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Südafrika: Fußball, Pfützen und die Sicherheit -

Von Sandra Bulling

Südafrika. Ich denke an orangefarbenes Sonnenlicht, das weite Graslandschaften umhüllt, wilde Tiere, die sich in der Wärme räkeln, farbenfrohe Städte mit fußballbegeisterten Einwohnern.

Blauer Himmel, Fußballfieber: So stellt man sich Südafrika vor (Foto: CARE/Bräutigam)

Südafrika. Ich lande in Johannesburg und sehe: Regen. Graue Wolken. Ich frage mich, ob unser Flieger nicht einfach zehn Stunden über Europa gekreist ist und uns versehentlich wieder in Köln rausgelassen hat. Aber da sind schon die ersten Fußbälle und Vuvuzelas in der Ankunftshalle. Nein, das muss Südafrika sein.

Es schüttet aus Kübeln in der Regenbogennation
Solch ein Wetter habe er seit Jahren nicht mehr erlebt, wird mir später der Besitzer unseres Hotels erzählen. Auf der Fahrt vom Flughafen in Johannesburg bis nach Pretoria erleben wir Regen, der wie aus dem Duschstrahl auf die Erde prasselt, abgewechselt von Regen, der seicht auf die Erde tröpfelt. Eine Woche wollen wir in Südafrika bleiben und das Fußballprojekt Kick-It von CARE und Stars of Tomorrow besuchen. Doch bereits im Auto erfahre ich, dass unser erster geplanter Programmpunkt in Wasser fällt: Bei diesem Wetter finden keine Fußballtrainings für die Kinder im Township Soshanguve statt. Die Plätze dort seien völlig verschlammt. Und die Kids, die meist barfuss oder in Flip Flops spielen, können deshalb nicht trainieren, sagt meine Kollegin Pauline von der lokalen Partnerorganisation „Kick-It Rephele“ am Telefon.

Sicher in Südafrika?
Resigniert hänge ich mich in den Autositz und schaue in die diesige Landschaft hinaus. Der Regen hat die Straßenränder in Schlammbäche verwandelt, doch trotz des Wetters wird weiter am Ausbau der Straßen gearbeitet. Das ist dringend notwendig, denn wir stehen bereits im ersten Stau. Evert, unser netter Fahrer, ist ein weißer Südafrikaner, der in Johannesburg aufgewachsen ist. Für das Straßennetz hat er keine guten Worte übrig, überall sei Stau, es gäbe zu wenige gute Straßen und zu viele Autos. Schnell kommen wir auf das Thema Gewalt in Südafrika zu sprechen. Ein Thema, dass bei der Berichterstattung über die WM ständig mitschwingt. Ich frage Evert, ob es wirklich so schlimm sei. „Es ist schlimmer“, sagt er. Er fühle sich ständig bedroht, sein Vater sei vor einiger Zeit bei einem Raubüberfall erschossen worden. „Ich bin als Weißer in Johannesburg ein Ziel“.

Er habe sein Haus hinter mehreren elektrischen Toren verbarrikadiert, Bewegungsmelder in der Decke würden nachts jeden entdecken, der sich dem Haus nähere. Ich frage mich, wie es wohl ist, sich in seiner Heimat ständig bedroht zu fühlen. „Ich würde gerne weggehen, aber wo soll ich hin?“, fragt er. Er habe sogar schon Asylanträge für einige Länder gestellt, aber bislang noch ohne Erfolg. Mit einem etwas mulmigen Gefühl steigen wir aus dem Wagen aus. Mein Kollege und ich fragen uns, ob Everts Ansicht übertrieben ist oder ob wir tatsächlich jeden für verdächtig halten sollen.

Willkommen in Soshanguve!
Doch dann fahren wir am Nachmittag von Pretoria aus nach Soshanguve. Das so genannte Township ist quasi die Gegenstadt zu Pretoria, dort leben knapp zweieinhalb Millionen schwarze Südafrikaner. Hier gibt es keine der großen Bürotürme oder schicken viktorianischen Villen. Themba, ein Polizist der Metro-Police, steigt zu uns ins Auto. Er lacht und sagt herzlich: „Willkommen in Südafrika“. Wir fahren entlang des Stadtrands von Soshanguve zum Büro von Kick-It. Themba lebt im Township, er arbeitet tagsüber im Büro der Polizei und abends im Büro von „Kick-It“. Zusammen mit Kollegen hat er „Kick-It Rephele“ vor fünf Jahren gegründet. Heute spielen an 13 Standorten in Soshanguve 30 Trainer mit den Kindern Fußball, Volleyball, Basketball und klären dabei über AIDS, Drogen und Kriminalität auf. Themba schwärmt von seiner Heimat. Es sei sehr schön in Soshanguve, wir bräuchten keine Angst zu haben. Die Trainer und die Kinder freuten sich schon auf unseren Besuch und wir sollten möglichst alle 13 Standorte diese Woche besuchen, denn jeder wolle uns sehen. Damit sind alle Bedenken beiseite geräumt. Als wir abends in unser Hotel zurückkommen, das mit elektrischen Zäunen und großen Toren gesichert ist, freue ich mich schon darauf, morgen wieder nach Soshanguve zu fahren. Dort, im Township, fühle ich mich wohler als in dem abgeschotteten Viertel der Wohlhabenden.

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