Uwe und Co. zu Gast bei Freunden

Groß steht es an einer Wand am Flughafen von Johannesburg: „Will you be here when the World comes to South Africa?“ – und ich kann die spekulative Frage überzeugt mit „Ja“ beantworten. Allerdings nicht zu den Spielen in den großartigen Stadien, die sie hier erbaut haben und in denen die Großen des Fußballs in den kommenden Tagen aufspielen werden.

Fußball-Fieber in Südafrika (Foto: CARE/Bräutigam)

Mein Stadion ist in den nächsten Tagen ein staubiger Fußballplatz im Township Soshanguve bei Pretoria, aber die Begeisterung der Spieler und Zuschauer dort wird genauso groß sein, wie in den Arenen, in denen die Weltmeisterschaft des Fußballs ausgetragen wird. Was mich dabei gleich zu Anfang fasziniert, ist die Herzlichkeit, mit der hier die Gäste aus aller Welt empfangen werden. Es sind ja keine leichten Besucher, die da kommen, die allermeisten haben noch nie einen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt. Und das Vorurteil, dass es in Afrika gefährlich zugehe, ist ja überall virulent. Beeindruckend deshalb die Gelassenheit, wie die Fußballverrückten aus aller Welt hier empfangen und an ihre Zielorte verteilt werden.

Nach Soshanguve reise ich mit einer besonderen Spezies deutscher Fußballgrößen: allen voran Uwe Seeler, „uns Uwe“, wie er seit seiner großen Zeit beim HSV und als ehemaliger Kapitän und heutiger Ehrenspielführer der Nationalelf genannt wird. Mit dabei sind auch Dr. Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußballliga (DFL) und Präsident von Borussia Dortmund, Peter Peters, Vizepräsident der DFL und Geschäftsführer von Schalke 04, sowie Kurt Gaugler, Geschäftsführer der Bundesliga-Stiftung. All diese Größen des deutschen Fußballs werden aber gleich bei der Begrüßung durch gut 600 Kinder und Jugendliche überstrahlt vom Auftritt der deutschen Olympiasiegerin im Fechten von 2008 in Peking, Britta Heidemann. Britta hält erst eine kurze Rede, in der sie die Kids ermuntert, zu ihren Zielen zu stehen, dann wird sie umringt von begeisterten Jugendlichen, sitzt am Boden, schüttelt Hände, umarmt junge Sportlerinnen und Sportler.

Derweil stapfen die älteren Herren über den Platz und informieren sich über das Projekt „Kick it“, das CARE koordiniert und das von der Bundesliga-Stiftung finanziert wird. Um keinen Zweifel an der immerwährenden Kompetenz der deutschen Fußballgrößen aufkommen zu lassen, kommt es zu einem Elfmeterschießen, bei dem Dr. Rauball gleich den ersten Schuss so versenkt, dass den Keeper der Mut verlässt. Da aber die anderen nicht halb so gut schießen, sind die Lacher am Schluss bei den Südafrikanern.
Die Stunden in Soshanguve verlaufen exzellent, die Bundesliga-Stiftung kündigt an, das Projekt ein weiteres Jahr finanzieren zu wollen. Damit erhalten noch mehr Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, neben den sportlichen Aktivitäten an den HIV/Aids-Aufklärungskampagnen teilnehmen zu können.

„Kick it – choose life“ ist ja das Motto und auf der Seite des Lebens stehen alle, die heute hier dabei sind. Uwe Seeler bringt das auf den Punkt, wenn er davon spricht, dass der organisierte Fußball eine Mitverantwortung für eine gerechte Gesellschaft trage. Genau deshalb sei ja die Bundesliga-Stiftung gegründet worden und in der Kooperation mit CARE habe man einen Partner, der die Verhältnisse in Afrika kenne, unterstreicht auch Kurt Gaugler.

Die Kinder und Jugendlichen finden das auch eine klasse Sache, sie sind gute Gastgeber und intonieren zur Überraschung aller den alten Schlachtruf „Uwe, Uwe, Uwe“. Eigentlich kann den guten Uwe Seeler so leicht nichts erschüttern, aber das rührt ihn schon. Dann geht es schon wieder in den Bus und zurück in die Welt des Hochleistungssports – aber allen ist klar, ohne den Fußball auf den staubigen Pisten hier im Hinterland sind die Profis auf dem gepflegten Rasen ganz, ganz einsam.

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