Und wieder Dadaab
Von Thomas Schwarz
Zur Zeit kommen Woche für Woche um die 5.000 Flüchtlinge in Dadaab an.
Wo liegt Deutschland? Sehr weit weg vom Flüchtlingslager Dadaab, soviel ist klar (Foto: CARE/Schwarz)Die überwiegend Zahl aus Somalia. Und wenn dort wieder besonders hat gekämpft wird oder es Anschläge gibt, dann wissen die CARE-Kollegen in Dadaab: Bald werden wieder mehr kommen. Hinter diesen nackten Zahlen verbergen sich einzelne Schicksale. Bei meinem Besuch dieses Mal war ich dort, wo die Neuankömmlinge registriert werden. Es sind viele Kinder darunter, einer von ihnen ist Abdullah. Ein anderer Moses, und den Namen einer seiner Schwestern habe ich vergessen. Sie war bildschön, strahlte mich an und sprach mit mir.
Ohne richtige Worte
Ich kann kein Somali, und sie spricht kein Deutsch. Trotzdem haben wir irgendwie eine „Sprache“ gefunden. Sie zeigte mit ihren Fingern auf den Kopf eines Jungen, der in der Reihe saß und mit seinem Großvater auf die Registrierung wartete. „Da, schau hin“, wollte sie sicher sagen. Und dann machte sie eine Bewegung hin zu ihrem Kopf. Mit der ganzen Hand fuhr sie über ihr Kopftuch, als wollte sie sich die Kopfhaut massieren, ohne den Kopf indes zu berühren. Der Junge, das sah ich dann, hatte zwei ungleiche Schädelhälften. Zusammen gewachsen zwar, aber anders. Er lächelte wie ein Kind mit Down-Syndrom, sehr freundlich und sah mir direkt in die Augen. Was Kinder mit dieser Krankheit oft nicht tun. Ich spielte mit ihm und krabbelte mit zwei Fingern an seinem Arm hoch, als ob dort eine Ameise ihr Unwesen treiben würde. Auch wir hatten jetzt eine „Sprache“. Ich war so mit dem Kind beschäftigt, dass die anderen Besucher, mit denen ich gemeinsam nach Dadaab gekommen war, mich regelrecht loseisen mussten.
Irgendwo in Europa und die Gleichberechtigung
Wir besuchten eine Schule, die dringend der Renovierung bedarf. Jungs und Mädchen saßen dort im Klassenraum. Lesend, zuhörend oder schreibend. Ich stellte mich kurz vor und fragte, ob sie Deutschland kennten. Ja, einer hatte einmal etwas davon gehört, aber so genau wusste er nichts zu sagen. „Und es liegt irgendwo in Europa…“, das war sein bescheidener Versuch, von seinem Wissen Gebrauch zu machen. Großartig“, sagte ich. „Ich bin begeistert. Ich glaube nicht, dass viele Menschen in Europa auch nur fünf afrikanische Länder nennen können, geschweige denn, wo sie liegen.“ Als wir unseren Besuch beendet hatten und die Schüler frei hatten, kam ein Junge auf mich zu. „Darf ich Sie bitte etwas fragen? Es geht um Jungs und Mädchen.“ „Klar, alles, was Du willst.“
Der Junge wollte wissen, warum Mädchen ständig in den Vordergrund gestellt würden. Gute Frage, dachte ich. Noch bevor ich antworten konnte, schoss er nach: „Haben wir nicht die gleichen Rechte? Sind Jungs weniger wert?“ Es stimmt, dass wir das tun, die humanitären Organisationen – besonders in Ländern, in denen Mädchen und Frauen weniger Rechte als dem männlichen Geschlecht zugestanden werden. Ich erklärte ihm das. Oft müsse man eben dafür kämpfen, dass es keine Ungerechtigkeiten gebe, und dass beide die gleichen Chancen bekämen. „Aber natürlich haben Männer und Jungs die selben Rechte wie Frauen und Mädchen“, versicherte ich ihm. Dann mussten wir weiter. Ich hätte gern noch länger mit ihm und den anderen – Jungs und Mädchen – gesprochen.
Das Wasserprojekt
Es geht voran! Die Europäische Kommission hat CARE Deutschland-Luxemburg dafür für dieses Jahr alleine 1,9 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ich habe darüber schon geschrieben. Wer sich dafür interessiert, findet hier ein Video dazu.

