Welternährungstag: Vergesst den Hunger nicht

Anlässlich des Welternährungstages fragt sich Anja Engelke, Studentische Aushilfe in der CARE-Pressestelle, was wir tun können, um den Millionen Hungerleidenden auf der Welt zu helfen – auch von Deutschland aus. 

Am 16. Oktober ist Welternährungstag. Dieses Datum ist der eine große Tag im Jahr, an dem auf den Hunger in der Welt aufmerksam gemacht wird. Es ist wichtig, dass es einen solchen Tag gibt. Aber ein Tag, das ist nicht genug, wenn Menschen auch an den anderen 364 Tagen im Jahr Hunger leiden. Schließlich sind aktuell rund 795 Millionen Menschen von Hunger bedroht – das ist jeder zehnte Mensch auf dieser Welt.

Anstelle von drei Mahlzeiten isst Nyahoks Familie nur noch ein bis zwei Mal am Tag. (Foto: CARE/ Lucy Beck)

Anstelle von drei Mahlzeiten isst Nyahoks Familie nur noch ein bis zwei Mal am Tag, meist eine Mischung aus Getreide, Wasser und Blättern. (Foto: Lucy Beck/CARE)

Durch meine Arbeit in der Pressestelle der Hilfsorganisation CARE bin ich in der letzten Zeit häufiger mit dem Thema Ernährungssicherheit in Berührung gekommen. Es macht mich traurig, dass eine so gewaltige Anzahl an Menschen noch immer Hunger leiden muss, während wir in unserem Büro zwischen Schreibtisch und Kühlschrank hin und her pendeln können, so viel wir wollen. Ein großes Thema ist der Hunger in der Öffentlichkeit derzeit auch nicht. Über die rund 40 Millionen Menschen, die im südlichen Afrika momentan von Hunger bedroht sind, hört man nicht viel. Zu „leise“ ist ihr Leid, zu sehr übertönt von den großen Kriegs- und Krisenschauplätzen dieser Welt.

Was bedeutet es für Menschen, wenn sie sich nicht ausreichend ernähren können? Mangelernährung kann lebenslange Konsequenzen haben. Sie ist etwa der häufigste Auslöser für Krankheiten. Weltweit sind rund 159 Millionen Kinder unter fünf Jahren chronisch unterernährt – das hat fatale Folgen für ihre Entwicklung. Sie besitzen nachweislich weniger Gehirnzellen, sind schlechter in der Schule und haben weniger Chancen, der Armut zu entkommen. Länder mit einer hohen Anzahl an unterernährten Kindern sind auf dem Weltmarkt weniger konkurrenzfähig. Die Unterentwicklung kostet Entwicklungsländer schätzungsweise acht bis elf Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes. Besonders betroffen ist das südliche Afrika. Alleine in Malawi hungern aktuell rund 2,8 Millionen Menschen aufgrund von Dürreperioden und schlechten Ernten.

Kind aus dem Südsudan bei einer Untersuchung auf Mangelernährung

Mit einem einfachen Maßband stellen Helfer Mangelernährung bei Kindern fest und verteilen anschließend Essensrationen. (Foto: Dan Alder/CARE)

Dabei gibt es Lösungen: Ibrahim, ein Kleinbauer in Malawi, wird von CARE mit hybridem Saatgut versorgt. Während viele seiner Landsleute aufgrund der aktuell schlimmsten Dürre seit 35 Jahren ihren Kindern nur noch eine Mahlzeit pro Tag bieten können, ist er für den Kampf gegen den Hunger gewappnet. Olipa Mwanza ist eine von vielen CARE-Mitarbeitern, die sich Tag für Tag für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzen und dafür, dass Frauen dabei eine zentrale Rolle spielen. Dürreresistentes Saatgut, veränderte Anbautechniken und alternative Einkommensquellen: Den hungerleidenden Menschen kann und muss geholfen werden.

Auf dem UN-Gipfel für nachhaltige Entwicklung, der im September 2015 stattfand, einigten sich die teilnehmenden Länder auf das gemeinsame Ziel „Zero Hunger by 2030“. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden: Landwirtschaft, Klimawandel, Wasser und Hygiene. Weltweit gibt es ausreichend Lebensmittel. Sie sind allerdings ungerecht verteilt. Tonnen von Lebensmitteln werden täglich weggeworfen und es gibt weltweit mehr übergewichtige als unterernährte Menschen. In der Theorie ist es möglich, die ganze Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren, doch es fehlt die praktische Umsetzung.

Frauen aus Madagaskar bei der Feldarbeit

In Madagaskar unterstützt CARE Frauen bei der Bewirtung ihrer Felder. (Foto: Lucy Beck/CARE)

CARE unterstützt vor allem Schwangere und junge Mütter mit Nahrungsmittelhilfe, denn die Gefahr für eine chronische Unterentwicklung ist für ungeborene und neugeborene Kinder besonders hoch. Die Verbesserung der Ernährungssituation hängt außerdem eng mit der wirtschaftlichen Stärkung der Frauen zusammen. Sie machen 43 Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft aus, haben bei der Bewirtung der Felder aber kaum Mitspracherechte. In ihrer Familie sind sie diejenigen, die als letztes und daher oft am schlechtesten essen. Es ist wichtig, dass Frauen mitentscheiden. In Kleinspargruppen leitet CARE sie zum gemeinsamen Sparen an, damit sie finanziell auf eigenen Beinen stehen können. Statistisch investieren Frauen 90 Prozent ihres Einkommens in das Wohlergehen ihrer Familie, Männer hingegen nur 30 bis 40 Prozent.

Was können wir also tun, am Welternährungstag und allen anderen Tagen, an denen Menschen Hunger leiden? Natürlich können wir alleine nicht den Hunger auf der Welt beseitigen – aber wir können unseren Teil dazu beitragen: indem wir über das Thema Ernährungssicherheit reden und ein Bewusstsein für die Probleme und möglichen Lösungsansätze schaffen. Je mehr Menschen informiert sind, desto präsenter wird das Thema, auch in der Politik. Wir können uns dafür einsetzen, dass den Menschen, die unter akutem Hunger leiden, Gehör verschafft wird. Schließlich ist das Recht auf Nahrung ein Menschenrecht. Setzen wir uns also gemeinsam dafür ein, dass es auf der ganzen Welt auch gewährleistet wird.

Mehr zu den Projekten von CARE im Bereich Ernährung und Hunger erfahren Sie hier

Und hier können Sie unser Positionspapier zum Thema Ernährung lesen.

Einsatzorte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.