt.

Völkerverständigung durch Mitmach-Theater: Tamilen und Singhalesen nähern sich nach Jahren des Bürgerkriegs einander an. (Foto: CARE/Male Thienken)

Völkerverständigung durch Mitmach-Theater: Tamilen und Singhalesen nähern sich nach Jahren des Bürgerkriegs einander an. (Foto: CARE/Male Thienken)

Am nächsten Tag setzen wir unseren Weg nach Kilinochchi fort, wo mir Kurzfilme aus dem YOUth Create Projekt vorgeführt werden. Als wir uns vor einem Jahr mit einer Gruppe angehender Filmemacher trafen, gab es noch viele Fragezeichen zu den Skripten. Inzwischen wurden 16 Filme produziert und sogar einige Preise gewonnen. Der Film „Ticket Please“ von Anantha Ramandan wurde etwa beim Internationalen Film Festival in Colombo als bester Kurzfilm ausgezeichnet. Auch darin geht es um einen jungen Tamilen, der sich auf den Weg nach Colombo macht, um Arbeit zu finden. Die Problematik scheint in Sri Lanka weit verbreitet. In beiden dargestellten Situationen wunderte ich mich darüber, wie teilnahmslos der jeweilige Hauptdarsteller auftritt, bis mir klar wurde, dass dies an den negativen Erfahrungen liegt, die er als Tamile im Norden Sri Lankas gemacht hat. Durch fehlendes Verständnis und Unterstützung von außen versuchen viele Tamilen lieber, sich möglichst unauffällig zu verhalten und so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu ziehen. Durch Theater und Film wird eine Sensibilität für diese Problematik erzeugt, die hoffentlich dazu beitragen wird, dass die Scham über die Herkunft in Zukunft verschwindet und gegenseitige Hilfsbereitschaft zur Selbstverständlichkeit wird.

Mehr zur Arbeit von CARE für ethnische Minderheiten in Sri Lanka finden Sie hier.

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