English Version

Unverwechselbares Berlin

Von Channy Chheng

Seit meiner Ankunft in Deutschland konnte ich es kaum erwarten, nach Berlin zu reisen.

Eine Besucherin im Pergamon Museum (Foto: Channy Chheng)

Ich komme aus Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha, mit einer Bevölkerungsanzahl von über einer Million Menschen.

Ich habe mich immer gefragt, welche Unterschiede zwischen den Städten in Europa und Asien bestehen. Die Reise nach Berlin ist eine tolle Gelegenheit für mich, eine Antwort auf diese Frage zu bekommen.

Ich war eine Woche in Berlin, und dabei nur selten im CARE-Büro. Denn es gab so viel zu besichtigen und zu erleben: Zum Beispiel historische Plätze, Denkmäler und Museen. Berlin ist schließlich riesig. Ich bin abends gerne durch das Stadtzentrum gelaufen. Vor allem die Schaufensterbummel entlang der großen Kaufhäuser haben es mir angetan. Solche Kaufhäuser habe ich in Kambodscha noch nie gesehen. In Berlin gibt es so viele Dinge zu sehen und zu tun, so dass ich immer als erstes, nachdem ich abends nach Hause gekommen bin, meinen Computer angeschaltet habe um den nächsten Tag planen. In Berlin habe ich bei einem Deutschen gewohnt, mit dem ich oft über Wirtschaft, Politik, aber auch Alltägliches diskutierte. Auf diese Weise konnte ich viel über das deutsche Leben erfahren.

Entspannung nach einer sechsstündigen Zugfahrt

Nach meiner Ankunft in Berlin bin ich gleich mit einem Kollegen etwas trinken gegangen. Nach der sechsstündigen Zugfahrt war ich ein bisschen müde, schließlich bin ich so lange Fahrten nicht gewöhnt. Wir saßen in der Nähe des Flusses und es war etwas kalt. Aber der beeindruckende Anblick der alten Gebäude, das Stimmengemurmel der Menschen aus unterschiedlichen Ländern und die vorbeifahrenden, bunt dekorierten Touristenschiffe ließen mich die Kälte und die Erschöpfung vergessen. „Dort drüben ist der Platz, an dem du mit deiner Besichtigungstour beginnen solltest“, sagte mein Kollege, während er mit dem Finger auf ein riesiges Gebäude zeigte. Später habe ich herausgefunden, dass er das Pergamon Museum meinte. Und außerdem gäbe es noch viele andere Plätze, die man nicht verpassen sollte.

In eine andere Zeit zurück versetzt

Es war Sonntag, mein zweiter Tag in Berlin. Ich sah viele Touristengruppen in der Stadt: Die älteren Besucher lauschten interessiert ihrem Stadtführer, die jüngeren machten Fotos. Während ich die Straße Richtung Museumsinsel entlang lief, fuhren alle paar Minuten Doppeldeckerbusse voller Touristen an mir vorbei. In meiner Heimat dagegen gibt es für Touristen Tuk Tuks oder Motortaxis. Vor dem Pergamon Museum standen Hunderte von Leuten, mein Freund und ich mussten fast eine Stunde lang im Regen warten. „Das ist unglaublich, so was habe ich bisher nur in Büchern gesehen“, erzählte ich ihm, als ich die vielen hellenistischen Skulpturen im Museum sah. Die Architektur des Gebäudes war im römischen Stil gehalten und als ich durch die Hallen ging, hat es sich so angefühlt, als wäre ich in eine frühere Zeit zurückversetzt worden. Mir hat das Pergamonmuseum sehr gefallen, es war eines der besten Museen, die ich je gesehen habe.

Zwei Länder mit ähnlicher Geschichte

Kambodscha ist ein Land, das einen Genozid erfahren hat, genau wie Deutschland zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Vor ein paar Monaten habe ich in Kambodscha eine Gedenkstätte in Beung Choeung Ek besichtigt, 17 Kilometer südlich von Phnom Penh. Dieser Ort ist besser bekannt als „The Killing Fields“. Der Anblick tausender menschlicher Schädel, die auf einer großen Stupa – das ist eine Gedenkstätte für die Toten –aufgebahrt lagen, haben mich sehr betroffen. Diese Schädel gehörten Menschen, die im Laufe der Herrschaft der Khmer Rouge getötet wurden. Laut DC Cam, einem unabhängigen Aufarbeitungs- und Forschungsinstitut in Kambodscha, sind mehr als 1,7 Millionen Menschen während des Khmer Rouge Regimes ums Leben gekommen.

Das Holocaust-Mahnmal ist sehr ungewöhnlich (Foto: Channy Chheng)

Das Holocaust Mahnmal habe ich in Berlin zweimal besichtigt. Ich habe dabei versucht, den Sinn hinter dieser Architektur zu erfassen. Aber ich kam nicht dahinter, denn die Bauweise ist sehr abstrakt. Diese vielen Säulen im Mahnmal haben mir nichts gesagt. Haben diese Säulen eine symbolische Bedeutung für die Deutschen?

Ganz nah an den Politikern

Das Regierungsviertel hat mir auch sehr gut gefallen. Ich habe fast einen ganzen Abend damit verbracht, diese Gebäude zu besichtigen. Im Bundestag ist dann auch mein Wunsch in Erfüllung gegangen, die deutsche Hauptstadt mal „von oben“ zusehen. Nachdem ich mich wieder in eine Schlange von Besuchern einreihte, erkletterte ich schließlich die Spitze des Gebäudes. Von dort aus hatte ich einen wundervollen Panoramablick über die deutsche Hauptstadt. In Kambodscha haben wir auch ein Parlamentsgebäude, es wurde gerade erst gebaut. Doch leider kann man dieses nur von außen besichtigen, für die Öffentlichkeit sind die Tore geschlossen.

Die Woche in Berlin ist sehr schnell vergangen. Am liebsten hätte ich dort noch ein paar weitere Tage verbracht. Ich habe so viele Dinge erlebt und gesehen und nette Menschen kennen gelernt. Aber trotzdem habe ich immer noch das Gefühl, so viel sehen zu wollen. Es gibt zum Beispiel Unmengen von asiatischen Restaurants, die ich noch ausprobieren möchte.

Tags: , , ,

1 Kommentar to “Unverwechselbares Berlin”

  1. Ada Diekmann Says:

    Gerade habe ich dieses Blog entdeckt und werde ihm eine gute Zeit widmen und mir Interesse Ihre Erfahrungen in Deutschland lesen.
    Ich bin den umgekehrten Weg gegangen und lebe in Phnom Penh.

    Herzliche Grüße
    Ada

Kommentar schreiben