Von Festen und Schuluniformen

Die Straße in die Distrikthauptstadt Kilinochchi ist geteert, aber der starke Regen verlangsamt unsere Fahrt. Mit meinen beiden Kollegen Riyas und Maithree sind wir auf dem Weg nach Akkaraikulam im Norden Sri Lankas. Dort wollen wir einen kleinen Betrieb besuchen, er heißt „Beauty Garments“.

An der ehemaligen inneren Grenze des Landes, die bis zum Ende des bewaffneten Konfliktes galt, müssen wir den Soldaten nur noch einen Ausweis zeigen und können dann durchfahren. Niemand will mehr unser Auto kontrollieren, oder Genaueres über unseren Reisegrund erfahren. Das war früher anders. In Kilinochchi selbst ist die Straße noch aus Sand, große Löcher klaffen hier auf der Fahrbahn. Sobald wir die Hauptstraße verlassen, haben wir Schwierigkeiten, voran zu kommen.

Die Mitarbeiterinnen von "Beaty Garments" erhalten mittlerweile auch größere Aufträge und sind wirtschaftlich selbstständig. (Foto: CARE/Katrin Blume)

Die Mitarbeiterinnen von „Beaty Garments“ erhalten mittlerweile auch größere Aufträge und sind wirtschaftlich selbstständig. (Foto: CARE/Katrin Blume)

Als wir bei „Beauty Garments“ in Akkaraikulam ankommen,  sind die sechs Mitarbeiterinnen  bei der Arbeit. Sie nähen Schuluniformen für die naheliegende Montessorischule – ein ziemlich großer Auftrag. Einzeln hätte sich keine der sechs Frauen das zugetraut. Als Gruppe in ihrem Kleinbetrieb fühlen sie sich den Anforderungen aber gewachsen. 2008 sind sie alle mit ihren Familien vor den kriegerischen Auseinandersetzungen in ihrer Region geflohen und erst 2010 wieder zurückgekehrt. Sie haben neue Häuser aus herumliegenden Materialen gebaut und lebten von dem, was ihre Ehemänner als Tagelöhner verdienten. Mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat CARE Rückkehrern wie den Mitarbeiterinnen von „Beauty Garments“ ermöglicht, sich ein neues Einkommen zu schaffen. Gemeinsam haben die sechs Frauen  im vergangenen September „Beauty Garments“ gegründet und schneidern seitdem im Haus einer der Gründerinnen. Momentan bauen sie auch noch ein kleines Haus, das Fabrik und Geschäft gleichzeitig werden soll. Eigentlich hatten sie vor, einen Großteil der Kleidung auf dem Markt zu verkaufen. Aber sehr schnell haben alle im Dorf und in der umliegenden Umgebung von dem Betrieb erfahren und kommen nun zu ihnen, um sich Kleidung zu kaufen. Besonders gut laufen die Geschäfte während der zahlreichen Feste. Mittlerweile bekommen sie zusätzlich größere Aufträge – wie jetzt die Herstellung der Schuluniformen. Nachdem die Frauen mit der Unterstützung von CARE einen Businessplan erstellten, hat CARE ihnen Maschinen, Möbel und Nähutensilien sowie den Bau des kleinen Hauses für ihre Produktion bereitgestellt. Eine erfolgreiche Investition in einen Startup.

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