Über den Sexappeal von Toiletten

Ich habe schon häufiger darüber berichtet, wie komplex humanitäre Hilfe in einem Land wie Haiti ist und unter welchen Bedingungen Hilfsorganisationen bemüht sind, gute und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Aktivitäten, die kurz nach dem Erdbeben lebenswichtig und sinnvoll waren, können einige Monate später schon überholt sein oder das Gegenteil bewirken.

Die Zahl der Ansteckungen und Todesfälle blieb in den Camps, die von Organisationen mit Wasser, Latrinen und Hygieneworkshops bedient wurden, deutlich niedriger als in anderen Gebieten des Landes. (Foto: CARE/Wilke)

Wie zum Beispiel die Ausgabe von Nahrungsmitteln, die ganze Gemeinden abhängig macht, wenn sie nicht abgelöst wird von Saatgutausgabe, dem Training von Anbaumethoden und schließlich der Förderung von Verkaufskooperativen. Nach dem Inhalt und Aufbau eines Projektes kommt dann die Herausforderung, es angemessen zu kommunizieren. Denn nach wie vor – und mit gutem Recht! – wollen institutionelle Geldgeber wie die EU oder nationale Regierungen, private Stiftungen und natürlich die unzähligen privaten Spender wissen, wie es vor Ort aussieht – und vorangeht.

Viele Dinge, die vor Ort getan werden, sind nicht auf den ersten Blick fototauglich, einiges lässt sich nicht in einer Bildunterschrift erklären, sondern braucht einen längeren Artikel. Ein Kinderheim oder eine Schule, das lässt sich leicht kommunizieren. Kinder lachen gerne in die Kamera, Schulen ähneln sich überall auf der Welt, Bildung ist Zukunft, das weiß jeder. Aber was ist mit den unappetitlicheren Themen? Wie spricht man etwa über Toiletten?

In Zeiten der Cholera ist Hygiene lebenswichtig

WASH, diese schöne Abkürzung steht für den Sektor „Water, Sanitation and Hygiene“. Das WASH-Team von CARE kümmert sich um die Wasserversorgung in Camps, baut Latrinen und informiert die Bevölkerung über Hygiene-Praktiken. Alles lebenswichtige Dinge, die gerade in Zeiten der Cholera einen großen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen haben. Es ist ein Rennen gegen die Zeit und gegen eingefahrene Verhaltensweisen.

Viele Menschen hatten bereits vor dem Erdbeben keine Toilette, und in den engen Camps in und um Port-au-Prince sind die hygienischen Zustände sehr schlecht. Es fehlt an Raum, um ausreichend Toiletten zu bauen. Deshalb müssen die Campbewohner sich gut organisieren, um die Latrinen sauber zu halten. CARE rüstet dafür Männer und Frauen mit Reinigungsmitteln und Besen aus und zahlt ihnen ein Gehalt dafür, die sanitären Einrichtungen sauber zu halten.

Nach den ersten Fällen von Cholera im Erdbebengebiet waren alle Organisationen sehr beunruhigt. Aber das H in WASH, die Hygieneförderung, zeigte ihre Wirkung: Die Zahl der Ansteckungen und Todesfälle blieb in den Camps, die von Organisationen mit Wasser, Latrinen und Hygieneworkshops bedient wurden, deutlich niedriger als in anderen Gebieten des Landes. Ein Erfolg, der nicht ganz einfach in einem Foto darzustellen ist.

Das WASH-Team von CARE kümmert sich um die Wasserversorgung in Camps, baut Latrinen und informiert die Bevölkerung über Hygiene-Praktiken. (Foto: CARE/Wilke)

Ein Kollege schickte mir neulich stolz ein Foto vom Bau einer Latrine für eine Schule. Er wollte es für einen Bericht an die Stiftung schicken, die das Projekt finanziert. Ein solches Bild wäre sicher nicht die erste Wahl für eine Webseite oder einen Jahresbericht. Aber für das CARE-Team vor Ort bedeutet der Bau dieser Latrine einen großen Erfolg: Technisch war es eine Herausforderung, das vom Erdbeben zerstörte Toilettengebäude wieder aufzurichten, dazu installierten die Ingenieure auch Handwasch-Stationen für die Kinder.

Allerdings waren die gerade in den Osterferien, und daher wirkte das Toilettenfoto allein kaum bemerkenswert. Vor allem für unsere westlichen Augen, die automatische Spülungen, Toilettenschüsseln aus Porzellan und eine Halterung für das Toilettenpapier gewohnt sind. Aber für die Schule ist diese Latrine (mit getrennten Kabinen für Mädchen und Jungen) ein wirklicher Segen. Und damit alles andere als unappetitlich.

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