
Nach dem Erdbeben 2010 verloren viele Menschen alles was sie je besaßen. Trotzdem scheint ihr Glaube ungebrochen. (Foto: CARE/Hockstein)
Es ist Palmsonntag, und ich begleite eine Kollegin in die katholische Kirche, die rund 50 Meter vom CARE-Büro entfernt liegt. Alle haben sich schick gemacht und vor dem Eingang werden Palmenblätter verkauft. Ich bin nicht katholisch, aber da die Religion so einen großen Platz im Leben vieler Haitianer einnimmt, wollte ich mir den Gottesdienst gerne einmal anschauen. Und innen kommt mir dann alles sehr bekannt vor: Die weißen Gewänder der Messdiener, der Weihrauch, die Gesänge, all das findet man auch in einer deutschen Kirche. Ich beobachte einen älteren Mann vor mir in der Bank, der von seinem Sohn gestützt wird, als er zum Abendmahl gehen will. Wie viele Sonntage hat er wohl schon in dieser Kirche verbracht in seinem Leben? Und woher nimmt er die Kraft, die Schwierigkeiten und Ungerechtigkeiten, die in seinem Land seit so vielen Jahrzehnten herrschen, zu überstehen?
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