Im Norden viel Neues!

Die Sportmoderatorin und Journalistin Valeska Homburg ist momentan mit CARE  unterwegs auf den Straßen Sambias:

Herzlich willkommen! Valeska Homburg unterwegs in Sambia (Foto: CARE/Thomas Knoll)

Früh morgens starten wir unsere Reise gen Norden. Unser Ziel sind 30 Gemeinde-Schulen in der North-Eastern Province von Sambia. Der Plan ist, die Strecke in zwei Tagesetappen zu bewältigen. 600 Kilometer liegen heute vor uns. Marlon von der CARE-Partnerorganisation ROCS holt uns gut gelaunt ab, wir besorgen einen ordentlichen Wasser-Vorrat für die Reise und verlassen vorfreudig und sehr gespannt auf die bevorstehenden Eindrücke die Hauptstadt Lusaka.

Die Straße ist geteert. Einspurig. Marlon ist ein souveräner Fahrer und hat die Situation voll im Griff: Entgegenkommende Busse, Schildkröten, die umfahren werden wollen,  Affen, die in Scharen plötzlich auf der Straße sitzen, Ziegen und Kühe, die die Straße kreuzen – Marlon umkurvt sie alle und fährt dennoch beeindruckend zügig. Die Landschaft ist malerisch,alles extrem grün – denn die Regenzeit ist gerade zu Ende gegangen. Es ist viel hügeliger, als ich es mir vorgestellt hatte. Und an manchen Punkten bietet sich uns ein fast schon kitschiges Bild: Die Straße führt hinauf auf einen Hügel und am höchsten Punkt gucken wir runter auf eine endlos weite Ebene, die genauso aussieht, wie man Afrika in einem Bilderbuch darstellen würde. Es ist wunderschön.

Auto-Unterhaltungen sind Landeskunde

Im Auto ist viel Zeit, um zu reden: Marlon beantwortet bereitwillig alle Fragen und erzählt uns Geschichten: Über sein Land, über die Kultur und lustiger Weise auch über schwarze Magie. Ich frage ihn nach ein paar Brocken „Tumbuka“, das ist die Sprache, die die Kinder an den Schulen größtenteils sprechen.  Ein paar Begrüßungs-Floskeln können ja vielleicht ein schöner Eisbrecher sein.

Unser Tank ist voll – das ist auch besser so. Denn links und rechts der Straße gibt es über hunderte von Kilometern nichts – zumindest keine Tankstellen. Ab und zu fahren wir an ein paar kleinen Dörfern vorbei, die direkt an der Straße liegen. Das sind Lehmhütten mit Strohdächern. Kinder spielen an der Straße und auch die Kleinsten scheinen die Gefahren der vorbeifahrenden Autos und LKW exakt zu kennen. Alles passiert direkt an der Straße: Fahrräder werden repariert, Vieh wird von A nach B getrieben, Schulkinder gehen nach Hause, an kleinen Verkaufsständen werden Tomaten angeboten. Wir rauschen vorbei und saugen alle Eindrücke auf.

Drei Stifte, fünf Kinder. Was tun?

Wir kommen zum Luangwa-Fluss. Die Luangwa-Brücke ist die einzige Verbindung zwischen dem Süden Sambias und dem Norden des Landes und Malawi. Die Polizei regelt hier den Verkehr – es darf immer nur jeweils ein Fahrzeug die Brücke überqueren – Fotografieren ist hier nicht erlaubt. Als wir vor der Brücke kurz halten, um ein Foto zu machen, kommen Kinder auf uns zugelaufen, die in der einzigen Hütte weit und breit leben. Sie fragen mich nach Stiften. Ich krame in meiner Tasche drei Stück zusammen und lerne dann aber sehr schnell, dass es schwierig ist, wenn man nur drei Stifte, aber fünf Kinder vor sich stehen hat. Dejan von CARE interveniert diplomatisch und erklärt, dass doch eigentlich nur die größeren Schulkinder einen Stift gebrauchen könnten und die beiden Kleinen doch noch ein bisschen jung für Stifte seien. Wir kommen mit der Familie ins Gespräch, die uns sehr aufgeschlossen ein paar Dinge über ihr Leben am Fluss verrät: Dass sie von Fisch leben, die Kinder in die Schule gehen – die Richtung der Schule wird kurz per Handzeichen angedeutet – dass sie jetzt gerade im Fluss auch baden können, weil sie keine Angst vor Krokodilen haben müssen – denn die seien nur in der Regenzeit hier.

Ein langer Tag auf den Straßen Sambias geht zu Ende. (Foto: CARE/Dejan von Roman)

Als die Sonne untergeht, fahren wir immer noch. Aber bis Chipata – unserem Ziel für die Nacht – ist es nicht mehr weit. Wir gönnen uns einen kurzen Stopp am Straßenrand und stoßen mit warmen und gut geschüttelten Getränken kurz auf Thomas’ Geburtstag an.

Dass Elektrizität in Chipata schon nicht mehr selbstverständlich und die Stromversorgung zum Teil instabil ist, merken wir, als wir kurz einen Supermarkt ansteuern. Da fällt erst mal urplötzlich im gesamten Stadtteil das Licht aus – auch im Supermarkt. Schon komisch – so ganz im Dunkeln. Dejan ist erfahren und bestens präpariert und hat sich fürs Hotel mit Kerzen ausgerüstet. Ich lege meine Taschenlampe griffbereit für die Nacht. Aber der Strom hält.

Wir sind alle müde, aber sprechen beim Abendessen noch lange über die 30 Schulen und das Projekt von CARE. Ich bin beeindruckt von den Details, die ich erfahre. Die Idee hinter dem Projekt, die Entstehung, und vor allem die Umsetzung sind sehr faszinierend. Einzelheiten dazu im nächsten Blog. Für heute geht ein langer Tag zu Ende. Nachdem ich nun die Distanz kenne, die man von der Hauptstadt bis hierher zurücklegen muss, wird noch viel deutlicher, wie abgelegen die Gemeindeschulen tatsächlich sind. Da erscheint das Schulprojekt von CARE direkt noch viel wertvoller. Denn wir sind einen ganzen Tag gefahren und sind noch nicht da, wo wir eigentlich hinwollen.

Morgen kommt die zweite Etappe.

Einsatzorte

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