Welttag der Menschenrechte: Eine Hand für Hamid

Nur wenige der rund 1,5 Millionen syrischen Flüchtlinge im Libanon finden Arbeit, um sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. (Foto: CARE/Harry Chun)

Nur wenige der rund 1,5 Millionen syrischen Flüchtlinge im Libanon finden Arbeit, um sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. (Foto: CARE/Harry Chun)

von Gareth Richards, CARE-Länderdirektor im Libanon

Vergangenen Freitag traf ich Hamid, einen jungen Syrer aus Damaskus. Seit fast einem Jahr arbeitet er als Kellner in einem Restaurant an der „Corniche“, der Seepromenade der libanesischen Hauptstadt Beirut. Hamids Schwestern und Eltern sind in Damaskus geblieben, als er auf der Suche nach Arbeit aus Syrien wegzog. Er ging, weil er um sein Leben fürchtete und es in seiner Heimatstadt wegen der Konflikte kaum Arbeit gab. Gute Mobilfunknetzte sorgen an den meisten Tagen dafür, dass Hamid mit seiner Familie sprechen kann. Per Handy kann er feststellen, ob seine Familie in Sicherheit ist und das wenige Geld, das er nach Hause schickt, auch wirklich ankommt.

Hamid ist einer von fast 1,5 Millionen Flüchtlingen, die während der letzten dreieinhalb Jahre aus Syrien in den Libanon geflüchtet sind. Über zehn Millionen Menschen haben ihre Häuser verlassen und sind innerhalb Syriens oder in benachbarten Ländern auf der Flucht. Ihre Begleiter sind Erinnerungen an den Krieg, Angst um diejenigen, die zu Hause geblieben sind, und Trauer um verlorene Familienmitglieder. Für junge syrische Flüchtlinge wie Hamid steht das Leben auf unbestimmte Zeit in der Warteschleife. Sie können nicht studieren oder ihren Berufen nachgehen.

In den letzten zwei Jahren, seitdem ich die CARE-Nothilfe für syrische Flüchtlinge unterstütze, sind mir viele Menschen wie Hamid begegnet. Ich habe auch junge Libanesen getroffen, die ebenfalls von der Krise betroffen sind. Sie teilen viele der Probleme der Flüchtlinge wie Geldnot und Wohnungsmangel. Die libanesische Regierung und viele Kommunen bemühen sich redlich, die Flüchtlinge gut aufzunehmen. Aber die Kapazitäten dieses kleinen Landes mit nur vier Millionen Einwohnern sind vollkommen überstrapaziert.

Eine Frage der Menschenrechte

Am Tag der Menschenrechte 2006 sagte Louise Arbour, damalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte: „Heute ist Armut die schwierigste Herausforderung für die Menschenrechte in der Welt. Die Bekämpfung von Armut, Mangel und Ausgrenzung ist keine Frage der Wohltätigkeit und hängt auch nicht davon ab, wie reich ein Land ist. Indem Armut als eine Frage der Menschenrechte behandelt wird, bekommt die Welt eine bessere Möglichkeit, dieses Leid zu unseren Lebzeiten zu beseitigen.“

Zum diesjährigen Tag der Menschenrechte müssen wir eine düstere Bilanz ziehen. Heute lebt die Hälfte der syrischen Bevölkerung in Armut. Viele Flüchtlingsmütter im Libanon sind nicht in der Lage, ihren Kindern mehr als eine Mahlzeit am Tag zu geben. CARE unterstützt Flüchtlinge und libanesische Gastgemeinden seit April 2013. Unsere Nothilfe hat bereits über 60.000 Menschen geholfen. Wir unterstützen Menschen wie Hamid dabei, eine Arbeit zu finden oder ein kleines Unternehmen aufzubauen.

Und obwohl es uns an den finanziellen Mitteln fehlt, um ausreichend Hilfe leisten zu können, gibt das CARE-Team im Libanon und der gesamten Region um Syrien nicht auf. Wir stellen sicher, dass Flüchtlinge, trotz all ihrer Verluste, zumindest auf unsere Unterstützung zählen können. Aber je länger sie im Exil leben, umso größer sind ihre Bedürfnisse, nicht nur über den Tag zu kommen, sondern tatsächlich zu leben. Als ich mit Hamid sprach, sagte er mir: „Ich möchte einfach nur arbeiten, die Möglichkeit haben, meiner Familie zu helfen und meine eigene Situation verbessern. Eines Tages, wenn die Kämpfe vorüber sind, möchte ich nach Syrien zurückkehren und mein eigenes kleines Geschäft eröffnen. Bis dahin, werde ich hart arbeiten und beweisen, dass ich es verdient habe, meinen Job zu behalten und meinen Lebensunterhalt und meine Zukunft selbst zu verdienen.“ Wie Louise Arbour sagte: „Armutsbekämpfung ist keine Frage von Wohltätigkeit, sondern eine Frage der Menschenrechte.“

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