Tschad – Krise in einem vergessenen Land

CARE-Nothilfedirektorin Barbara Jackson besucht ein Dorf in der Region Biltine im Tschad. Der Nordosten des Landes ist am schwersten von der Dürre betroffen. (Foto: CARE)

„Tschad ist eine Insel des Friedens und der Stabilität“. Diesen Ausspruch hörten wir immer wieder, vom Wirtschaftsminister, vom Minister für Landwirtschaft, den Repräsentanten der UN-Partner und Führern der Gemeinden. Unsere Reise führte mich mit einigen CARE-Kollegen den Tschad, um uns über die Auswirkungen der andauernden Dürre und Nahrungsmittelknappheit zu informieren. Es erscheint fast etwas befremdlich, den Tschad als „Insel der Stabilität“

zu bezeichnen, wenn man an seine nicht allzu lang zurückliegende kriegerische Geschichte und die weiterhin bestehende Unsicherheit denkt. Aber in dem Meer der Instabilität, in dem die Nachbarländer Libyen, Nigeria, Mali, Sudan und die Zentralafrikanischen Republik schwimmen, kann man den Tschad tatsächlich als Insel bezeichnen. Er ist jedoch eine Insel, die in vielerlei Hinsicht vergessen wurde. In der aktuellen Hungerkrise ist der Tschad dasjenige Land, das die wenigsten Hilfsgelder bekommt, obwohl die Regierung bereits im Dezember 2011 den Notstand ausrief.

Ernährungshilfen nur kurzfristig eine gute Lösung

Von der weitläufigen, staubigen Hauptstadt N’Djamena bis hin zur Region Biltine im Nordosten des Landes, wo die Dürre am heftigsten auftritt, erlebten wir die Auswirkungen von vielen Jahren der Vernachlässigung. Weniger als drei Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser, die Verbreitungsrate von Verhütungsmitteln beträgt zwei Prozent und die Müttersterblichkeit ist eine der höchsten der Welt. Die Bemühungen von CARE Tschad, die Ärmsten mit Nahrung zu versorgen, Brunnen zu reparieren und Saatgut zu verteilen, sind dringend nötig und werden sehr geschätzt. Viele Familien haben in der Verzweiflung das Saatgut im letzten Jahr gegessen, anstatt es einzupflanzen. Regierungsbehörden und die Gemeinden sind sich aber einig: Diese Hilfen sind nur eine kurzfristige Lösung. Die tiefer liegenden Ursachen für den chronischen und sich stetig verschlimmernden Kreislauf aus Dürre und Notständen werden so nicht vollständig beseitigt.

Eine junge Frau zeigt Datteln, die in der Krise als Grundnahrungsmittel dienen. (Foto: CARE/Barbara Jackson)

Ein Dorf erzählt

Wir sitzen mit den Dorfältesten einer kleinen Gemeinde ca. 30 Autominuten von Biltine entfernt zusammen und sprechen mit den traditionellen männlichen Führern des Dorfes. Sie erzählen uns, dass die Wüste sich immer weiter ausdehnt und Regenfälle seltener werden. Hinter uns sitzt eine Gruppe von Frauen und Kindern, die geduldig warten, bis wir uns ihnen zuwenden. Eine junge Frau, die ihr Gesicht mit einem traditionellen hijab (Schleier) bedeckt hält, drückt wortgewandt ihre Dankbarkeit darüber aus, von uns nach ihrer Meinung gefragt zu werden. „Die Nahrung hat uns sehr geholfen, gerade als wir nichts hatten. Aber wir müssen die Rationen mit vielen teilen, einschließlich der Alten, die nicht zum Verteilungsplatz laufen können und deswegen auch nicht gezählt werden.“ Zweifellos haben wir noch viel Arbeit vor uns, bis wir sicher sein können, dass sich diese Gemeinde und die vielen anderen, die in diesem weiten Land verstreut liegen, in den nächsten Jahren nicht in der gleichen Lage befinden.

Der Tschad mag ein „vergessenes“ Land sein, es strotzt aber auch vor Möglichkeiten. Wir sollten alle gemeinsam daran arbeiten, dass Gemeinden und die Regierung die Widerstandsfähigkeit und Anpassung an die klimatischen und wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit voranbringen. Das Engagement von CARE kann hier nicht kurzfristig sein. Denn der Tschad wurde schon zu lange vergessen.

CARE leistet Nothilfe für zentralafrikanische Flüchtlinge im Tschad. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Online-Spende!

 

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