Verlorene Heimat – Menschen aus der Tschadsee-Region berichten

Die Menschen der Tschadsee-Region kämpfen mit einer der größten humanitären Krisen in Afrika. Ein Zusammenspiel aus einem gewaltsamen Konflikt, extremer Armut, Unterentwicklung und dem Klimawandel beeinflusst die Leben von 17 Millionen Menschen in Nigeria, Kamerun, dem Tschad und dem Niger.

Im Südosten des Nigers sind an den Straßen um die Stadt Diffa herum unzählige behelfsmäßige Hütten aufgebaut, oft aus Ästen, Hirsestielen und Planen errichtet. Diese Hütten beherbergen einen Teil der 340.000 Vertriebenen, hauptsächlich Menschen aus dem Niger und dem benachbarten Nigeria.

Diese Geschichten handeln von Vertreibung und Verlust:

Eine Frau mit ihrem Sohn

Amina mit ihrem ältesten Sohn. (Foto: CARE/Sally Cooper)

Amina*: „Die Aufständischen kamen an einem Montagmorgen in unser Dorf. Wir entkamen mit nichts als unseren Leben. Sie verfolgten uns bis zum Fluss, wo wir uns drei Tage lang im hohen Gras versteckten. Mein zweites Kind war da gerade acht Tage alt. Um ihn über den Fluss zu bringen, bauten wir ein Floß aus Benzinkanistern. Viele aus unserem Dorf konnten nicht schwimmen und ertranken. Wir kamen direkt nach Diffa und sind hier geblieben. Das Leben hier ist nicht einfach, aber es ist sicher. Wir wurden hier willkommen geheißen und uns wurde etwas Land zugewiesen. Wir sind aber 16 Leute in der Familie und es gibt von allem zu wenig.“

Ein weiß gekleideter Mann

Moustapha will lieber früher als später zurück in sein Dorf. (Foto: CARE/Sally Cooper)

Moustapha: „Die Aufständischen haben unsere Nachbarn getötet, sie haben unser Vieh abgeschlachtet und alle unsere Besitztümer gestohlen. Mit meiner Familie bin ich vor zwei Jahren hierhergekommen, aber ich finde keine Arbeit. Wir leben von der Gemeinschaft, die uns Essen, Kleidung und manchmal Geld gibt, um etwas Reis zu kaufen. Wir werden zurückgehen, wenn es sicher ist. Ich war zuhause ein Händler, und ich will wieder meine Familie ernähren.“

Eine Frau mit violettem Kopftuch

Ein Portrait von Falmata. (Foto: CARE/Sally Cooper)

Falmata: „Wir haben unser Dorf in Eile verlassen und kamen vier Jahre lang nicht an einen sicheren Ort. Hier sind wir seit einem Jahr in Sicherheit, aber viele aus meiner Familie sind seitdem gestorben und ich sorge jetzt für zehn Kinder. Wir haben nicht genug zu essen. Ich sammle Feuerholz und verkaufe es, aber das Geld reicht nicht aus. Die Kinder können zum Glück in der Schule essen, aber sonst sind wir von der Gemeinde hier abhängig. Selbst die Kleidung, die wir tragen, ist nicht unsere.“

Eine Frau sitzt auf einem Teppich

Ein Bild von Fatouma. (Foto: CARE/Sally Cooper)

Fatouma: „Wir hatten keine Zeit, zu packen. Die Aufständischen griffen uns plötzlich an und töteten viele Menschen in unserem Dorf. Wir flohen mit nichts außer den Kleidern, die wir trugen.“

Bild aus dem Flüchtlingscamp in Diffa

Das Flüchtlingscamp in Diffa: Viele Hütten bestehen aus Ästen und Planen. (Foto: Frederic Courbet/CARE)

Hassane: „Wenn man mein Heimatdorf besucht, einst eine Gemeinde mit etwa 5.000 Einwohnern, wird man niemanden finden. Jeder ist gegangen. Aber die Lebensbedingungen hier, wo wir jetzt leben, sind auch schwer. Ein Mann, der früher der Chef von zehn Männern war, ist jetzt auf die Großzügigkeit von anderen angewiesen. Ich bin einer der Glücklichen; ich habe einen Job und viele Menschen verlassen sich auf mich, benötigen meine Hilfe und Unterstützung. Wenn uns jemand sagen würde, wir könnten in unser Dorf zurückkehren, dann würde keiner auch nur eine Nacht warten.“

Ein Bild von ein paar Hütten im Sand

Wegen der Dürre wachsen kaum noch Pflanzen, viele Familien verlieren ihr gesamtes Vieh. (Foto: CARE/Sally Cooper)

Aliyou: „Wir haben viel Hilfe bekommen, aber es ist nicht genug. Der Bedarf hier ist groß. Die Menschen haben nichts – kein Land, kein Vieh, keine Gelegenheit zum Fischen. Sie haben nichts zu tun und keine Möglichkeit, sich selbst zu helfen.“

Eine Frau mit iherer Tochter auf dem Schoß

Aichatou mit ihrer Tochter. (Foto: CARE/Sally Cooper)

Aichatuou: „Wir waren Bauern in unserem Dorf, bauten Mais und Gemüse an. Hier sammelt mein Mann Feuerholz um mit dem Verkauf etwas Geld zu verdienen, aber es reicht nicht. Meine Kinder können in der Schule etwas essen, aber zuhause essen wir nur Porridge zum Frühstück und, wenn wir Glück haben, eine weitere Mahlzeit später am Tag.“

*Die Namen wurden zum Schutz der Interviewten geändert.

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