Über Townships und Aufschwung
Ein südafrikanisches Township ist kein Slum. Während der Apartheid lebten dort die schwarzen und farbigen Familien (man unterschied damals zwischen „black“ und „coloured“), die für das Regime arbeiten mussten.
Bei einer Autofahrt durch Südafrika wechseln sich Industriegebiete mit Townships ab (Foto: CARE/Bräutigam)Die Männer und Frauen schufteten in dem von der weißen Minderheit dominierten Wirtschaftssystem. Sie pendelten zu Fuß zu den Arbeitsplätzen oder wurden mit Bussen dorthin gefahren. Die Rassentrennung erlaubte ihnen kaum Freiheit. Bis heute gibt es eine Selbstversorgerwirtschaft rund um die Hütten, und die Townships machen einen recht weitläufigen Eindruck. Das unterscheidet sie grundsätzlich von dicht gedrängt stehenden Hütten in einem Slum.
Doch auch wenn diese Lebensbedingungen mehr frische Luft und großzügigeren Aufenthaltsraum ermöglichen, ist in den Townships die Not bis heute groß. Zum einen fördert die Separierung ganzer Bevölkerungsgruppen in den Townships soziale Spannungen, zum anderen hat die katastrophale AIDS-Pandemie zu einem brutalen Verlust der mittleren Altersschicht geführt: Wir begegnen bei unserem Besuch fast nur Großeltern und Kindern. Was das für ein Gemeinwesen und eine Volkswirtschaft bedeutet, die eine solche Situation aufzufangen hat, ist leicht vorstellbar.
Was hat sich in den letzten Jahren geändert?
Seit meinem letzten Besuch in Südafrika vor zehn Jahren hat sich viel geändert. Die Blechhütten der Townships weichen langsam Gebäuden aus Ziegeln, neue Siedlungen werden gleich in stabiler Bauweise gebaut. Die Hand des Staates ist hier deutlich sichtbar. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die sich gleichförmig ausbreitenden Viertel nicht unbedingt gemeinschaftsfördernd sind. Und sie breiten sich aus! Im hügeligen Buschland rund um Johannesburg und Pretoria nimmt man die riesigen Viertel nur wahr, wenn man endlos lange durch sie hindurch fahren muss. Zwei Millionen Menschen leben hier, einen Eindruck davon erhält man auch, wenn man die hohen Lichtmasten zählt, von denen ein einziger die Beleuchtung für tausende von Menschen liefert. Die Masten verlieren sich bis an den Horizont.
Verstädterung und wirtschaftlicher Aufschwung. Für alle?
Immer mehr Menschen sammeln sich um die großen Städte. Das überrascht nicht, denn hier ermöglicht Arbeit wenigstens einen bescheidenen Lebensstandard. Für viele bleibt das aber nur eine Hoffnung, denn die Arbeitslosenquote in Südafrika ist hoch. Der Wandel führte dazu, dass man auf der rund einstündigen Fahrt von Johannesburg nach Pretoria die besiedelte Zone eigentlich nicht verlässt. Industrien, Zulieferer, Büros, Townships gehen nahtlos ineinander über. Das ist zwar kein besonders schöner Landstrich, er steht allerdings für einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Allerdings werde ich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt, wenn mir der Taxifahrer erklärt, dass sich die Schere zwischen sehr arm und sehr reich dramatisch schnell öffnet. Oder wenn mir die Besitzerin einer Pension sagt: “Nach der Fußball-WM wird es keine Jobs mehr geben. Südafrika ist jetzt schon pleite.”
Ich frage mich: Was passiert dann mit den Menschen in den Townships?

