Weltgipfel für Humanitäre Hilfe: Klimakatastrophen nicht vergessen

Lucy Beck, Nothelferin bei CARE International, schreibt über ihre Begegnungen mit Menschen im südlichen Afrika, die von El Nino stark betroffen sind, sowie ihre Erwartungen an den Weltgipfel für Humanitäre Hilfe in Istanbul.

Länder wie Madagaskar oder Malawi im südlichen Afrika, so denken wir, sind weit entfernt. Wir können uns kaum vorstellen, dass sie in den Gesprächen über die Katastrophen dieser Welt eine wichtige Rolle spielen. Als ich Bekannten erzählte, dass ich genau dorthin für einen Nothilfeeinsatz entsendet würde, fragten sie mich etwas verwundert, was denn dort so Schlimmes geschehe.

Im Vorfeld des ersten Weltgipfels für Humanitäre Hilfe, der am 23. und 24. Mai in Istanbul stattfindet, wird viel über die großen Krisen dieser  Welt gesprochen, über Länder wie Syrien, Jemen oder den Irak. Das ist wichtig, denn das Leid der Menschen dort ist unvorstellbar.

Bei all diesen Konflikten dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass es auch humanitäre Krisen gibt, die vielleicht auf den ersten Blick weniger sichtbar sind, aber die dennoch Millionen von Menschenleben gefährden: klimabedingte Krisen.

(Foto: Lucy Beck/CARE)

Ein Feld in Madagaskar: CARE hilft mit langfristigen Maßnahmen zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel. (Foto: CARE/Lucy Beck)

Klimakatastrophen sehen anders aus als diejenigen, die wir aus den Nachrichten kennen. Es gibt keine Bomben oder Zerstörung, die in Sekunden passiert. Aber sie können dennoch tödlich sein. Etwa 31,6 Millionen Menschen im südlichen Afrika leiden Hunger und brauchen so schnell wie möglich Hilfe. Menschenleben dürfen nicht gewichtet, oder  die Dringlichkeit unserer Hilfe am Medieninteresse gemessen werden.

Vor ein paar Wochen bin ich aus Malawi und Madagaskar zurückgekehrt, wo ich die verheerenden Auswirkungen des Wetterphänomen El Niño dokumentiert habe. Dürre und Nahrungsinstabilität sind die Folgen. In Malawi habe ich Menschen getroffen, die während der großen Flut 2014 alles verloren haben. Sie wurden von CARE bei der Umsiedlung in höher gelegene Gebiete unterstützt und erhielten Baumaterial und Saatgut. Von Grund auf haben sie sich schrittweise eine neue Existenz aufgebaut. Dann, anderthalb Jahre später, mussten sie ihrer Ernte aufgrund  der Dürre beim Vertrocknen zuschauen.

In Madagaskar waren Gemeinden, die von CARE mit langfristigen Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit unterstützt wurden, weniger von den Wetterveränderungen betroffen. Sie haben einfache Werkzeuge wie motorisierte Wasserpumpen zur Bewässerung der Felder, hybrides Saatgut und eine Einführung in Methoden erhalten, mit denen das wenige Regenwasser vor dem sofortigen Verdunsten bewahrt werden kann. Aber ich besuchte auch viele Gemeinden, die eine solche Unterstützung nie bekommen haben. Der Unterschied war offensichtlich und tragisch. Weniger als 20 Kilometer von einem Dorf entfernt, das an CAREs Programm zur langfristigen Entwicklung teilnahm, saß ich mit der 35-jährigen Julienne zusammen, deren Gemeinde nicht von der Hilfe profitierte. Ihre Wangen waren von der Unterernährung eingefallen und sie erzählte mir, dass sie vor kurzem in Ohnmacht gefallen war, weil sie drei Tage lang nichts gegessen hatte.

(Foto: CARE/Lucy Beck)

Julienne mit ihrer dreijährigen Tochter Telodoza. (Foto: CARE/Lucy Beck)

Im Jahr 2008 waren nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 70 Prozent der humanitären Katastrophen klimabezogen. Eine baldige Lösung ist nicht in Sicht. Wir können es uns nicht leisten, stillschweigend dabei zuzuschauen, wie die zerstörerischen Auswirkungen von Wetterphänomenen wie El Niño Gemeinden auf der ganzen Welt in den Ruin treiben. Wir müssen dem entgegenwirken und unsere Hilfsmaßnahmen schnell an die sich verändernden Gegebenheiten anpassen. Gelder müssen flexibler eingesetzt werden können – und das auch für langfristige Entwicklungsarbeit. Der Kampf gegen den Klimawandel muss von Beginn an mitgedacht werden. Diese Themen müssen beim Weltgipfel für Humanitäre Hilfe priorisiert werden.

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