Südsudan: Peters Geschichte

Barbara Jackson, Nothilfedirektorin von CARE International, ist soeben aus dem Südsudan zurückgekehrt, wo über 3,8 Millionen Menschen humanitäre Hilfe zum Überleben benötigen.

Die Lebensbedingungen sind entsetzlich aber für den Moment sind die Menschen sicher. (Foto: CARE/ Josh Estey)

Die Lebensbedingungen sind entsetzlich aber für den Moment sind die Menschen sicher. (Foto: CARE/ Josh Estey)

Peter Bothi ist CARE-Helfer und arbeitet als Lagerverwalter in Bentiu. Er ist dafür zuständig, die Inventaraufzeichnung der Bestände in Krankenhäusern und Geschäftsstellen aufrechtzuerhalten. Seit März jedoch ist das Gebiet, in dem er arbeitet, von Soldaten besetzt. Dabei wurden auch einige CARE-Fahrzeuge gestohlen und die Büros geplündert. Peter arbeitet nun in einem großen zeltähnlichen Konstrukt auf dem UN- Gelände außerhalb von Bentiu. Zwischen 35.000 und 45.000 Menschen leben hier derzeit unter kaum zumutbaren Umständen. Wieso? Weil das der einzige Ort ist, an dem sie sich vor der anhaltenden Gewalt zwischen Regierung, Opposition und verschiedenen Fraktionen, einigermaßen sicher und beschützt fühlen. Peter erzählt von dem Tag im März, an dem er ein CARE-Fahrzeug mit dem Tresor des Büros, Dokumenten, medizinischen Gütern und restlichen Beständen packte, um zum UN-Gelände zu fliehen. Beim Erzählen seiner Geschichte bleibt sein Gesicht emotionslos, während ein Wortschwall aus seinem Mund strömt.

Auf einmal war er von bewaffneten Männern und Jungen umzingelt. Dann befahl ein junger Mann in einem Tarnanzug, der mit einem Maschinengewehr herumfuchtelte, ihn zu erschießen. Peter erzählt, wie er versuchte, sich unauffällig in die Gruppe zurückzuziehen, damit er vor den Schüssen sicher war. Die Männer seien  etwas später davonzogen, ohne ihn zu töten.

Ich frage Peter nach seiner Familie, seiner Frau und seinen Kindern. „Ich rief sie auf dem Handy an, und sagte ihnen, sie müssten sofort durch die Büsche zum UN-Gelände rennen, um sich in Sicherheit zu bringen. Ich sah sie für viele Stunden nicht mehr, und als ich schließlich das UN-Gelände erreichte, strömten hunderte Menschen durch die Tore. Ich hörte, dass jemand meinen Namen rief und sah einen Nachbarn, der mir sagte, dass meine Frau und meine Kinder in Sicherheit sind.“

Peter, seine Frau und ihre vier Kinder leben jetzt in einer selbst errichteten Unterkunft aus Plastikplanen. Sie haben zwei Benzinkanister, mit denen sie frisches Wasser aus einem gemeinschaftlichen Bohrloch holen und teilen sich mit mindestens 200 anderen Menschen eine provisorische Toilette. Der Regen ist zu dieser Jahreszeit stark im Südsudan, das Wasser strömt zwischen den Zelten und Notunterkünften hinweg und spült den Abfall und menschliche Ausscheidungen in offene Abflusskanäle.

Kinder schwimmen im stinkenden Wasser, da sie keinen anderen Platz zum Spielen haben. Die Lebensbedingungen sind entsetzlich, aber Peter sagt, dass er für seine Familie zumindest Essen und eine gesundheitliche Versorgung hat, und dass sie hier sicher sind. Er wiederholt das stets: „Für den Moment sind wir sicher, aber wir wissen nicht, wann es zu Ende sein wird. Ohne die Unterstützung von CARE und anderen internationalen Hilfsorganisationen wären wir heute nicht am Leben.“

Aufgrund der miserablen hygienischen Zustände ist der Ausbruch von Cholera und anderen Krankheiten eine unmittelbare Bedrohung. CARE und andere Organisationen sind deshalb unermüdlich damit beschäftigt, den Ausbruch zu verhindern. Und es kommt noch schlimmer: Hilfsorganisationen sagen wegen des schon jetzt extrem hohen Grades an Unterernährung eine Hungersnot voraus, der im schlimmsten Fall 50.000 Kinder zum Opfer fallen können. Und bis Oktober wird es noch andauernde Regenfälle geben, die die Straßen unpassierbar und die Flüchtlingscamps unbewohnbar machen. Wie Peter sagt: „Gerade jetzt brauchen wir die Unterstützung vom Rest der Welt. Wir haben viele Jahre des Krieges durchlebt; wir hatten gehofft, dass wir Frieden und unsere Kinder bessere Zukunftschancen haben würden.“

Ich verabschiedete mich von Peter, um in ein Flugzeug zu steigen, das er nicht nehmen kann und ließ ihn mit seiner Familie und tausenden anderen Menschen zurück. Sie alle haben Monate der Ungewissheit, der Gewalt und der Gefahr von Hunger und Krankheiten vor sich. Peters Mut und Ausdauer finden sich in vielen Menschen überall im Südsudan wieder. Diese sollten nicht noch mehr Leid ertragen müssen.

Ich bin stolz auf die Arbeit von CARE in Bentiu, aber sie ist nicht genug. Wir müssen noch so viel mehr machen – es ist unsere Verpflichtung, und es ist das Recht der Menschen im Südsudan, in dieser schwierigen Zeit nicht von der Welt vergessen zu werden.

Notruf Südsudan – CARE ruft zu Spenden für Nothilfe im Südsudan auf!

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