Time to take CARE
Von Chandara Tith
Eines Tages bin ich nach Feierabend noch ein wenig durch die Straßen Bonns spaziert, als ich ganz in der Nähe vom Hauptbahnhof auf einmal auffallend viel Orange sah – junge Menschen trugen T-Shirts mit der typischen CARE-Farbe und dem Händekreis als Logo.

Das junge Team hat eine sehr freundliche Art mit den Menschen zu sprechen. Als ich sie sah, erinnerte ich mich an meine eigenen Erfahrungen in Kambodscha. (Foto:Chandara Tith)
Auch ihr Informationsstand war mit CARE-Bannern behängt und voller Infomaterialien. Das Team spricht die Leute in der Fußgängerzone an und zeigt ihnen Bilder und kleine Boxen, die dem CARE-Paket ähneln. Ich wundere mich, was sie wohl machen. Sicher eine Art von sozialer Arbeit.
Auf einmal kam eine lächelnde Frau schnell und energisch auf mich zu und sagte etwas auf Deutsch, was übersetzt wohl heißt: „Hallo! Kennst du CARE?“ Dann redete sie weiter. Doch ich verstand sie natürlich nicht, aber sie bat mich wohl, CARE zu unterstützen und erklärte mir, worin CAREs Arbeit besteht. Sie hieß Nino, ist 20 und studierte Politikwissenschaften in Georgien. Schließlich sagte ich ihr, dass ich kein Deutsch spreche, aber wir uns gerne auf Englisch unterhalten können. Ich erzählte ihr auch, dass ich ebenfalls für CARE arbeite, als Praktikant. Nino hingegen arbeitet eigentlich für Dialog Direkt. Das ist eine Fundraising-Agentur für Nichtregierungsorganisationen (NRO). Sie nannte ihre Arbeit hier „Sommerpraktikum“.
Zeit Kontakt zu knüpfen
Die „CARE-Spendenwerber“ hier sind größtenteils Studenten, die sich in ihren Ferien ein wenig Geld dazu verdienen. Als ich sie besuchte, waren es fünf, die Spender für CARE Deutschland-Luxemburg werben. „Eigentlich sind wir mehr. Doch heute arbeiten nur fünf“, erzählte mir Nino.
Die meisten Studenten in Europa lassen ihre Ferien nicht einfach so verstreichen. Sie arbeiten oder machen zumindest ein Praktikum. Ich bin stolz darauf, dass ich meine Ferien immer mit Freiwilligenarbeit oder ein Praktika verbringe. Wir in Kambodscha nutzen die Zeit, um so viele Kontakte wie möglich zu knüpfen. Stellt euch vor, umso mehr Leute ihr kennt, umso mehr Möglichkeiten habt ihr später.
„Ich studiere in Berlin. Während der Semesterferien arbeite ich für CARE und andere Organisationen“, so Mike, der Teamleiter. Der 20jährige und seine Kollegen am Stand lächeln unentwegt. Sie steuern direkt auf Leute zu und machen ihnen ein Vorbeikommen schwer.

Mike erklärt den Fußgängern in der Bonner Innenstadt, was CARE als Hilfsorganisation macht und bittet sie, CAREs Projekte finanziell zu unterstützen. (Foto: Chandara Tith)
Auch wenn ihnen die Menschen auf der Straße nicht immer sehr freundlich gesinnt sind und sie abweisen, die jungen Studenten sagen Danke. Doch das ist nicht immer einfach. So habe ich zum Beispiel einen Mann gesehen, der verärgert rief, „Es ist mir egal! Ich weiß, euch ist es das nicht, aber mir ist’s egal.“ Es muss für das Mädchen ziemlich frustrierend und vielleicht auch verletzend sein, wenn ihr die Leute in solch einem Ton begegnen.
Zwei Vorteile: Spender werben und einen Wiedererkennungseffekt schaffen
Die Referentin für Fundraising, also Mittelbeschaffung, Judith Albert, vom CARE-Büro in Bonn erklärte mir, dass CARE jedes Jahr solch eine Straßenkampagne startet, meistens für zehn bis zwölf Wochen im Sommer. „Die Spender kommen schließlich selten von allein. Wir brauchen so eine Kampagne, um die Menschen auf CARE aufmerksam zu machen und zum Spenden anzuregen. CARE braucht schließlich Geld für die Projekte.“ Judith nennt diese Straßenaktion ganz professionell „Street Canvassing.”
Die Kampagne wird in vielen Städten im ganzen Land stattfinden. Am 19. Juli 2010 begann sie in Bonn und Aachen. Danach zieht sie weiter, von Hamburg bis nach München.
Der Vorteil am Street Canvassing ist also nicht nur, dass Spender geworben werden, sondern auch, dass CARE als Hilfsorganisation sich in den Köpfe der Menschen einprägt. Ich persönlich habe gemerkt, dass die Kampagne bei mir auch etwas bewirkt hat. Immer wenn ich durch diese Fußgängerzone laufe, erinnere ich mich an die jungen Leute in den orangefarbenen T-Shirts.
Ins Gedächtnis gerufen
Als ich CAREs Werbung auf den Straßen Bonns gesehen habe, musste ich mich an ein Ereignis aus meiner frühen Studentenzeit erinnern. Damals stand ich auf einer Bühne vor einem Supermarkt. Zu dieser Zeit war gerade Umweltwoche und wir stellten aus alten Materialen, also Abfall, neue Dinge her und verkauften sie. Das eingenommene Geld ging an Umweltprojekte für eine lokale Organisation. Ich versuchte die Leute mit Songs davon zu überzeugen, uns zu unterstützen.
Ich merke, dass der Arbeitsmarkt sehr komplex ist. Studenten sind aufgefordert nach Arbeitsmöglichkeiten zu suchen. Dafür ist es wichtig, dass wir Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln. Kambodscha und Deutschland liegen zwar weit von einander entfernt, aber ich hoffe, dass mein Auslandspraktikum bei einer internationalen Organisation wie CARE mir bei zukünftigen Bewerbungen für einen Job oder ein Stipendium helfen wird.
Bisher habe ich bereits viel von meinem Praktikum bei CARE mitgenommen. Ich erlebe hier, welche Aufgaben die Pressestelle einer humanitären Hilfsorganisation zu erledigen hat und wie die Organisation abläuft.
Wenn ihr einmal Zeit habt, solltet ihr darüber nachdenken, wie ihr selbst aktiv werden könntet. Wenn sich euch einmal die Möglichkeit bietet, solltet ihr auch darüber nachdenken, wie man Menschen helfen kann, die weniger oder sogar überhaupt keine Zukunftschancen haben. Das ist eine gute Tat für die Gemeinschaft und eine gute Tat für euch selbst.
Habt ihr schon einmal überlegt, dass es euch glücklich machen könnte, anderen Menschen zu helfen?
Tags: Fundraising, Kambodscha, Kambodschanisches Tagebuch, Street Canvassing

