Von Luxemburg nach Serbien

Dieses Mal berichte ich über meine Aufenthalte im Luxemburger Büro von CARE sowie dem in Serbien. In Luxemburg habe ich drei Tage lang meine Kollegen unterstützt, vor allem beim Online-Stellen von neuen Inhalten auf die Luxemburger Homepage.

Ich war überrascht: Nur zwei Leute stehen für das Wort „Luxemburg“ in „CARE Deutschland-Luxemburg“: Frédéric Haupert und Pascale Claren. Zwei Leute in einem kleinen netten Büro in der Nähe des Bahnhofs. Zu zweit „schmeißen“ sie sozusagen den ganzen Laden, natürlich mit der Unterstützung der Bonner Geschäftsstelle. Sie kümmern sich von der Pressearbeit über die Projektfinanzierung bis zum Marketing um alles, was in einer Hilfsorganisation an Arbeit anfällt.

Aus zwei mach viele

Von Luxemburg ging es nach einer kurzen Unterbrechung gleich weiter nach Serbien. Dort konnte ich „live“ miterleben, was ich sonst nur aus Übersetzungen, Spenden-Mailings oder Pressemitteilungen kannte. Ich habe meine Kollegin Johanna Mitscherlich aus der Pressestelle begleitet, die dort verschiedene Projekte besucht hat, um Fotos und Geschichten zu sammeln und Interviews zu führen. Außerdem hat sie die Kollegen von CARE Serbien darin geschult, wie man am besten eine Geschichte schreibt, was ein gutes Foto ist und warum Kommunikation so wichtig ist.

Die Theorie kannte ich bereits, nun folgte auch die Praxis. (Foto: CARE/Johanna Mitscherlich)

CARE arbeitet seit 1994 in Serbien. Anfangs leistete CARE während des Kosovokrieges Nothilfe und half Flüchtlingen und Vertriebenen. Seit 2000 setzt CARE seinen Schwerpunkt in Serbien auf die Stärkung und Integration von Minderheiten wie den Roma, die sozial und wirtschaftlich benachteiligt sind. CARE unterstützt auch Menschen etwa aus dem Kosovo, die ihr Hab und Gut hinter sich lassen und während des Krieges nach Serbien fliehen mussten.

Warum vor allem Mädchen Unterstützung brauchen!

Der erste Projektbesuch im EU-Beitrittskandidatenland führte uns nach Becej in der nördlichsten Provinz, der Vojvodina. Nach offiziellen Zahlen gibt es dort etwa 430 Roma, inoffiziellen Zahlen zufolge jedoch etwa 1000, erzählt uns die Roma-Koordinatorin Angela dieser Region.

In Vojvodina leitet CARE in Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation  „Novi Sad Humanitarian Center“ eine Bildungsinitiative für Mädchen. Ziel ist, dass weniger Mädchen die Schule abbrechen. In Workshops lernen 15 Jugendliche über Themen wie etwa Stereotype, Diskriminierung, Sex und Liebe, aber vor allem auch Bildung. Wir besuchten die junge Roma-Frau Miriana, eine der Teilnehmerinnen, an ihrem Arbeitsplatz in einem Kindergarten.

Anders als in Deutschland ist Schule in Serbien nicht kostenlos. Viele Eltern können das Schulgeld nicht zahlen, deshalb müssen viele Roma die Schule abbrechen. Andere glauben, dass Bildung für Mädchen nicht wichtig ist. Und wieder andere verlassen die Schule, weil sie diskriminiert werden – nicht nur durch Mitschüler, wie uns einige berichteten.

Roma-Koordinatorin Angela berichtet uns von den Herausforderungen ihrer Arbeit. (Foto: CARE/Johanna Mitscherlich)

Wenn aus Tradition Diskriminierung wird

CARE unterstützt diese 15 Jugendlichen nicht nur durch Workshops. In einem der Kindergartenräume erzählt uns die 21-jährige Miriana ihre Geschichte. Sie hat ihr Psychologie-Studium abgebrochen, und war ein halbes Jahr lang mit einem Mann aus einer sehr traditionellen Familie verheiratet. Hosen durfte sie nicht mehr tragen, Bildung und Bücher musste sie gegen Haushalt und Herd tauschen. Das hielt sie nicht lange aus. Nun arbeitet sie durch die Vermittlung von CARE in vier verschiedenen Kindergärten und betreut Kinder, die besondere Betreuung benötigen. Alle zwei Wochen trifft sie sich mit den 14 anderen Roma-Jugendlichen. Ihr Job in dem Kindergarten ist es auch, in den Roma-Familien in der Gegend für Kindergartenbesuch und Bildung zu werben. Ein Jahr im Kindergarten ist in Serbien Pflicht, bevor man in die Grundschule gehen darf. Besonders für Roma-Kinder ist dieses Jahr wichtig. In vielen der Familien wird nämlich hauptsächlich Romani gesprochen. In der Realität hakt aber niemand nach, wenn ein Roma-Kind fernbleibt.

Alles Theater

Zusammen mit zwei professionellen Theaterschauspielern haben die 15 Mädchen und Jungen auch ein Theaterstück inszeniert. Thema? Bildung! Und Diskriminierung von Roma! Jeder der Jugendlichen spielt seine Rolle in diesem Theaterstück. „Wir konnten viele Zuschauer wachrütteln, manche haben sogar geweint“, erzählt eine Teilnehmerin. Mit dem Theaterstück konnten sie nicht nur die Jugendlichen und Eltern der Roma-Gemeinden sensibilisieren, sondern auch mehr Toleranz von Nicht-Roma erreichen. Aber nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für die Eltern hat CARE eine Gruppe gegründet. Warum? Dazu mehr in meinem nächsten Blog.

Einsatzorte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.