Vom kleinen, zarten Frieden im Südsudan

Die Unterzeichnung des Friedensabkommens im August hat ein Hindernis auf dem langen Weg des Südsudan zum Frieden beseitigt. Doch die Zukunft bleibt unsicher. Was nun geschehen muss, berichtet Paul-André Wilton, Experte für Konfliktberatung bei CARE.

Drei Frauen in Pariang, Unity. „Frauen können Motor des Wachstums sein." (Foto: CARE/Josh Estey)

Drei Frauen in Pariang, Unity. „Frauen können Motor des Wachstums sein.“ (Foto: CARE/Josh Estey)

Im Oktober war ich für zwei Wochen im Südsudan und besuchte dort einige CARE-Projekte. Ich habe die Zeit genutzt, um gemeindebasierte Ideen zur Umsetzung des neu unterzeichneten Friedensvertrags zu sammeln.
Am 15. Dezember jährt sich der Ausbruch der Gewalt zum zweiten Mal. Ein Konflikt, der das Land auseinandergerissen hat, der tausende Menschen das Leben gekostet hat, mehr als zwei Millionen Südsudanesen gezwungen hat, ihre Häuser zu verlassen und für vier Millionen Menschen – etwa einem Drittel der Bevölkerung des jungen Staates – Hunger bedeutet.

CARE hat den Jahrestag als Anlass genommen, den Bericht „Our small peace cannot hold“ zu veröffentlichen. Er basiert auf Recherchen, die ich während meines Besuches in den Bundesstaaten Upper Nile und Juba gemacht habe. Die Lehren, die wir aus unserer Arbeit gezogen haben, werden darin genau erklärt.

1.       Wirtschaftliches Wachstum als Motor für den Frieden

Beim Entwerfen und Umsetzen von Aktivitäten für den wirtschaftlichen Wiederaufbau muss es ein zentrales Ziel sein, den Frieden zu stärken. Frieden beginnt auf der Ebene der Gemeinden. Es ist dringend erforderlich, dass gespaltene Gemeinden sich versöhnen. Die Verteilung von Friedensdividenden kann dabei helfen, die Zusammenarbeit zu stärken und Vertrauen zu schaffen.
Handelsbeziehungen und kleine Unternehmen schaffen bereits Frieden unter Gemeinden im Südsudan. Jetzt ist die Zeit für politische Entscheidungsträger und den privaten Sektor gekommen, auf diesen Errungenschaften aufzubauen.

 2.       Frieden beginnt auf der Ebene der Gemeinden

CARE unterstützt Friedenskomitees im Bundesstaat Upper Nile, die sehr erfolgreich sind. Die Komitees arbeiten mit altbewährten Mechanismen zur Streitschlichtung, stehen also nicht in Konkurrenz mit den traditionellen Führern. In den Komitees herrscht ein ausgeglichenes Männer- und Frauenverhältnis und auch junge Menschen werden stark mit einbezogen. So kann sichergestellt werden, dass auch junge Bürger – vor allem Männer, die besonders stark gefährdet sind, gewalttätig zu werden – erreicht werden.

In allen 523 Verwaltungsbereichen des Südsudan muss ein Versöhnungsprozess stattfinden, der die traditionellen Systeme mit nationalen Gesetzen in Einklang bringt. So können Gruppen wie Frauen, die traditionell marginalisiert sind, geschützt werden. Gleichermaßen könnte unter Einbeziehung der im ganzen Land präsenten Kirchen eine nationale Abstimmungsstruktur entstehen. Doch auch effektive lokale Friedensschaffung bleibt schwierig, wenn der Konflikt nicht im gesamten Land vollständig gelöst wird. „Hier herrscht Frieden, doch im Südsudan gibt es keinen Frieden. Wir müssen aufhören zu kämpfen und sollten Frieden in das ganze Land bringen. Sonst kann unser kleiner, zarter Frieden alleine nicht überleben“, erzählt ein Mitglied eines der von CARE gesponserten Friedenkomitees.

3.       Kleinstunternehmen und Frauen können Motor des Wachstums sein

Auf der ganzen Welt nutzt CARE seine Methode der Kleinspargruppen, um die Lebensumstände und die Mitbestimmungsrechte von Frauen zu verbessern. Es war aber immer schwierig, die Spargruppen auch in Konflikt- und Krisensituationen aufrecht zu erhalten. Doch gerade dann, wenn der Lebensunterhalt nicht ausreicht, können solche Gruppen das Einkommen und die Nahrungssicherheit steigern. CARE hat im Südsudan genau das getan; beispielsweise mit dem Kickstart von Spargruppen, die Vorschusskredite verteilen. So mussten die Teilnehmer nicht lange warten, bis sie genug Geld hatten, um ein Unternehmen zu gründen. Die Kraft dieser Kleinstunternehmen sollte keinesfalls unterschätzt werden. Sie ermöglichen wirtschaftliches Wachstum in fragilen und von Konflikten betroffenen Ländern. 

Wir können jetzt handeln

Obwohl wir gerade den zweiten Jahrestag des Konfliktes in Südsudan begehen, dürfen wir nicht dort stehenbleiben, wo wir jetzt sind. Stattdessen arbeiten bereits viele Menschen und Organisationen für Frieden in dem Land – durch Handel, Gespräche und Vermittlung. Internationale Hilfe kann sie dabei unterstützen und muss ihren Teil übernehmen.

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