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Tabu Masuros Bienenkästen

Von Sandra Bulling

Tabu ist Vorsitzende der Spargruppe Mwanzo Mgumu (Foto: CARE/Bulling)

Das zweite Ziel meiner Tansaniareise ist der Ort Turiani. Mein Reiseführer kennt Turiani nicht, ich habe also nur eine ungefähre Idee, in welche Richtung wir fahren. Es geht jedenfalls von Morogoro aus gesehen gen Westen. Nach kurzer Zeit verlassen wir die Asphaltstraße und biegen auf eine Staubpiste ab. Während wir die Uluguru-Berge zurücklassen, wird das Land immer trockener. Dornige Sträucher säumen den Straßenrand, gelbliches Gras bedeckt den Boden. Zwischen den Sträuchern sehe ich immer wieder Kuh- oder Schafsherden, die von hochgewachsenen, schlanken Hirten bewacht werden. Wir fahren geradewegs durch das Gebiet des Volkes der Massai. Die Massai sind aufgrund ihrer Kleidung oft auf den ersten Blick erkennbar, die meisten tragen auberginefarbene oder dunkelrote Tücher, entweder um den ganzen Körper geschlungen oder – bei den Männern – als Rock von der Hüfte abwärts. Die meisten Männer tragen einen Speer mit sich, manchmal klemmt die traditionelle Waffe auch einfach über dem Fahrradlenker oder wird auf Autodächern verstaut.

Gemeinsam sparen
Nach zwei Stunden Fahrt durch das trockene Land erheben sich die Ngoro-Berge vor uns. Wir treten wieder in eine grüne Welt ein, voller Zuckerrohrfelder, Bananenbäume und Kokospalmen. Dort treffe ich den Sparverein „Mwanzo Mgumu“. Es ist eine Gruppe von Frauen, die seit zwei Jahren gemeinsam Geld beiseite gelegt und gespart haben. CARE hat bei der Gründung geholfen. Den Namen, den die Mitglieder ihrem Verein gegeben haben, drückt die Herausforderung des Sparens aus, wenn man sowieso wenig hat: Mwanzo Mgumu bedeutet auf Swahili „Schwerer Anfang“. Doch was als große Aufgabe begann, hat Früchte getragen. Die Gruppe aus 22 Frauen und fünf Männern hat nach zwei Jahren mehr als 800.000 tansanische Schilling gespart, etwa 420 Euro. Davon haben sie sich gemeinsam Bienenkästen gekauft. „Ende dieses Jahres können wir den ersten Honig ernten“, freut sich Tabu Masuro, die 39-jährige Vorsitzende der Spargruppe. „Doch uns fehlen noch Schutzkleidung und das richtige Werkzeug dazu. Außerdem wissen wir nicht, wie man so ein Produkt bekannt macht und richtig verkauft“, sagt sie. Vorsichtig führt sie mich den Berg hinauf, sie zeigt nach oben. In den Ästen hängen die Bienenkästen, wie große, hölzerne Schuhkartons. Surrend fliegen Bienen ein und aus. Wir unterhalten uns flüsternd, um die Bienen nicht zu stören und Stechattacken zu vermeiden. Auf meine Frage, wieso die Gruppe ihr Erspartes in die Bienenzucht investiert hat, sagt Tabu: „Im Gegensatz zu Hühnern sind Bienen weniger anfällig für Krankheiten. Außerdem können wir damit die Natur schonen, müssen weniger Land bebauen.“


Fleissige Bienen sind das Ergebnis vom gemeinsamen Sparen (Foto: CARE/Bulling)

Bienenexperten gesucht
Von der Regierung hat die Gruppe nun eine Fläche Wald bekommen. Tabu und ihre Mitsparer haben es sich zur Aufgabe gemacht, „ihren“ Wald zu schonen und vor Raubbau oder Brandrodung zu schützen. „Wir sind alle Bauern und leben von dem, was wir anbauen. Wir müssen lernen, unsere Natur und unseren Boden wertzuschätzen, auch für unsere Kinder. Ich hoffe, dass wir mit den Bienen eine Alternative finden, und nicht mehr allein von der Landwirtschaft abhängig sind“, sagt Tabu. Die restlichen Gruppenmitglieder nicken. Sie bedanken sich herzlich für meinen Besuch und sind stolz, dass jemand aus so einem exotischen Land wie Deutschland nach Turiani gekommen ist, um ihre Bienenkästen zu sehen. „Erzähl den Menschen in deinem Land von unserem Plan. Vielleicht können uns ein paar erfahrene Bienenzüchter Ratschläge schicken“, gibt mir Tabu mit auf den Weg.

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