Tag der Erde: Die eigentliche Arbeit beginnt

Sven Harmeling ist klimapolitischer Koordinator CARE International und war im Dezember 2015 für CARE bei der COP21 in Paris. In unserem Blog schreibt er über die Unterzeichnung des Abkommens in New York.

Am 22. April, dem Internationalen Tag der Mutter Erde, werden sich mehr als 150 Regierungen in New York versammeln. Sie wollen dort den nächsten notwendigen Schritt machen, um das Pariser Klima-Abkommen in konkrete Maßnahmen zu übersetzen und unseren Planeten und seine Bewohner vor dem Klimawandel zu schützen.
Trotz des weltweit steigenden Engagements für den Kampf gegen den Klimawandel liegt der diesjährige Tag der Mutter Erde in einer Zeit, in der das menschliche Leid ein kaum gekanntes Ausmaß annimmt. Das Wetterphänomen El Niño trifft mit Rekordtemperaturen, die durch den Klimawandel verursacht werden, zusammen und stellt Millionen von Menschen vor eine kaum zu bewältigende Herausforderung: Stürme und Überschwemmungen in Fidschi, extreme Dürre in Äthiopien, Simbabwe oder Papua-Neuguinea. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Zwar haben die Dorfgemeinschaften sich über die Zeit an den Klimawandel angepasst, aber sie stoßen in diesen extremen Krisen an ihre Grenzen.

Sven Harmeling (rechts) auf der COP21: „Für die 1,5-Grad-Grenze haben sich in Paris mehr als 100 Ländern und Hunderte von NGOs, darunter auch CARE, eingesetzt."

Sven Harmeling (rechts) auf der COP21: „Für die 1,5-Grad-Grenze haben sich in Paris mehr als 100 Ländern und Hunderte von NGOs, darunter auch CARE, eingesetzt.“

Welchen Unterschied macht die Unterzeichnung des UN-Klimaabkommen für das Leben der Menschen, die am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leiden? Zunächst wird es keine Veränderung geben, denn die Unterzeichnung des Abkommens hat eher symbolischen Wert. Die Regierungen drücken damit ihren Willen aus, sich auf zukünftige Abkommen zu verpflichten. Dennoch ist zu erwarten, dass das Pariser Abkommen in die Geschichte eingehen wird, denn nie zuvor wurde ein multilaterales Umweltabkommen von so vielen Ländern mitgetragen. Um rechtlich verbindlich zu werden, muss das Pariser Klimaabkommen allerdings von mindestens 55 Ländern ratifiziert werden, die mindestens 55 Prozent der globalen Emissionen ausmachen. Die USA und China haben bereits signalisiert, dass sie das neue Klimaabkommen noch im Jahr 2016 ratifizieren wollen. Bei der EU wird dies angesichts der 28 Staaten vermutlich länger dauern.

Obwohl sich auch die großen Staaten bewegen, sind die wahren Vorreiter der globalen Klimapolitik derzeit ein paar kleine Inselstaaten, wie die Marshall-Inseln, Fidschi und St. Lucia, denn diese haben das Abkommen bereits ratifiziert. Einer der größten und überraschendsten Erfolge des Pariser Abkommens ist das Ziel, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius und nach Möglichkeit auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Für die 1,5-Grad-Grenze haben sich in Paris mehr als 100 Ländern und Hunderte von NGOs, darunter auch CARE, eingesetzt.

Die Temperaturgrenze von 1,5 Grad Celsius einzuhalten, ist keineswegs eine leichte Aufgabe. Es wird mehr Klimamaßnahmen und Emissionssenkungen von allen Ländern erfordern, aber es ist die beste Möglichkeit, um das Überleben der vom Klimawandel gefährdeten Gemeinschaften und Nationen sicherzustellen. Diese sind am wenigsten in der Lage, sich an die katastrophalen Klimaauswirkungen anzupassen.

2015 war das Jahr der großen globalen Vereinbarungen. Die neuen globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) und das Pariser Klima-Abkommen spiegeln die doppelte Herausforderung von Klimawandel und Armutsbekämpfung wieder. Jetzt ist es Zeit, mit der wirklichen Arbeit zu beginnen, um die Versprechen von 2015 einzulösen. Die Unterzeichnung des Pariser Abkommens am Tag der Mutter Erde ist der nächste Schritt auf einem langen Weg zu einer nachhaltigen und gerechten Zukunft. Auch Deutschland wird in New York seine Unterschrift abgeben. In Deutschland stehen mit dem nationalen Klimaschutzplan 2050 und weiteren Bemühungen zum Erreichen der Emissionsminderungsziele für 2020 wichtige Meilensteine an, die das Pariser Abkommen quasi vorweg nehmen. Dass Deutschland das Abkommen ratifiziert, ist also nur eine Formsache. Um die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten, müssen die Emissionen bis 2050 auf null sinken. Deutschland muss seine Emissionen bis dahin schrittweise um mindestens 95 Prozent reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Vorgaben des Paris-Abkommens auch auf Landesebene umgesetzt werden, etwa durch den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Aber Klimaschutz ist nur die eine Seite der notwendigen und im Paris-Abkommen verankerten globalen Solidarität. Die Menschen, die besonders von den Folgen des Klimawandels betroffenen sind, müssen stärker bei der Anpassung an die Klimafolgen und der Bewältigung der Schäden unterstützt werden. Das liegt auch in deutscher Verantwortung. Nicht zuletzt ist die Unterstützung der ärmeren Länder auch ein Weg der Krisenprävention, damit die Menschen besser Widerstand gegen Wetterextreme leisten und ihr Leben in Würde und in einer intakten Umwelt meistern können. Dies ist das zentrale Versprechen an die Menschen auf der Mutter Erde für die kommenden Jahre.

Mehr Informationen zu CARES Arbeit in Sachen Klimawandel finden Sie hier. 

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