Tschad: Eine Bordkarte nach… ähm.

Buntes Treiben auf einem der Märkte in N'Djamena, der Hauptstadt des Tschads. (Foto: CARE/Sabine Wilke)

Buntes Treiben auf einem der Märkte in N’Djamena, der Hauptstadt des Tschads. (Foto: CARE/Sabine Wilke)

„Du fährst wohin?“ Ratlosigkeit in dem Gesicht meines Gegenübers, dem ich von meiner bevorstehenden Dienstreise erzähle. „In den Tschad“, antworte ich. „Mh.“ Schweigen. Dann: „Und was ist da los?“

Gute Frage. Was ist hier eigentlich los?

Aber von Anfang an: Der Tschad befindet sich in Zentralafrika und ist ungefähr dreieinhalbmal so groß wie Deutschland. Im Norden ist er Teil der Sahara, der großen Wüste, die sich quer über den Kontinent zieht. Der Süden des Landes ist in Äquatornähe und damit tropisch, grün, feucht und heiß. Die Hauptstadt des Tschads heißt N’Djamena. Das konnte der Mann beim Einchecken am Kölner Flughafen nicht aussprechen, deshalb gab er mir das Ticket mit den Worten „Und hier Ihre Bordkarte von Istanbul nach ähm…“.

Ähm. Warum wissen wir so wenig über den Tschad? Wenn man ehrlich ist, verwundert es nicht. Es gibt 54 Länder auf unserem Nachbarkontinent, einige davon bekannt als Touristenziele, wie Kenia, Tansania oder Namibia. Andere haben traurige Bekanntheit durch immer wiederkehrende Krisen und Gewalt, zum Beispiel die Demokratische Republik Kongo, der Sudan oder neuerdings Nigeria. Aus dem Tschad hört man kaum Nachrichten. Doch ein Blick auf die Landkarte macht klar, dass dieses Land eine Insel der Nicht-Nachrichten ist, umgeben von unterschiedlichsten Krisenherden. Im Osten die sudanesische Provinz Darfur. Im Norden Libyen, das seit einigen Monaten in politisches Chaos gestürzt ist. Im Westen grenzt der Tschad an den Niger, auch hier herrschen – besonders im Norden – Aufstände, Gewalt und Drogenhandel. Dann grenzt der Tschad auch noch an Nigeria, in dessen Norden sich bewaffnete Milizen ausbreiten und ganze Städte einnehmen. Südwestlich auch die Grenze zu Kamerun. Und im Süden schließlich grenzt der Tschad an die Zentralafrikanische Republik, kurz CAR genannt, nach ihrer englischen Bezeichnung Central African Republic. Moment, da war doch was, oder? Genau. Seit Anfang 2013 die Regierung gestürzt wurde, herrscht in dem Land Chaos und Gewalt. Hunderttausende flohen, allein 236.000 Menschen nach Kamerun, knapp 95.000 in den Süden des Tschads.

Wo Menschen hin fliehen, da müssen sie mit dem Lebenswichtigsten versorgt werden. Deshalb leistet CARE im Süden des Tschads Nothilfe, liefert Wasser, baut Latrinen und betreut Kinder, die alleine geflohen sind. Unser humanitäres Mandat verpflichtet uns, überall dort zu helfen, wo Not ist. Auch und gerade, wenn sie keine Schlagzeilen macht. Ich werde knapp zwei Wochen im Tschad sein und unsere Arbeit für zentralafrikanische Flüchtlinge und die umliegenden Gemeinden kennenlernen. Ich möchte zuhören und lernen und die Geschichten der Menschen zurück nach Deutschland bringen. Denn sie verdienen Gehör. Selbst, wenn viele Menschen die Hauptstadt des Landes, in dem sie Zuflucht suchen, vielleicht nicht aussprechen können.

Übrigens leitet sich N’Djamena aus dem Arabischen ab und bedeutet so viel wie „hier haben wir geruht“. Eigentlich ein sehr poetischer Name. Viel Ruhe werden wir in den nächsten Tagen sicher nicht haben, unterwegs in kleinen Propellermaschinen, auf staubigen Pisten, weit hinunter in den Süden des Landes. Ich bin gespannt auf die Begegnungen und freue mich darauf, das Team von CARE in Gore und Maro kennenzulernen.

CARE leistet Nothilfe für zentralafrikanische Flüchtlinge im Tschad. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Online-Spende!

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