Frisches Wasser und Selbstständigkeit: Der Klimawandel in Vietnam

CARE legt besonderen Wert auf eine intensive Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Organisationen und den betroffenen Bewohnern. (Foto: CARE )

Gemeinsam mit einer Partnerorganisation und lokalen Akteuren plant CARE den Bau einer neuen Wasserleitung im Bergdorf Phieng Chie. Zusammen werden hierfür Pläne besichtigt und erstellt. (Foto:CARE)

Bac Kan ist eine Bergprovinz im Norden Vietnams und gehört zu den ärmsten Regionen des Landes. Für die Bevölkerung ist der Klimawandel schon heute deutlich zu spüren: Extreme Wetterlagen wie plötzliche Frosteinbrüche und geringe Regenfälle führen zu niedrigeren Wasserständen von Flüssen und Wasserquellen. Besonders betroffen von den Auswirkungen sind Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen und Angehörige ethnischer Minderheiten.

Um Gemeinden vor den extremen Umweltereignissen zu schützen, verabschiedete die vietnamesische Regierung 2009 ein nationales Programm zu gemeindebasierter Katastrophenvorsorge. Die lokalen Behörden und die Bevölkerung lernen schneller auf Katastrophenfälle zu reagieren und diese längerfristig zu vermeiden. In einem Gemeinschaftsprojekt von CARE und Mitgliedern des Bündnisses „Aktion Deutschland Hilft“ werden Gemeinden dabei unterstützt, Katastrophenvorsorgepläne unter besonderer Berücksichtigung von Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderungen zu erstellen. CARE fördert insbesondere die Beteiligung von Frauen bei der Erstellung der Katastrophenvorsorgepläne in der Provinz Bac Kan.

Um herauszufinden wie Katastrophenvorsorge in der Praxis funktioniert, besuche ich mit meinen lokalen CARE-Kollegen, Kollegen unserer Partnerorganisation und einem Ingenieur das Bergdorf Phieng Chie. Dort leben rund 245 Bewohner, die der ethnischen Volksgruppe Dao angehören. Schon die Fahrt nach Phieng Chie gestaltet sich abenteuerlich. Auf dem Motorrad geht es einen steilen, schmalen, steinigen Pfad hinauf. An manchen Stellen ist es so steil, dass ich absteigen muss. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir das Dorf, wo sich bereits einige Bewohner versammelt haben. Heute wird die dringend benötigte Planung der neuen Wasserleitung diskutiert. Dorfvorsteher Herr Vang berichtet, dass die dorfeigene Quelle in den Wintermonaten kein Wasser mehr führt. Deshalb sind die Frauen des Dorfes dazu gezwungen, zweimal täglich, eine Stunde lang, zu einer entlegenen Wasserquelle zu laufen und schwere Wasserkörbe von dort auf dem Rücken wieder nach Hause zu tragen. Aufgrund der Wasserknappheit verzichten die Bewohner auf ein tägliches Bad. Bei Kindern treten darum häufig Augeninfektionen oder Wurmerkrankungen auf, Frauen leiden unter gynäkologischen Krankheiten.

CARE hat einen Ingenieur beauftragt eine Machbarkeitsstudie für den Bau einer Wasserleitung für Phieng Chie und die nahegelegene Grundschule durchzuführen. Während unseres Besuches erklärt der Ingenieur den Dorfbewohnern das geplante System. Von einer höher gelegenen Quelle im geschützten Waldgebiet kann das Dorf durch ein 2.700 Meter langes Leitungssystem mit Wasser versorgt werden. Der Wald schützt die Quelle vor dem Austrocknen, deshalb ist es besonders wichtig, dass der Wald erhalten bleibt. Wir vereinbaren, dass CARE die Kosten für die benötigten Materialien übernimmt und diskutieren mit den Dorfbewohnern, wie sie sich an dem System beteiligen können. Zum Schluss steht die Einigung über eine Beteiligung der Dorfgemeinschaft bei dem Bau des Systems und dem Transport der Materialien. Da für den Transport der Materialien allerdings insgesamt 500 Fahrten von der Hauptstraße in das Dorf notwendig sind, können diese nicht alle von den wenigen Dorfbewohnern erledigt werden. Der Plan lautet daher, dass jeder Haushalt fünfmal die Strecke fährt und für die restlichen 370 Fahrten externe Fahrer bezahlt werden müssen. Froh diesen Kompromiss gefunden zu haben und in der Hoffnung das zusätzlich benötigte Geld für den Transport der Materialien zu bekommen, steigen wir auf die Motorräder und machen uns auf den Weg zur Hauptstraße.

Informieren Sie sich hier, wie CARE Betroffenen des Klimawandels hilft und sich für den Klimaschutz stark macht.

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