Eine newarische Hochzeit
Montag, 03. März 2008
Text und Bild: Katharina Nordhorn
Von Anfang Februar bis Ende März sind die Temperaturen tagsüber angenehm, es ist nicht zu warm und nicht zu kalt. Zusätzlich scheint die Sonne fast jeden Tag vom strahlend blauen Himmel. Für viele Touristen, die nach Nepal kommen, ist dies deshalb die perfekte Trecking-Saison. Denn die klare Sicht erlaubt grandiose Ausblicke auf das Himalaya-Gebirge. Für die Nepalis steht diese Jahreszeit allerdings noch für etwas ganz anderes: Es ist die Hochsaison für Hochzeiten.

Zu Gast bei den Newar
Die Nepalis sind überaus gastfreundlich und deshalb war auch ich letztes Wochenende auf einer großen, festlichen newarischen Hochzeit eingeladen. Die Newar sind eine ethnische Gruppe, die über Jahrhunderte das Kathmandu-Tal regierte und heute über eine sehr ausgeprägte, eigene Kultur verfügen. So haben die Newar auch ihre eigenen Hochzeitsriten und –traditionen. Die Hochzeitsfestlichkeiten dauern mehrere Tage und sind für beide Familien sehr kostspielig, da die Familien fast immer so groß wie möglich feiern möchten. Viele Familien sparen jahrzehntelang für die Hochzeiten ihrer Kinder oder verschulden sich. Unter anderem tauschen die Familien des zukünftigen Ehepaares Geschenke untereinander aus. Diese bestehen hauptsächlich aus wunderschön dekorierten Speisen, wie Torten, Gebäck in alle möglichen Formen, Früchten oder auch mit Pailletten verzierten Fischen. Anschließend veranstaltet die Familie der Braut ein großes Fest.
Tränen zum Hochzeitsfest
Der Tag der Trauung beginnt sehr früh. Alle Verwandte und Freunde der beiden Familien treffen sich morgens im Haus der Braut – es ist der Tag der Saris und der bunten Farben. Die Braut ist in einen besonders festlichen rot-goldenen Sari gehüllt. Sie und der Bräutigam sitzen auf roten Kissen auf dem Boden nebeneinander und alle Gäste stehen im Kreis um sie herum. Unter den Zurufen aller Umstehenden beginnt die eigentliche Zeremonie. Hierbei legen sich das Paar unter anderem gegenseitig Kränze um den Hals und der Mann malt der Frau rotes Puder auf die Stirn, als Zeichen, dass sie nun verheiratet sind. Anschließend verabschieden sich die Eltern der Braut von ihrer Tochter. Bisher hat sie mit ihnen gelebt, aber von nun an wird sie mit ihrem Mann und seinen Eltern wohnen. Von dem Zeitpunkt an, wenn ihr Mann sie aus dem Elternhaus trägt und die Freunde des Mannes samt einer Kapelle sie ins Haus der Schwiegereltern begleiten, ändert sich ihr bisheriges Leben. Nun ist nicht mehr ihre eigene Familie, sondern die Familie ihres Mannes für sie verantwortlich. Insoweit ist dieser Moment für die Braut und ihre Familie sehr einschneidend und traurig. Alle weinen – ganz besonders die Braut.
Standesgemäße Trauung
Bei dieser Hochzeit kannte sich das Paar zumindest schon eine zeitlang. Oft aber suchen die Eltern die Partner für die Kinder aus und arrangieren die Hochzeit. Dabei ist es meistens besonders wichtig, dass der zukünftige Partner der gleichen Kaste angehört. Ich frage mich, was diese Frauen wohl bei dem Gedanken fühlen, dass sie plötzlich mit einem ihnen fremden Mann und seiner Familie zusammenleben sollen. Scheidungen sind in Nepal nach wie vor sehr selten. Zwei Tagen nach der Trauung hat die Familie des Bräutigams noch einmal ein großes Fest veranstaltet. Und es war schön, die Braut dann dort wieder lächeln zu sehen.

