Südsudan: “Die schlimmsten Lebensbedingungen, die ich je gesehen habe”

von Deborah Underdown

Die Regenzeit bringt Schlamm und Krankheiten für die Heimkehrer im Südsudan. (Foto: CARE/Deborah Underdown)

Als ich in Bentiu, Südsudan aus dem Wagen stieg, wurde ich als erstes von meinen CARE-Kollegen und ein Paar Gummistiefeln begrüßt. Meine Turnschuhe würde ich hier nicht brauchen. Obwohl die Regenzeit gerade erst begonnen hat, sind die Straßen bereits eine große Herausforderung. Der dicke, zähflüssige Schlamm macht auch aus kurzen Wegen eine schwere Reise.

Mein Fahrer für diesen Tag ist Hassan, er leitet auch das Wasser- und Sanitärprogramm von CARE. Hassan erklärt mir, dass Reisen fast unmöglich wird, wenn der Regen in den nächsten Wochen stärker wird. Letztes Jahr zur gleichen Zeit war das beste Transportmittel ein sogenanntes „Quad bike“ – ein Motorrad mit Vierradantrieb. CARE benutzte sogar eines zum Transport von wichtigen medizinischen Gütern.

Wir fahren zum Hafen von Bentiu, der die Heimat von 300 „Rückkehrern“ ist. Seit Südsudan im Juli letzten Jahres die Unabhängigkeit erlangte, kehrten über 400.000 Menschen aus dem Sudan in ihre Heimat zurück. Sie kommen mit wenig, und die Reise kann Monate dauern.

Ich war für CARE schon in einigen Krisengebieten, im Kongo, in Pakistan und im kenianischen Flüchtlingslager Dadaab. Aber die Lebensumstände der Rückkehrer, die hier am Hafen leben, sind die schlimmsten, die ich je gesehen habe.

Ich treffe Mayen, eine Mutter von fünf Kindern, die mir erzählt, dass ihre sieben Monate alte Tochter auf dem Weg in den Südsudan an Malaria starb. Mayen lebt nun zusammen mit zehn Menschen, einschließlich ihrer Kinder, in einem Unterschlupf mit nur einem Bett. Der Boden ist eine Schicht aus Schlamm, in dem die Kinder sitzen und spielen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn der Unterschlupf auch noch geflutet wird. Was mich überwältigt ist die Vorstellung, dass sie dem Schlamm noch nicht einmal entrinnen, wenn sie im Inneren der Hütte sind.

Die Kinder mit ihren schlammbedeckten Händen auf dem Boden sitzen zu sehen, Hände, die immer wieder den Weg in Kindermünder finden, ist besorgniserregend. Ich möchte die Hand ausstrecken und ihnen sagen, dass sie die Hände nicht in den Mund stecken sollen, genau wie ich es mit meiner eigenen Nichte machen würde, wenn sie mal wieder über den Boden gekrabbelt ist. Aber was würde es nützen? Es ist unmöglich, dem Schlamm und seinen Krankheiten zu entrinnen. Sie können noch nicht einmal versuchen, ihre Hände sauber zu halten. Es ist so frustrierend zu wissen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung sehr hoch ist.

Eine Krankenschwester sortiert die Medikamente in einem Flüchtlingslager im Südsudan. Den Bewohnern fehlt es an Nahrung, medizinischer Versorgung und Unterkünften. (Foto: CARE/Deborah Underdown)

CARE hat eine Gesundheitsstation eingerichtet, die übrigens direkt an Mayens Hütte angrenzt. Paul, ein medizinischer Mitarbeiter, erzählte mir, dass durch Wasser übertragene Krankheiten bereits auf dem Vormarsch sind, mit vielen Fällen von Atemwegserkrankungen und wässrigem Durchfall. CARE ermöglicht Behandlungen sowie Impfungen für Kinder gegen Polio, Tuberkulose und Masern.

Die schlechten Straßen und die schon jetzt entsetzlichen Lebensbedingungen können nur schlimmer werden. CARE hat vorsorglich Hilfsgüter positioniert und hilft Rückkehrern in Unity State. Darüber hinaus unterstützt CARE Menschen, die vor dem Konflikt fliehen sowie Vertriebenen mit Nahrungsmitteln.

Seit einem Jahr gibt es nun den Staat Südsudan. Das ist kein langer Zeitraum, um Fähigkeiten und Infrastruktur aufzubauen. Die Aufgabenliste des Landes ist lang, aber die Regierung und Hilfsorganisationen wie CARE arbeiten hart daran, den 800.000 Menschen zu helfen, die den Südsudan ihre Heimat nennen. Menschen wie Mayen und ihre Kinder, die in extremer Not sind.

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