Weltklimagipfel: Betroffene des Klimawandels müssen in den Fokus

Von Sven Harmeling, Klimapolitischer Koordinator für CARE International

In Bangladesch, Indien und Nepal waren in den letzten Monaten über 40 Millionen Menschen von extremen Überschwemmungen betroffen, viele verloren ihren gesamten Besitz, Ernten sowie Schulen wurden zerstört und der Zugang zu sauberem Wasser war plötzlich eine große Herausforderung. Wie so oft traf es die Ärmsten der Armen und insbesondere Frauen und Mädchen. Nach Hurrikan Irma, der vor wenigen Wochen in der Karibik wütete, unterstützte CARE das Dorf der Kubanerin Maribel. Ihre Stimme steht stellvertretend für Millionen von Frauen und Familien: „Ich kann es immer noch nicht glauben, es ist so traurig, alles zu verlieren, aufzuwachen, mit all unserem Hab und Gut durchnässt und verstreut zwischen Backsteinen und Geröll.“

Zerstörte Häuser durch Hurrikan Irma

Hurrikan Irma brachte schwere Zerstörung auf Kuba mit sich. (Foto: CARE)

Klar, kann nicht jedes extreme Wetterereignis dem menschgemachten Klimawandel angelastet werden, doch es steht fest, dass in vielen Regionen Stürme, Überschwemmungen oder Dürren die Menschen immer heftiger treffen. Deshalb sind sich Wissenschaftler heute mehr denn je einig: Der menschgemachte Klimawandel ist ein wachsender Faktor.

CARE kämpft seit über 70 Jahren gegen Armut und leistet Not- und Katastrophenhilfe. Unsere Erfahrung zeigt, dass es essenziell ist, die Ursachen für Armut und soziale Ungerechtigkeit entschlossen zu bekämpfen, um dauerhafte Verbesserungen für das Leben der ärmsten und besonders gefährdeten Bevölkerungen zu schaffen. Der Klimawandel verschärft viele dieser Ursachen, insbesondere auch die Geschlechterungleichheit.

Fünf Schritte, wie der Bonner Weltklimagipfel Betroffene besser schützen kann

Um den Klimawandel in den Griff zu bekommen und seine humanitären Folgen zu begrenzen, müssen Emissionen gesenkt und  die Folgen des  Klimawandels und der Armutsbekämpfung zusammen angegangen werden. Das eine kann ohne das andere nicht funktionieren. Die UN-Klimaverhandlungen (COP23) sind dabei ein wichtiger Baustein der internationalen Diplomatie. Hier sind fünf zentrale Schritte, an denen sich die COP23 messen lassen sollte:

Erstens sollten die Regierungen besonders vom Klimawandel betroffene Menschen bei der
Vorsorge gegenüber Klimafolgen stärker unterstützen.

Zweitens müssen sich die Vereinten Nationen und die Regierungen stärker mit der Verantwortung für die nicht mehr vermeidbaren Klimaschäden beschäftigen. Die COP23 sollte einen Arbeitsplan für den „Warschau-Mechanismus zu Klimaschäden“ beschließen, der sowohl neue Gelder  für den Schadensausgleich und armutsorientierte Klimaversicherungen generiert als auch Geschlechtergerechtigkeit als zentralen Punkt begreift.

Drittens: Wir erwarten, dass sich die Länder stärker mit den gravierenden Folgen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit von Menschen beschäftigen. Es müssen Ansätze in der Landwirtschaft priorisiert werden, die insbesondere weiblichen Kleinbäuerinnen und ihren Familien in Entwicklungsländern helfen ihre Widerstandskraft zu stärken.

Viertens: Es ist an der Zeit, signifikante Fortschritte beim Thema Geschlechtergerechtigkeit im UN-Klimaprozess zu machen. Nach eher zaghaften Schritten steht in Bonn die Einigung auf einen „Gender-Aktionsplan“ auf der Agenda. Dieser sollte zu deutlichen Verbesserungen bei der Teilhabe von Frauen in allen klimarelevanten Politikbereichen führen. Die Regierungen sollten sich nicht nur auf einen solchen Plan einigen, sondern müssen auch seine Finanzierung sicherstellen. Der „Gender-Aktionsplan“ darf nicht zu einem wirkungslosen Papiertiger werden.

Fünftens: Viele dieser Maßnahmen werden verpuffen, wenn es nicht gelingt, den Temperaturanstieg durch eine massive Kürzung der CO2-Emissionen deutlich zu begrenzen. Das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Ziel, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen, erfordert deutlich weitergehenden Klimaschutz. Insbesondere Deutschland und die gesamte Europäische Union müssen mehr investieren. Die COP23 sollte daher sicherstellen, dass die Länder mit dem Bestreben nach Hause gehen, dass sie  weitere Maßnahmen vorbereiten müssen! Schließlich wird es bei der nächsten COP 2018 in Polen konkret um die Frage gehen: Wie schließen wir die Lücke zur 1,5-Grad-Grenze?

CARE-Klimaexperte Sven Harmeling

Sven Harmeling, Klimapolitischer Koordinator für CARE International  (Foto: Ute Grabowsky)

Die Regierungen werden bei der COP23 viel daran setzen, ein starkes Signal der Einigkeit zu setzen. Sie werden zeigen wollen, dass sie geschlossen hinter der Umsetzung des Paris-Abkommens stehen. Die fünf Schritte müssen dabei unbedingt berücksichtigt werden, denn nur so kann es gelingen, dass Familien wie die von Maribel nie wieder aufwachen und plötzlich vor dem Nichts stehen.

Mehr Informationen zu der Arbeit von CARE in Sachen Klimawandel finden Sie hier.

Auch Sie können helfen: Unterstützen Sie die Maßnahmen von CARE gegen die Folgen des Klimawandels.

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