von Katharina Nordhorn
Gestern Abend sind wir von unserer Reise in das Projektgebiet zurückgekommen. Eine Woche waren wir insgesamt unterwegs. Zwei Mitarbeiter von Shanti Griha und ich sind in die Region Chitwan gefahren, um dort ein Projekt von Shanti Griha und CARE Deutschland-Luxemburg zur integrativen Dorfentwicklung zu besuchen.
In den Bergen von Chitwan
Chitwan liegt etwa 180 km westlich von der Hauptstadt Kathmandu und ist sehr ländlich geprägt. Es gibt dort unzählige Hügel und kleine Berge, undurchdringliche Wälder, terrassenförmig angelegte Getreidefelder, Sumpfgebiete und Flüsse. Hin und wieder trifft man auf Siedlungen, die nur aus ein paar Häusern bestehen. Die Häuser sind aus Lehm oder Holz gebaut und sehr einfach. Elektrizität gibt es in den meisten Dörfern nicht. Sie sind meist sehr abgelegen und nur über Trampelpfade zu erreichen. Die Menschen, die in diesen Dörfern wohnen, stammen aus niedrigen, sehr armen Kasten. Sie leben fast ausschließlich von den geringen Erträgen ihrer Felder. In der Trockenzeit ist der Boden völlig ausgedörrt. Wasser für die Bewässerung der Felder muss aus weit entfernten Quellen oder Flüssen geholt werden. Daher suchen viele Männer Arbeit als Tagelöhner, um ihre Familien zu ernähren. Manche machen sich sogar auf den langen Weg nach Indien. In den Dörfern bleiben die Frauen und Kinder zurück. Seit einiger Zeit arbeiten CARE Deutschland-Luxemburg und die lokale Partnerorganisation Shanti Griha gemeinsam mit den Dorfbewohnern daran, ihre Lebenssituation zu verbessern. Dazu gehört vor allem die Versorgung mit sauberem Wasser. Der direkte Zugang zu sauberem Trinkwasser hat das Leben der Dorfbewohner stark verändert.
Ein neuer Wassertank für Sirkot


Zwei Tage sind ein Mitarbeiter von Shanti Griha und ich von Dorf zu Dorf gewandert, um uns über den Verlauf der Projektarbeit zu erkundigen. Nahe dem Dorf Sirkot sehen wir eine Gruppe von Frauen und Männern. Sie heben mit Schaufeln und Spitzhacken eine Grube aus. Dort soll der neue Wassertank für das Dorf aufgebaut werden. Der alte Wassertank, den vor Jahren die nepalesische Regierung finanziert hatte, ist gebrochen. Außerdem ist er mittlerweile zu klein für das ganze Dorf geworden. Am Abend erreichen wir ziemlich erschöpft das Dorf Kirantar. Auch diese Siedlung hat nun seit drei Monaten Zugang zu Trinkwasser. Bislang benötigten die Einwohner mehr als 1 ½ Stunden, um Wasser zum Kochen, Waschen oder zum Bewässern der Felder aus dem Fluss zu holen. Besonders der Rückweg vom Fluss ins Dorf war immer besonders beschwerlich. Die Frauen mussten den steilen Bergweg mit den schweren, gefüllten Wasserkrügen hinaufsteigen. Jetzt sind es nur wenige Meter vom Haus bis zum nächsten Wasserkran. Die Frauen haben nun mehr Zeit für den Haushalt und die Feldarbeit. In ein paar Wochen wird auch das neue Bewässerungssystem fertig sein. Dann können die Einwohner von Chitwan ihre Felder auch in der Trockenzeit bestellen und einen Teil der Ernte verkaufen.
Salat zum Abendessen

Derzeit werden Kanäle für die Bewässerung der Felder und Gemüsegärten angelegt. Auch wir profitieren davon, als uns Frau Gopi Maya Tamang Salat fürs Abendessen zubereitet. Sie erzählt, dass sich die Gesundheitssituation im Dorf sehr verbessert hat, da nun niemand mehr das unsaubere Flusswasser trinken muss. Außerdem steht nun auf der Speisekarte der Dorfbewohner auch mehr Obst und Gemüse. Stolz zeigt sie uns am nächsten Tag noch ihren Hausgarten, bevor wir uns auf den Weg ins nächste Dorf machen. Sie freut sich, dass ihre Enkelkinder nun an einem Ort aufwachsen können, wo es Wasser gibt. „Denn Wasser ist Leben!”, sagt Frau Gopi Maya Tamang und lacht.