
Dadaab: Wie eine große Stadt wirken die drei Flüchtlingslager von oben. Mittlerweile leben über 380.000 Menschen in dem nordkenianischen Lager. (Foto: CARE/Underdown)
Gestern kam ich in Dadaab an. Das kleine Flugzeug erreichte in einem langen Bogen die Landepiste, dabei konnte ich von oben die drei Flüchtlingslager sehen. Das Bild ist mir bekannt, in den letzten Jahren war ich immer wieder in dem größten Flüchtlingslager der Erde. Beim Blick aus dem kleinen Fenster des Flugzeugs fällt mir aber auf, dass sich etwas geändert hat. An den Rändern des Lagers stehen hunderte kleiner Behausungen, ein paar Äste im Kreis aufgestellt und eine Plastikplane drüber, darin leben die Neuankömmlinge. Mehr als Tausend Menschen kommen seit Wochen jeden Tag in Dadaab an. Schon seit 20 Jahren suchen die Menschen Schutz in den Lagern von Dadaab. Die meisten kommen aus Somalia, dem Staat am Horn von Afrika, in dem es keine Regierung mehr gibt und Clans, religiöse Gruppen und wer weiß noch brutal um die Macht im Land kämpfen.
Das Lager ist völlig überlaufen
Die drei Lager waren ursprünglich mal für 90.000 Menschen geplant, im Januar 2011 waren es noch gut 300.000, und meine Kollegen von CARE hatten damals schon Mühe, gemeinsam mit anderen Organisationen alle zu versorgen. Jetzt ist die Situation allerdings dramatisch: Jeden Tag kommen 1500 Menschen in Dadaab an, viele sind von den Strapazen der Flucht völlig entkräftet, sie brauchen sofort Wasser, etwas zu essen, einen Platz zum schlafen und medizinische Vorsorgung. Mittlerweile sind mehr als 380.000 Flüchtlinge in Dadaab – zum Vergleich: Bonn hat gerade mal 325.000 Einwohner. Dadaab ist eine Stadt in der Wüste, in der die Bewohner fast vollständig auf die Hilfe von außen angewiesen sind.
Meine Kollegen in den CARE Büros arbeiten fast rund um die Uhr
Stanley, der Wasserbauexperte ist permanent beschäftigt, dafür zu sorgen, dass die ankommenden Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt werden. Im Moment wird mit Tankwagen das Wasser herbei geschafft. Stanley möchte allerdings so schnell wie möglich zwei neue Brunnen bohren. „Wenn wir die Brunnen haben, können wir Leitungen legen und Wasserhähne installieren, damit die Leute endlich alle genug Wasser haben“, erklärt er mir schnell. Denn schon wieder klingelt sein Telefon, ein Tankwagen hat eine Panne und muss schnellstens repariert werden. Ich sehe noch wie Stanley sich auf den Weg macht, um dafür zu sorgen, dass der Tankwagen schnell wieder Wasser zu den Menschen bringen kann.