Was braucht ein Malawi?

Wohnen in Malawi
Wohnen in Malawi. Foto: CARE

Malawi, 9. Dezember 2008. Weiter geht es zum kleinen CARE-Büro in Nitchisi. Dieses Projekt wird dezentral gesteuert, erklärt mir mein Kollege Dejan.

Denn was nützt es uns, wenn die Projektkoordinatoren in der Hauptstadt im Büro sitzen. Kleine Anlaufstellen vor Ort machen das Arbeiten viel einfacher, letztlich auch effizienter, so Dejan. Die CARE-Mitarbeiter, übrigens nur Einheimische und oft aus der Umgebung, sind so näher an den Menschen, sehen die Not schneller und wissen um die Bedürfnisse der Menschen hier in den Bergen von Malawi. Vor Ort lässt sich vieles einfach schneller recherchieren und unbürokratischer bearbeiten. Gerne lasse ich mir das alles erklären. Dejan ist ein erfahrener Entwicklungshelfer und macht diese Arbeit schon seit über 20 Jahren. Für mich ist es mein erster Afrikabesuch.

Wir betreten das CARE-Büro und finden im ersten Raum zehn Säcke Mais-Saatgut. Verteilt wird das Saatgut an die Kleinbauern auf dem Land, sobald der Regen einsetzt. Dann lässt es sich besser pflanzen und es wächst schneller. Mais ist die Lieblings-Anbaufrucht der Malawis, eines der Hauptnahrungsmittel. Gepflanzt wird auch Reis, sofern die klimatischen Bedingungen es zulassen. Sojabohne und Süßkartoffel sind weitere beliebte Gemüsesorten. Weiteres Saatgut wird aus der Hauptstadt geordert. Es eilt, seit gestern regnet es.

Wir lernen Leute von ICON kennen, einer malawischen Entwicklungshilfeorganisation, mit der wir zusammen arbeiten. Dellings, Lauzianne, Frederic und Peter, unser Koordinator, begrüßen uns ganz herzlich. Unsere lokalen CARE-Mitarbeiter sind wirklich an der Basis, sie sind ausgebildete Landwirte, spezialisiert auf verschiedene Gebiete: Hygiene, Ernährung und Landwirtschaft.

Dann geht es weiter ins Hinterland. Wir verlassen zusammen mit Peter, Lauzianne, Frederic und Dellings die geteerte Straße und bewegen uns von nun an auf unbefestigten, staubigen Wegen. Der Regen hat aufgehört.

Nach einer Stunde erreichen wir unser Ziel, den Bezirk Kazonga, das Dörfchen Orchard. Wir besichtigen einen vom Dorf gemeinschaftlich angelegten Dorfgarten, etwa 200 Meter lang und 50 Meter breit. Alle Wohneinheiten haben hier ein Stück Land und bauen gemeinschaftlich Soja, Bohnen, Tomaten und Kartoffeln an. Dazwischen wurden kleine Bananenbäume, Mango- und Papayabäume gepflanzt. Das ganze Dorf und alle Autoritäten sind versammelt, vom Bürgermeister, über den Pfarrer bis hin zu dem nahe wohnenden Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums.

Die Verantwortlichen erklären uns stolz, was sie alles geschafft haben. Der Garten ist ganz neu, vor wenigen Monaten gepflanzt. Saatgut und Pflanzen wurden von CARE finanziert. Die Koordinatoren schulen die Bauern in Landwirtschaft und geben Informationen über abwechslungsreiche, gesunde Ernährung.

Seit kurzem gibt es einen Brunnen ganz in der Nähe und die Freude darüber drücken die Frauen durch Gesängen aus. Letztes Jahr noch mussten sie das Wasser aus einem kleinen Bach holen. Drei Eimer Wasser am Tag für den Hausgebrauch, eine halbe Stunde Fußweg hin und her, macht zusammen drei Stunden am Tag, für jede Frau, teilweise auch für die Kinder.

Hinzu kam noch das Wasser zur Bewässerung des Dorfgartens. Am Bach haben sich alle bedient: Kühe, Schafe, Ziegen und Menschen. Die hygienischen Bedingungen mag ich mir gar nicht vor Augen halten. Durchfallerkrankungen waren an der Tagesordnung.

Auf die Frage, was sie am nötigsten brauchen, antworten alle aus einem Munde: Dünger! Die weltweiten Preissteigerungen machen sich auch hier bemerkbar. Dünger ist für eine Bauernfamilie unerschwinglich. Aber ohne Dünger wachsen die Pflanzen nicht. Und wachsen die Pflanzen nicht, dann gibt es nicht genug zu Essen. Die Menschen haben einfach Angst, letztes Jahr gab es noch viel weniger Regen, als erforderlich und einige Monate wurde von fast Nichts gelebt.

Weiterhin wünschen sich die Bauern Eimer, Gießkannen und Feldwerkzeuge, auch dies können sie selbst nicht finanzieren. Ich fühle mich nicht gut, denke ich an all den Überfluss und Konsum, den wir gerade in der Vorweihnachtszeit doch so gerne ausleben. Die Menschen hier wollen einfach nur genug zu essen haben.

Sie sind stolz über ihre Erfolge, freuen sich über unseren Besuch und begegnen uns mit tiefer Dankbarkeit, Respekt und Wertschätzung. Das ist auch das, was uns immer wieder in den nächsten Tagen entgegen gebracht wird. Und diese Lebenshaltung ist nicht abhängig von irgendwelchen materiellen Dingen…

Zum Dank gibt es ein kleines Dorffest und so wie wir mit Singen begrüßt wurden, so werden wir auch mit Singen verabschiedet. Weiße sind in diesem Dorf noch nicht viele gewesen. CARE ist die erste Hilfsorganisation, die in diesen abgelegenen Winkel kam, unsere Hilfe spricht sich herum, die Einwohner der Nachbardörfer kommen und möchten teilhaben. Das erste Auto kam letztes Jahr, zusammen mit den CARE-Mitarbeitern. Wie ein Lauffeuer hat sich dieses Ereignis seither herum gesprochen.

CARE versorgt in dem Gebiet Ntchisi mittlerweile 90 Dörfer!

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